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Jedem sein Knöllchen

Bischofswerdas Ordnungshüter greifen durch. Manchmal sogar auch gegenüber anderen Stadtangestellten.

© SZ/Reinsch

Von Ingolf Reinsch

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Da gab es im Bischofswerdaer Rathaus wohl eine Kommunikationspanne. Der Bauhof hatte gerade ein neues Auto bekommen, einen postgelben VW Caddy, und die Politessen wussten nichts davon. Weil das städtische Fahrzeug, wie üblich, ohne Parkscheibe am Rathaus auf der Kamenzer Straße stand und der Schriftzug „Bauhof Bischofswerda“ und das Stadtwappen an den Türen noch fehlten, gab’s ein Knöllchen. Denn wo kämen wir hin, wenn jeder sein Auto so abstellt, wie er möchte? Auf der inneren Kamenzer Straße gilt nun mal Höchstparkdauer eine Stunde. Und dafür muss man die Parkscheibe einstellen.

Allerdings gelten für Bauhof-Mitarbeiter Sonderrechte, wenn sie im Auftrag der Stadt unterwegs sind oder, wie es Isabel Seiler, Sachgebietsleiterin Verkehr in der Stadtverwaltung, formuliert, „hoheitliche Aufgaben“ wahrnehmen. Dazu gehört auch, dass Bauhoffahrzeuge ohne Parkschein oder Parkscheibe abgestellt werden dürfen, wenn Mitarbeiter Hausmeisteraufgaben in städtischen Gebäuden erfüllen. Da der Hausmeister meist länger im Rathaus zu tun hat, als die eine Stunde, die das Parken auf der Kamenzer Straße erlaubt ist, braucht er nicht alle 60 Minuten raus, um die Parkscheibe weiterzudrehen. Er darf unbegrenzt parken. Zu den Sonderrechten gehört auch, dass Bauhofautos Wege nutzen dürfen, die für alle anderen Kraftfahrer tabu sind, etwa in Parks für die Baumpflege, oder auf dem Altmarkt, wenn die Papierkörbe geleert werden. Auch auf Fußwegen dürfen die Autos vom Bauhof gelegentlich stehen. Zum Beispiel dann, wenn etwas Schweres geladen wird.

Für „normale Dienstfahrten“ wurde vor dem Rathaus ein Bereich beschildert, wo Fahrzeuge der Stadt mit Sondergenehmigung geparkt werden dürfen. Fährt beispielsweise der Oberbürgermeister mit seinem Dienst-Opel vor, braucht er, im Unterschied zu allen anderen, keinen Parkschein zu lösen. „Außerhalb dieser Sonderregelung werden Dienstautos der Stadt vom Ordnungsamt nicht anders behandelt als alle anderen Fahrzeuge“, versichert Isabel Seiler. „Verwarnungen erfolgen deshalb gleichermaßen auf Schwerbehindertenparkplätzen, in Brandschutzzonen oder im Bereich des absoluten Haltverbotes“ – sollte dort wirklich mal ein städtisches Fahrzeug gesehen werden. Diesen Fall gab es in den vergangenen Jahren nicht. Und auch der Hausmeister, der nun mal nichts dafür konnte, dass die Bauhof-Beschriftung am Caddy noch fehlte, brauchte nichts zu bezahlen. Das Knöllchen wurde zurückgenommen. Freilich darf nicht jeder Parksünder mit so viel Nachsicht rechnen.

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