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Leipzig

Je größer eine Stadt, desto wärmer

Hitze und Trockenheit machen Stadtbewohnern häufig mehr zu schaffen als Menschen auf dem Land. Was dagegen getan werden kann.

© Arno Burgi/dpa (Symbolbild)

Leipzig. In einer Stadt mit etwa 600.000 Einwohnern wie Leipzig sei es im Schnitt um etwa sechs Grad wärmer als im Umland. In Berlin betrage der Unterschied sogar zwölf Grad, sagte Uwe Schlink, Stadtklimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Als Gründe dafür nennt Schlink die Sonnen- und Wärmestrahlung sowie die Speicherung der Wärme in Gebäuden und Straßen. Der Einfluss der von Menschen produzierten Wärme, wie etwa durch die Nutzung von Verkehrsmitteln, sei hingegen sehr gering.

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Die Faktoren, die für Erfrischung sorgen würden, sind in Städten weniger stark ausgeprägt: Wenn Wasser verdunstet, kühlt es die Umgebung. "Allerdings ist in Städten viel Oberfläche versiegelt, dadurch hält sich die Wärme eher", erklärte Schlink. Auch Schneisen, durch die ein kühler Wind wehen kann, senken die Temperatur. "Um den Effekt auszunutzen, müssen die Städte rauer gebaut werden", forderte Schlink. Mit einer Mischung aus hohen und niedrigen Häusern würden Verwirbelungen begünstigt.

Damit Städte kühler werden, müsse der Einfluss der Faktoren für jedes einzelne Stadtquartier errechnet werden. Mit Modellen sei dies möglich, sagte der Wissenschaftler. Sogar die Blattdichte von Bäumen sei in manchen Siedlungen entscheidend dafür, wie viel Wärme sich hält. Denn Bäume tragen zur kühlenden Verdunstung bei, spenden zudem Schatten. Allerdings könnten dichte Kronen die erfrischenden Windböen behindern, erklärte der Forscher.

Zu einem frischeren Klima könnte hellerer Asphalt auf Straßen beitragen, sagte Schlink. Grünflächen und Gründächer, die bewässert werden, sowie Wiesen, unter denen sich Wasserspeicher befinden, kühlten die Städte. Frischluftschneisen und ein Wechsel von hohen und niedrigen Häusern könnten für frische Brisen sorgen. Um Tropennächte auch in Städten durchzustehen, rät der Stadtklimaforscher, nachts zu lüften, die Fenster von außen zu verschatten - am besten mit hellen Rollläden.

Im Juli starten die Helmholtz-Zentren ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zur Erforschung von Ursachen der Klimaerwärmung sowie von Maßnahmen, um mit dieser umzugehen. Schlink will sich dabei mit Hitze und Luftqualität beschäftigen. (dpa)