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Jeden Tag drei Unfälle

Zwischen Dresden und Nossen gab es 2017 so viele Unfälle wie noch nie. 2018 sieht die Statistik etwas besser aus.

© Roland Halkasch

Von Tobias Winzer

Dippoldiswalde. Der Mann stirbt noch an der Unfallstelle. Am vergangenen Freitag fährt ein Kleinlaster in der Nähe des Rasthofs Dresdner Tor auf ein Stauende auf. Der 59-jährige Faher wird durch den Aufprall in seinem Fahrerhaus eingeklemmt und kann nur noch tot geborgen werden.

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Es ist einer der tragischsten Unfälle auf der Autobahn zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Nossen in den vergangenen Jahren. Wie die Statistik zeigt, sind solche tödlichen Unfälle zwar die Ausnahme – seit 2014 gab es 20 Todesopfer auf dem Autobahnteilstück. Doch zu Zusammenstößen kommt es im Durchschnitt mehrmals täglich.

Die Unfallzahlen: Jahr für Jahr mehr Unfälle

Der Autobahnabschnitt zwischen Dreieck Dresden-Nord und Dreieck Nossen zählt zu den unfallträchtigsten in Sachsen. Im vergangenen Jahr wurden dort nach Angaben der Polizei 1 025 Unfälle gezählt. Dabei wurden 175 Personen verletzt. Die Zahl der Unfälle ist seit Jahren steigend. Waren im Jahr 2014 noch 770 Zusammenstöße registriert worden, waren es ein Jahr später schon 780. 2016 wuchs die Zahl dann auf 997 an. Ob in diesem Jahr der bisherige Rekordwert aus dem vergangenen Jahr überboten wird, lässt sich noch nicht sagen. Bis zur Jahreshälfte Ende Juni zählte die Polizei 468 Verkehrsunfälle.

Dass es in dem Abschnitt besonders häufig kracht, zeigt ein Vergleich mit dem wesentlich längeren Teilstück zwischen Dresden und Görlitz. Dort gab es im vergangenen Jahr 667 Unfälle. Auch dort ist die Tendenz steigend.

Die Ursachen: Mehr Verkehr und unachtsame Autofahrer

Unbestritten habe der Verkehr auf der Autobahn zugenommen. Damit einhergehend sei auch ein Anstieg von Verkehrsunfällen zu verzeichnen, sagt der Sprecher der Polizeidirektion Dresden, Marko Laske. Seiner Einschätzung nach werden vor allem die vielen Baustellen und unachtsame Auto- und Lkw-Fahrer in dem Abschnitt zum Problem. Unfälle seien vor allem in der Nähe der Baustellen zu verzeichnen. Unfälle, bei denen Fahrzeuge in ein Stauende fahren, seien allgegenwärtig, so Polizeisprecher Laske.

Die Unfallschwerpunkte: Am Dreieck Dresden-Nord ist es am gefährlichsten

Mindestens einmal pro Jahr treffen sich Polizei und Verkehrsexperten der zuständigen Behörden in der sogenannten Unfallkommission. Dabei werden die Unfallschwerpunkte auf der Autobahn analysiert und es wird diskutiert, wie diese entschärft werden können. Betrachtet wird dabei immer ein Drei-Jahres-Zeitraum.

Wegen der Menge an Unfällen reiht sich auf dem Teilstück zwischen Dresden und Dreieck-Nossen ein Unfallschwerpunkt an den anderen (siehe Grafik). Derzeit hat die Unfallkommission elf solcher Schwerpunkte in dem Abschnitt im Blick. Nur bei einer der Stellen gab es im vergangenen Jahr keinen weiteren Unfall.

Als sich die Unfallkommission zuletzt zusammengesetzt hat, konnten drei Unfallhäufungsstellen gestrichen werden, weil es dort über einen längeren Zeitraum keine Unfallhäufung mehr gab. Es kamen jedoch auch zwei Stellen neu hinzu: zwischen der Abfahrt Dresden Wilder Mann und Dresden-Neustadt sowie eine Unfallstelle zwischen dem Autobahndreieck Nossen und der Anschlussstelle Wilsdruff. Am gefährlichsten ist es am Dreieck Dresden-Nord – mit einer deutlichen Tendenz. Im Jahr 2016 gab es dort sechs Unfälle mit Verletzten, im Jahr 2017 waren es zwölf Unfälle mit Verletzten.

Die Gegenmaßnahmen: Schilder, Tempolimit und Streckenausbau

Für den Unfallschwerpunkt am Dreieck Dresden-Nord hat die Unfallkommission eine klare Ursache ausgemacht. Autos, die von der Autobahn A 13 kommen, fahren zunächst auf einer Extraspur, die dann auf die A 4 führt. Das Problem: Lkw-Fahrer, die schon auf der A 4 unterwegs sind, übersehen des Öfteren die Autos, die rechts neben ihnen fahren. So kommt es häufig zu Kollisionen.

Bei allen anderen Unfallschwerpunkten wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit abgesenkt, um die Stellen zu entschärfen. Seit März darf zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Dresden-West nur noch Tempo 100 gefahren werden.

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Darüber hinaus drängt der Freistaat weiterhin auf einen Ausbau der Autobahn A 4. Noch in diesem Sommer wird das sächsische Verkehrsministerium nach Angaben des Ministers Martin Dulig (SPD) den Antrag stellen, das Bauvorhaben doch noch in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Geplant ist ein Ausbau der wichtigsten Ost-West-Route zwischen Dresden und Burkau auf sechs Spuren, zwischen Dresden und Nossen soll die Autobahn auf acht Spuren erweitert werden. Der Abschnitt im Dresdner Norden ist mit bis zu 130 000 Fahrzeugen am Tag der am stärksten belastete Bereich in ganz Sachsen.