merken

Jeder zehnte Meißner widerspricht seinem Steuerbescheid

Die Anzahl der Einsprüche stieg in vier Jahren um über ein Viertel. Gründe gibt es viele.

Die Post muss immer öfter zweimal den gleichen Umschlag zum Meißner Finanzamt auf der Heinrich-Heine-Straße bringen. Bei knapp zehn Prozent der Bescheide haben Steuerzahler 2012 Einspruch erhoben. Drei Jahre zuvor wurde nur etwa jeder siebente Bescheid von den Empfängern bemängelt.

Die Zahl geht aus einer Antwort des Sächsischen Finanzministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dietmar Pellmann aus der Fraktion der Partei Die Linke hervor. Genannt werden dort auch die absoluten Zahlen für den Freistaat. Demnach wurde vergangenes Jahr in 126.000 Fällen Einspruch erhoben. 2009 kamen knapp 98.000 Einsprüche zusammen.

Anzeige
Handwerk, das unbezahlbar ist!
Handwerk, das unbezahlbar ist!

Mit "Herz und Hand" heißt eine neue Kampagne im UnbezahlbarLand. Sie erklärt genau, warum Handwerker Motor und Rückgrat einer ganzen Region sind.

„Meißen liegt in diesem Trend“, bestätigt die Leiterin des für den gesamten Landkreis zuständigen Finanzamtes Meißen Bettina Krimmel. Es sei allerdings falsch, aus den steigenden Zahlen zu schließen, dass in der Behörde schlampig gearbeitet werde. Die Gründe für die vermehrten Einsprüche seien sehr vielgestaltig.

Computerprogramme errechnen andere Rückzahlungen

Bettina Krimmel nennt als ein Beispiel die hohe Zahl von Steuererklärung, die Mithilfe von Computerprogrammen wie Steuer-Sparbuch, Taxman oder Steuer Easy erarbeitet würden. Einige Steuerzahler vertrauen dem Ergebnis, welches das Programm bringt, offenbar mehr als der Arbeit des Finanzamtes. Wenn die Zahlen im Steuerbescheid von denen in der privat erstellten Erklärung abweichen, wird gern einmal Einspruch eingelegt. Oft steckten dahinter Eingabefehler oder fehlende Informationen. „Solche Patzer werden von dem Programm ja nicht automatisch erkannt und korrigiert“, so die Chefin des Meißner Finanzamtes. Stehen die Angaben in der falschen Zeile, könnten sie von den Bearbeitern nicht gewertet werden.

Einsprüche zahlen sich oft noch nach längerer Zeit aus

Sprunghaft kann die Menge der Einsprüche steigen, wenn Profis wie Steuerberater für eine größere Anzahl ihrer Kunden Einsprüche einlegen. Bettina Krimmel zufolge passiert das vor allem dann, wenn Gesetze strittige Regelungen enthalten, die oft in Gerichtsverfahren entschieden werden müssen. Ein bekanntes Beispiel aus der Vergangenheit ist der Streit um die Entfernungspauschale. Als Ende 2008 das Bundesverfassungsgericht eine frühere gesetzliche Kürzung als nichtig erklärte, wurde den dazu vorsorglich eingereichten Einsprüchen stattgegeben. Ähnliche Streitfälle gebe es auch heute, sagt Bettina Krimmel. So müsse noch abschließend geklärt werden, inwieweit Beiträge zur Altersvorsorge die Steuerlast verringern können. Hinfällig werden Einsprüche bei solchen generellen Fragen allerdings, wenn die Steuerbescheide durch die Finanzverwaltung selbst nur vorläufig erteilt werden und damit nachträglich änderbar sind.

Missverständnisse lassen sich auch anders aus der Welt schaffen

Um längere Wartezeiten zu vermeiden, gibt es nach Angaben des Meißner Finanzamtes auch andere Mittel, als den Einspruch. So bestehe die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen, damit der Steuerbescheid geändert wird. Das biete sich an, wenn sich herausstelle, das Nachweise oder Angaben fehlten beziehungsweise ein Zahlendreher oder Ähnliches vorlag. Solche Schusselfehler könnten über einen Änderungsantrag oft einvernehmlich mit den zuständigen Mitarbeitern geklärt werden, so die Finanzamtschefin.

Voreilige Kritik kann schnell teuer werden für den Steuerzahler

Uwe Reichel, der im Rahmen des Lohnsteuerhilfevereins Oberes Elbtal und Meißen zahlreiche Kunden betreut, macht wie Bettina Krimmel verschiedene Ursachen für eine steigende Zahl von Einsprüchen verantwortlich. Er warnt, leichtsinnig mit diesem Instrument umzugehen. Der Steuerbescheid werde nochmals komplett geprüft. Dabei würde ganz neutral nach Fehlern gesucht. Am Ende könne das Ergebnis für den Steuerzahler auch schlechter ausfallen, als ursprünglich beabsichtigt. Zu einer nicht zu unterschätzenden Fehlerquelle hat sich nach Reichels Erfahrung die elektronische Zuarbeit beispielsweise von Krankenkassen oder der Arbeitsagentur an das Finanzamt entwickelt. Deshalb empfiehlt er, bei größeren Unklarheiten solche Daten im Steuerbescheid gründlich zu prüfen.