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Jeder fünfte Einwohner im Zentrum ist ein Ausländer

Die Zuwanderung verändert das Bild in den Stadtteilen von Görlitz. Ein Gebiet steht aber besonders im Fokus der neuen Mitbürger.

Von Sebastian Beutler

Traditionell steigt im September die Einwohnerzahl in Görlitz leicht an – es ist der Studenteneffekt: Wer ein Studium in Görlitz neu aufnimmt, der meldet sich in aller Regel im September oder spätestens im Oktober auf dem Einwohnermeldeamt an.

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So war es auch in diesem Jahr und deshalb lag die Einwohnerzahl Ende September mit 57 114 wieder über der 57 000er-Marke, nachdem im August diese „Schallmauer“ nach unten durchbrochen wurde. Allerdings sind das 67 weniger als noch vor einem Jahr. Das geht aus den neuesten statistischen Zahlen aus dem Görlitzer Rathaus hervor. Der anhaltende Zuzug von EU-Bürgern aus Polen gleicht mittlerweile nicht mehr den Wegzug deutscher Bürger aus beziehungsweise die Lücke, die sich aus der höheren Zahl von Todesfällen gegenüber Geburten ergibt. Gegenwärtig sind 6 025 Ausländer in Görlitz mit Hauptwohnsitz gemeldet, darunter 3 790 polnische Mitbürger. Der Ausländeranteil liegt damit bei 10,6 Prozent, es ist der höchste im Landkreis Görlitz und kann sich mit deutschen Großstädten messen.

Wandel in der Innenstadt

Aber Durchschnittszahlen sagen wenig über die Lage in den einzelnen Stadtvierteln aus. So sind die Zahlen für die jeweiligen Stadtgebiete aufschlussreich. Demnach leben 60 Prozent aller Ausländer in der Innenstadt, ihr Anteil in diesem Gebiet, das vor allem durch die gründerzeitliche Bebauung charakterisiert ist, liegt damit bei 21 Prozent. Nun sagt zunächst ein hoher Ausländeranteil nichts über die soziale oder kulturelle Lage in einem Stadtgebiet aus. Es kommt ja immer darauf an, wie die Menschen integriert sind, ob sie Arbeit haben und vieles andere mehr. Zahlreiche polnische Geschäfte – Frisöre, Physiotherapien oder auch Gaststätten – in der Innenstadt verweisen auch auf eine geschäftliche Aktivität der Zugezogenen.

Allerdings ist die westliche Innenstadt auch jenes Gebiet in der Stadt, das ohnehin schon die höchsten sozialen Probleme aufweist. Hier kommen also ein hoher Ausländeranteil und soziale Problemlagen zusammen. So hatte es auch bereits die Stadt bei ihrem Bericht über die Lage an den Innenstadt-Schulen in diesem Jahr zusammengefasst. Zwar bemüht sich die Stadt, über verstärkte Sozialarbeit in diesem Stadtgebiet mögliche auftretende Probleme kleinzuhalten und schon im Ansatz zu lösen. Auch die Entwicklung eines neuen Stadtteilparks am Brautwiesenbogen ist Teil der städtischen Strategie, das Viertel aufzuwerten. Andere Projekte konterkarieren diese Absichten allerdings wieder, beispielsweise die Sanierung von drei Wohnhäusern in der Innenstadt West durch Kommwohnen, in die nur sozial Bedürftige ziehen sollen.

Wie ungleich Ausländer über das Stadtgebiet verteilt sind, machen weitere Zahlen deutlich. Den zweithöchsten Ausländeranteil wies im September die Historische Altstadt mit 17,5 Prozent auf, gefolgt von der Südstadt mit 10,2 Prozent – praktisch im Schnitt der Gesamtstadt.

Polen sind die größte Gruppe

Alle anderen Stadtteile liegen teilweise erheblich unter dem Durchschnitt. Die Nikolaivorstadt kommt auf einen Ausländeranteil von 9,1 Prozent, Königshufen auf 4,9 und Weinhübel auf 4,8. Alle Ortsteile zusammen liegen bei 3,8 Prozent, Rauschwalde bei 1,9 Prozent. Die besonders begehrten Wohnlagen in Görlitz spüren den hohen Ausländeranteil überhaupt nicht: In Biesnitz liegt er bei 2,6 Prozent, in Klingewalde bei 1,6 Prozent. Nach den Polen stellen die Syrer mit 710 Menschen die größte Gruppe unter den Ausländern in Görlitz. Sie nimmt aber seit Monaten ab, vor einem Jahr waren es noch 749, im September 2016 aber erst 557. Eine weitere große Gruppe stellen Menschen aus Afghanistan. 111 leben in Görlitz, deutlich weniger als noch vor einem Jahr, als es 140 waren.