Merken

Jedem seinen Engel

Leute. Maria Radecka hat in einem Zgorzelecer Vorort eine besondere Galerie eröffnet.

Teilen
Folgen

Von Jana Ulbrich

Fast scheint er zu schweben, der kindsgroße hölzerne Engel über der Eingangspforte. „Das ist meiner, der ist unverkäuflich“, sagt Maria Radecka und lächelt. „Ich habe ihn gesehen und wusste sofort, der ist es, der uns und diesen Hof bewacht.“

Das schwebende Kunstwerk weist den Weg zu einer ganz ungewöhnlichen Galerie, die die 51-Jährige gerade im idyllischen Zgorzelecer Vorort Lagow (Leopoldshain) eröffnet hat: Die „Galeria pod Aniolami“, die Galerie zum Engel.

Hundert kleine Kunstwerke

Über hundert Engelsfiguren und Bilder verschiedener polnischer Künstler hat sie zusammengetragen. Eine wunderbare und kunstvolle Sammlung fern jeglichen Weihnachtskitschs. Da stehen Engel aus Salzteig, die verschmitzt dreinblicken, Engel aus Kupferblech, die gerade davonzufliegen scheinen, Engel aus Keramik, die einen unverschämt angrinsen, Engel aus Holz, die aussehen, als stecke der Teufel in ihnen.

Die warmherzigen Figuren der Künstlerin Maria Szubart aus Jelenia Gora (Hirschberg) mag Maria Radecka am meisten. „Ich habe sie gleich in mein Herz geschlossen“, erzählt sie, „und gleich alle mitgenommen.“ Der eine, der auf der Gartenpforte, ist ihr ganz persönlicher. „Jeder Mensch findet eines Tages seinen Engel“, ist Maria Radecka überzeugt. „Und jeder Engel hier findet seinen Menschen.“

Und sie schwärmt, was für eine besondere Magie von den Figuren ausgeht, wie Besucher in ihre Galerie kommen, die Engel betrachten und plötzlich vor einer Figur stehen bleiben. „Die Leute betrachten diesen einen Engel sehr lange – und haben ihn gefunden.“ „Er passt zu Ihnen“, sagt sie, „fast sieht er Ihnen ähnlich“, wenn sie ihn vorsichtig einpackt und verkauft.

Ihre Geschäftsidee hat Maria Radecka von einem Besuch in Dänemark mitgebracht, wo ihre Tochter zurzeit studiert. „So eine Galerie, das war für mich etwas ganz Neues. Ich dachte sofort, das musst du probieren.“ Gemeinsam mit Mann, Sohn und Schwiegertochter hat sie den Hof zu Hause in Lagow saniert und den alten Kuhstall zur Galerie ausgebaut. Sie hat Künstler angesprochen, die – jeder auf andere Weise – die Engel für die Galerie „produzieren“. „Es kommen in den nächsten Wochen noch viel mehr dazu“, erzählt Maria Radecka, die selbst keine Künstlerin ist, sondern Touristik studiert hat.

In dem ungewöhnlichen Geschäft findet sich aber auch noch anderes: Bilder von bekannteren und unbekannteren Künstlern aus der Region, Designerkleider aus handgewebten Stoffen, Glas, Keramik oder handgearbeiteter Silberschmuck. Tische und Stühle stehen im Raum, es läuft leise Musik. Maria Radecka bietet Kaffee oder Tee an. „Die Leute, die zu mir kommen, sollen sich hier entspannen und verweilen können“, sagt sie.

Sie plant Künstlertreffs und Lesungen, Modenschauen von jungen polnischen Designern oder Workshops für Leute, die sich ihren Engel selber machen wollen. Schon im nächsten Jahr will sie auf dem Hof noch eine kleine Pension eröffnen. Und ganz fest glaubt Maria Radecka daran, dass über allem ihr wunderbarer hölzerner Schutzengel wacht.