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Japanisches Teehaus wird gerettet

Handwerker erneuern nicht nur das Dach des Pavillons neben der Villa Teresa. Die Holzteile werden bei Bedarf ebenfalls repariert.

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© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Coswig. Nike Wagner war auch schon da. Die Urenkelin Richard Wagners und Ururenkelin Franz Liszts besuchte 2012 die Villa Teresa samt Park und japanischem Teehaus. Anlässlich eines Gesprächs über das Kunstfest Weimar, als dessen Leiterin die Publizistin und Dramaturgin von 2004 bis 2013 fungierte.

Nicht die einzige Künstlerin, die sich in Kötitz wohlgefühlt hat. Haus und Landschaftspark haben schon viele bezaubert, sagt Christiane Böttger, die Leiterin der Villa Teresa. Angetan von der Umgebung sind nicht nur Künstler, die hier regelmäßig auftreten. Sondern auch Veranstaltungsgäste und Spaziergänger.

Manchem ist es gleich aufgefallen, dass das japanische Teehaus derzeit anders aussieht. Auch weil das Licht fehlt, die indirekte Beleuchtung, welche die kleine bauliche Kostbarkeit normalerweise hervorhebt aus dem Park hinter der Villa Teresa. Besucher haben sie deshalb schon angesprochen, sagt Christiane Böttger.

Der Grund für die Dunkelstunden: Das Teehaus wird saniert. Immerhin ziert es den Park seit mehr als 100 Jahren, seit Paul Julius Matter es aus Japan an die Elbe holte. Dem Schweizer und seiner Frau Elisabeth, später seiner Witwe, gehörte die Villa Teresa von 1896 bis 1961. Als er 1905 in die japanische Kaiserstadt Kyoto reiste, kaufte er dort den Pavillon und ließ ihn, in Einzelteile zerlegt, auf dem Schiffsweg in die Heimat transportieren.

Seitdem steht das Teehaus auf einem Sandsteinsockel etwa 50 Meter von der Villa Teresa entfernt. Fast original erhalten. Anfang der 80er-Jahre wurde schon mal zum Pinsel gegriffen, als es Pläne für ein Naherholungsgebiet im Park gab. Ansonsten blieb der Pavillon weitgehend unangetastet.

Im Jahr 2000 fand hier das erste Benefizkonzert zugunsten der Villa Teresa statt. Um 2002 stand erst mal die Villa im Fokus, erklärt Christiane Böttger. Das Teehaus war da noch in relativ passablem Zustand. Nur die Fenster wurden 2002 erneuert, die Elektrik angeschafft.

Seitdem hat die Zeit allerdings deutliche Spuren am Bauwerk hinterlassen. Speziell am Dach. Da kam schon Regen durch, Schiefer-Dachschindeln fielen herunter. Die Blechaufsätze wurden marode. Der Pavillon musste seitlich abgesperrt werden.

Kein Zustand für das Kleinod des bürgerlichen Villenparks, im englischen Stil von Paul Julius Matter angelegt. Er platzierte das Teehaus sehr zentral. Auf einer ganz speziellen Sichtachse. Schaut der Besucher aus der ersten Etage der Villa über das Teehaus, erblickt er geradewegs Schloss Scharfenberg – besonders gut dann, wenn kein Laub die Aussicht behindert.

Lange wurde um das Geld für die Sanierung des Teehauses gerungen. Immerhin liegen die Kosten für die denkmalgerechte Renovierung bei rund 70 000 Euro, gefördert mit rund 33 600 Euro vom Freistaat.

Ende Oktober hat die Dresdner Firma Dittrich mit dem Erneuern begonnen. Eine ganz profilierte Firma, sagt Kerstin Richter von der WBV Coswig, die die Arbeiten koordiniert. Dachschindeln, Blech-Dachziegel und -Rosetten werden aufgearbeitet. Dafür werden Spezialisten gebraucht, Kunsthandwerk und Ingenieurleistung sind zugleich gefragt, sagt die Villa-Chefin. So viel wie möglich soll original erhalten bleiben, um den Charme der Anlage nicht zu beeinträchtigen.

Das betrifft auch die Holzelemente, die jetzt untersucht werden. Wird der Pavillon einmal angepackt, dann auch gleich verbunden mit der Überprüfung des Holzbestandes, unter anderem auf Schädlinge, um Auszubesserndes zu ermitteln. So schiebt sich allerdings der ursprünglich angekündigte Abschluss etwas hinaus. Jetzt soll das Teehaus Ende November fertig sein. Wenn das Wetter mitspielt.