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Jede Stunde eine Runde

Zuverlässige Anschlüsse im öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht für Dresdens Ortschaften. Das will der Geschäftsführer des Busunternehmens Satra ändern.

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© Andreas Weihs

Herr Peschke, wenn ich von Oberwartha auf schnellstem Weg zum Hauptbahnhof Dresden möchte, muss ich eine Stunde lang in Cossebaude warten. Ganz schön lange, oder?

Es stimmt, wir schaffen im aktuellen Fahrplan den Anschluss nicht. Wenn die Busse in Cossebaude ankommen, ist die S-Bahn gerade weg. Dann gibt es zwar auch noch den Bus 94 nach Dresden. Bis zum Hauptbahnhof fährt der aber nicht. Sie müssten umsteigen.

Das ärgert sehr viele Menschen in den Dörfern im Dresdner Westen. Sie haben viel Kritik einstecken müssen.

Das wissen und merken wir. In den vergangenen Jahren sind die Fahrgastzahlen stark rückläufig. Wenn wir außerhalb des Taktes fahren, ist das nutzerunfreundlich. Ausgelastet sind wir nur morgens und am Nachmittag, durch den Schülerverkehr. Im Moment haben wir aber keine andere Option.

Die haben sie ab 2019. Dann will Satra Eberhardt die Konzession für die Strecken für zehn Jahre übernehmen. Vieles soll besser werden. Wie wollen sie den Stunden-Rhythmus schaffen?

Das ist eigentlich ganz einfach. Wir sind im Dresdner Westen mit zwei Fahrzeugen unterwegs, auf den Linien 91 und 93. Für eine Runde braucht die 91 eine Stunde und acht Minuten, die 93 eine Stunde und zehn Minuten. Wir können also nicht einmal pro Stunde an jeder Haltestelle halten. Entweder wir verkürzen den Weg, oder wir setzen ein drittes Fahrzeug ein. Das würde uns aber im Zweifel mehr als nur 33 Prozent mehr kosten. Deswegen müssen wir sehen, welche Haltestellen wir weglassen können. Zum Beispiel dort, wo schon heute nur sehr wenige Menschen zusteigen oder wo mit einem kleinen Fußweg eine weitere Haltestelle erreichbar ist.

Das wird den Menschen auf den Dörfern aber nicht gefallen.

Ich kann verstehen, dass sich die Ortschaften schwertun. In allen haben wir zusammen mit der Stadt die Pläne vorgestellt. In Oberwartha gab es zuletzt sehr kritische Meinungen. Dort spüren wir eine große Unzufriedenheit, auch aus der Vergangenheit heraus. Dennoch haben wir sehr offen diskutiert. Die Alternative zu kürzeren Strecken mit weniger Haltestellen wäre ein ganz neues Konzept. Dann würde eine Oberlandlinie nur über die Dörfer und nach Cossebaude pendeln und nicht mehr nach Cotta fahren. Die andere Linie wäre der Zubringer nach Dresden. Damit könnten wir den Stundentakt schaffen.

Kritik gibt es auch immer wieder wegen der Pünktlichkeit. Warum ist es auf dem Dorf schwieriger als in der Stadt, den Fahrplan einzuhalten?

Nicht nur dass wir mit einer engen Linienführung sowie engen, manchmal zugeparkten Straßen kämpfen. Unser Hauptproblem ist das Kassensystem, das gleichzeitig Navigationssystem ist. Das muss aufwendig gepflegt werden. Im Moment programmieren wir jede Baustelle einzeln ein. Nur so sieht der Fahrer, dass er vor oder hinter der eigentlichen Zeit fährt. Theoretisch müsste er in Bauphasen an einzelnen Haltestellen länger stehen bleiben, um den Plan zu halten. Das verstehen einige Passagiere nicht. Wir arbeiten an einem neuen System, damit sich hier etwas ändert.

Auch mit der Größe der Busse hadern die Menschen. Wenn am Wochenende eine Wandergruppe mit dem Bus fahren will, sieht es schlecht aus.

Am Wochenende sind wir auf den Strecken nur mit einem Acht-Sitzer unterwegs. Das reicht in der Regel auch. Mehr ist von der Stadt nicht für die Strecke bestellt. Fahren wir an diesen Tagen mit einem größeren Fahrzeug, zahlen wir drauf. Trotzdem sind wir flexibel. Wer vorher ankündigt, dass er mit großer Gruppe mit dem Bus fahren will, der kann darauf vertrauen. Dafür haben wir immer ein Fahrzeug auf dem Hof stehen. Das gilt übrigens auch für Kita-Gruppen. In diesem Jahr ist die Zahl der Gruppen-Anmeldungen zurückgegangen. Trotzdem wollen wir diesen Service auch künftig anbieten. Ich versuche, dies in den Vertrag mit der Stadt aufzunehmen.

Welche Punkte wollen Sie noch mit der Stadt diskutieren, wenn es um den neuen Vertrag geht?

Im Gewerbegebiet Merbitz will sich ein Unternehmen schon bald erweitern und plant eine ernorme Expansion der Mitarbeiter. Die sind für uns neben den Schülern eine besonders wichtige Gruppe, die wir natürlich auch gern in unseren Bussen mitnehmen wollen.

Sie haben noch viel Arbeit vor sich. Und bei Unzufriedenheit droht die Stadt mit Vertragsstrafen finanzieller Art. Warum wollen sie trotzdem das Geschäft?

Wir haben diese Linien schon immer bedient und wollen es besser machen. Dafür haben wir investiert. Ein neuer Mercedes Sprinter City ist bereits auf den Strecken unterwegs. Ein weiterer soll folgen. Die 91 und 93 machen zwar nur einen kleinen Teil unseres Gesamtumsatzes aus, der ist aber nicht unwichtig. Wir sind mit den Linien erfolgreich, schreiben keine roten Zahlen. Und wir wollen als Unternehmen aus der Region in der Region präsent sein.

Das Gespräch führte Annechristin Bonß.