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Jeder siebte Neu-Lehrer hört wieder auf

Der Freistaat Sachsen setzt auf Seiteneinsteiger in den Schulen. Doch ohne richtige Ausbildung scheitern viele sehr schnell an der Aufgabe.

© Symbolfoto: dpa

Andrea Schawe

Dresden. Vom Diplom-Physiker zum Physiklehrer an einer sächsischen Oberschule: heute keine ungewöhnliche Karriere. An Sachsens Schulen fehlen Lehrer. Im kommenden Schuljahr muss der Freistaat nach der Bedarfsprognose etwa 1 950 Lehrerstellen besetzen, um den Bedarf zu decken. Das Kultusministerium ist auf Seiteneinsteiger angewiesen – auch weil Bewerber fehlen, die eine grundständige Ausbildung zum Lehrer haben.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Freistaat insgesamt 1 320 Seiteneinsteiger in den Schuldienst eingestellt. Doch nicht alle bleiben: Etwa 15 Prozent der Seiteneinsteiger haben die Schulen seit August 2015 wieder verlassen. Nach Zahlen des Kultusministeriums sind insgesamt 197 Lehrer wieder aus dem Schuldienst ausgeschieden, 63 von ihnen im aktuellen Schuljahr.

Spitzenreiter im Schuljahr 2016/17 ist die Region Zwickau. Im Landkreis Zwickau und im Vogtlandkreis haben 12 der 81 im August 2016 eingestellten Lehrer schon wieder aufgehört, in einer Schule zu arbeiten. In den Regionalbezirken Dresden und Bautzen ist es jeder zehnte. Am niedrigsten ist die Quote in Chemnitz und Leipzig: Hier sind nur fünf Prozent der neu eingestellten Seiteneinsteiger aus dem Dienst ausgeschieden. Im Schuljahr 2015/16 war der Anteil noch höher, sachsenweit hörte durchschnittlich fast ein Viertel der Seiteneinsteiger wieder auf, in Dresden und Zwickau war es sogar jeder dritte.

Bei der Mehrzahl der ausgeschiedenen Seiteneinsteiger wurde der Vertrag entweder aufgelöst oder gekündigt. Zu den Gründen kann das Kultusministerium keine Auskunft geben, so Sprecherin Manja Kelch. Auch, ob die Initiative vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber erfolgte, wird nicht statistisch erfasst. In 85 Fällen war das Arbeitsverhältnis befristet.

Die Voraussetzung für die Einstellung von Seiteneinsteigern in den Schuldienst ist ein Master-, Magister- oder Diplomabschluss eines Hochschulstudiums. Während der sechsmonatigen Probezeit werden die Seiteneinsteiger durch die zuständige Bildungsagentur beurteilt. „Dabei wird festgestellt, ob sich die Lehrkraft im Schuldienst bewährt hat“, so Kelch. Bei Nichtbewährung werde das Beschäftigungsverhältnis beendet. Grundlage für die Beurteilung ist die Einschätzung der Schulleitungen und der Fachberater.

Viele Seiteneinsteiger bemängeln die Vorbereitung auf den Job und die Betreuung an den Schulen. Erst seit Januar absolvieren alle Neu-Lehrer eine dreimonatige Einstiegsfortbildung – bevor sie vor der Klasse stehen. Auch die Zeit mit den Mentoren sei zu knapp. Den Lehrern steht nur eine Wochenstunde pro Fach zur Verfügung.