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Jeder Fünfte muss sich Urlaub sparen

Aus Geldmangel verzichten 22 Prozent der Deutschen auf Reisen, acht Prozent müssen sich beim Essen einschränken. Im europäischen Vergleich sind das noch gute Werte.

© dpa

Von Lars Radau

Ein einwöchiger Urlaub, unerwartete Ausgaben für Reparaturen oder größere Anschaffungen – für viele Deutsche ist die Haushaltskasse dafür zu schmal. Für rund ein Drittel der Bevölkerung waren 2012 große Reparaturen oder Ersatzkäufe, die mindestens 940 Euro beanspruchen, nicht aus Eigenmitteln zu stemmen.

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Aus finanziellen Gründen verzichteten zudem knapp 22 Prozent, also jeder Fünfte der Bundesbürger, auf Urlaubsreisen. Das geht aus der Erhebung „Leben in Europa“ hervor, deren Ergebnisse das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden vorstellte.

Die europaweit erhobenen und vergleichbaren Zahlen basieren auf Selbsteinschätzungen über Einkommen und Lebensbedingungen. Danach ist fast jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Ob die Möglichkeit, sich pro Jahr eine Woche Urlaub woanders als zu Hause leisten zu können, dafür indes schon ein wirkliches Kriterium ist, lassen auch die Statistiker offen.

Jeder zwölfte Bundesbürger muss beim Essen sparen

Anders sieht es bei der Ernährung aus: Rund 8,2 Prozent der Bundesbürger mussten der Erhebung zufolge 2012 auch beim Essen sparen. So viele Befragte gaben an, sich aus finanziellen Gründen nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einem vergleichbaren vegetarischen Essen leisten zu können.

Deutlich drastischer fallen die Werte den Statistikern zufolge unter der armutsgefährdeten Bevölkerung in Deutschland aus. Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2011 lag dieser Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 980 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.058 Euro.

So musste rund ein Viertel (24,8 Prozent) aus finanziellen Gründen häufiger auf vollwertige Mahlzeiten verzichten. Fast drei Viertel (73,2 Prozent) der Armutsgefährdeten konnten unerwartet auftretende Ausgaben nicht aus eigener Kraft finanziell bewältigen. Mehr als die Hälfte von ihnen (57,6 Prozent) konnten aus finanziellen Gründen nicht für eine Woche in den Urlaub fahren.

Insgesamt hat sich soziale Lage leicht gebessert

Insgesamt allerdings hat sich die soziale Lage in Deutschland der Erhebung zufolge im Laufe der Jahre sogar etwas verbessert: So lag der Anteil derjenigen Bundesbürger , die sich 2008 keine Urlaubsreise gönnen konnten, mit 25,2 Prozent höher als derzeit. Auch waren es vor sechs Jahren mit knapp elf Prozent noch deutlich mehr Befragte, die Abstriche beim Essen machen mussten. Auch der Vergleich mit anderen EU-Ländern relativiert die Werte etwas. In den meisten der anderen 27 Länder fallen die Zahlen noch deutlich schlechter aus, hat sich die soziale Lage wegen der Finanz- und Schuldenkrise spürbar eingetrübt.

Den Zahlen zufolge verzichten vor allem die Menschen in Süd- und Osteuropa auf Urlaub: So ist es etwa für 43,5 Prozent der Tschechen oder 52,8 Prozent der Griechen zurzeit nicht möglich, in den Urlaub zu fahren. 2008 hatte dieser Wert in Tschechien noch bei 39, in Griechenland bei 49,8 Prozent gelegen. Insgesamt können sich laut der Statistik in Osteuropa mehr als die Hälfte der Menschen keine Reise leisten. In Norwegen ist der Wert am niedrigsten: Dort können nur sechs Prozent keinen Urlaub bezahlen. Im EU-Durchschnitt sind es 39,6 Prozent der Befragten, die auf Urlaub verzichten müssen.

Viele haben wenig Spielraum bei unerwarteten Ausgaben

Ein noch viel größeres Problem für weit mehr Menschen sind der Erhebung zufolge die unerwartet anfallenden Ausgaben: Im EU-Schnitt konnten 40,2 Prozent unerwartete Reparaturen oder plötzlich erforderliche Anschaffungen nicht allein finanziell bewältigen. Dabei liegt der Betrag in den meisten Fällen deutlich niedriger als die für Deutschland angesetzten 940 Euro – er orientiert sich an der Höhe des jeweiligen nationalen Schwellenwerts für Armutsgefährdung.

Damit eng verbunden sind auch die Möglichkeiten für eine vollwertige Ernährung: Im EU-Schnitt sind es elf Prozent der Befragten, die gar nicht erst über Urlaub nachdenken, sondern schon am Essen sparen müssen. (mit dpa)