Merken

Japan und Nordkorea nähern sich an

In den 70er und 80er Jahren verschleppten nordkoreanische Agenten Japaner. Sie sollten Spionen Pjöngjangs Japanisch beibringen. Nordkorea ließ fünf frei, die anderen sind angeblich tot. Japan glaubt das nicht. Jetzt zeigt sich Nordkorea bereit, die Fälle neu aufzurollen.

Teilen
Folgen

Tokio In das gespannte Verhältnis zwischen Japan und Nordkorea kommt nach Jahren Bewegung. Pjöngjang habe zugesagt, die Fälle von Entführungen von Japanern durch nordkoreanische Agenten in den 70er und 80er Jahren neu zu untersuchen, gab der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag überraschend bekannt.

Tags zuvor hatten beide Regierungsseiten Gespräche in Stockholm beendet. Abe sprach von einem „ersten Schritt“ zu einer umfassenden Lösung. Sobald Nordkorea die Ermittlung zu den Entführungsfällen aufnehme, werde Japan gegen Nordkorea verhängte Sanktionen lockern, sagte ein Regierungssprecher in Tokio.

Für Tokio ist die Frage der Entführungen mit das größte Hindernis für eine Normalisierung der Beziehungen. Die Verschleppten sollten Spionen Pjöngjangs beibringen, Japanisch zu sprechen, und ihnen helfen, sich wie Japaner zu verhalten.

13 oder 17 Entführte

Jahrelang stritt das stalinistische Regime in Pjöngjang ab, etwas mit dem Verschwinden der Japaner zu tun zu haben. Erst im September 2002 gab der nordkoreanische Führer Kim Jong Ill bei einem überraschenden Besuch des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi erstmals die Entführungen von Japanern zu.

Anzeige
Dieses Spektakel in Bautzen solltet Ihr nicht verpassen!
Dieses Spektakel in Bautzen solltet Ihr nicht verpassen!

Sachsens spektakulärste und größte Flugshow lädt vom 12. bis zum 14. August auf den Flugplatz nach Bautzen ein. Heben Sie ab mit internationalen Flugzeugen, Shows und Attraktionen.

Pjöngjang gestand, 13 Personen verschleppt zu haben. Fünf von ihnen konnten nach Japan heimkehren. Nordkorea behauptete, die acht anderen Japaner seien gestorben und es habe keine weiteren Entführten gegeben. Damit war für Nordkorea die Angelegenheit beendet.

Tokio geht jedoch von 17 entführten Landsleuten aus und fordert eine volle Aufklärung. Um Druck auszuüben, wurden Sanktionen gegen das stalinistische Regime in Pjöngjang verhängt.

Nun zeigt sich Nordkorea offenbar zur Kooperation bereit. Man habe zugestimmt, eine Sonderkommission zur Untersuchung der Entführungen zu bilden, meldete die nordkoreanische Staatsagentur KCNA am Donnerstag laut japanischen Medien. Sollten Überlebende gefunden werden, werde man über das Vorgehen beraten und Maßnahmen ergreifen, sie nach Japan zurückzuschicken, wurde KCNA zitiert. Man sei bereit, die Entführungsfälle umfassend mit dem Ziel einer endgültigen Beilegung der Angelegenheit zu untersuchen. (dpa)