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Jeder zweite AfD-Wähler ist ausländerfeindlich

Eine Studie der Uni Leipzig stellt zwar einen Rückgang bei Hass und Intoleranz fest. Dafür werden Asylbewerber und Muslime aber umso mehr diskriminiert.

© dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

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DREWAG als Teil des Projektes MAtchUP 

DREWAG-Maßnahmen als Teil des europäischen Forschungsprojektes MAtchUP vorgestellt

Rechtsextreme Einstellungen sind in allen Teilen der Gesellschaft anzutreffen. Eine Forschergruppe der Uni Leipzig spürt diesen Gesinnungen seit 2002 nach und stellte gestern ihre siebte Studie vor. Die gute Nachricht: Ausländerfeindlichkeit und andere rechtsextreme Haltungen sind erneut zurückgegangen, sagt Oliver Decker, Psychologe und Sprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung in Leipzig. Derzeit sei noch knapp jeder fünfte Deutsche ausländerfeindlich (18,1 Prozent). In den Jahren zuvor war es etwa jeder Vierte.

Ein Grund für den Rückgang sei die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, die immer auch politische Einstellungen beeinflusse, so Decker. Die aktuell gute Lage stabilisiere die Mitte der Gesellschaft. Der Forscher schränkt aber zugleich ein: „Bestimmte Gruppen von Migranten werden umso deutlicher diskriminiert.“ Betroffen sind vor allem Asylsuchende, Muslime sowie Sinti und Roma, die von teils mehr als 80 Prozent der Bevölkerung abgelehnt werden. Während viele Deutsche heute denken, bestimmte Ausländergruppen nutzten dem Land, würden jene Migranten die Wut auf sich ziehen, von denen die Vorstellung herrsche, sie hätten ein gutes Leben ohne Arbeit.

Die stärkste Anziehungskraft bei Wählern mit ausländerfeindlichen, antisemitischen und chauvinistischen Einstellungen hat – neben rechtsextremen Parteien – die AfD, stellt die Studie erstmals fest. Jeder zweite AfD-Wähler sei ausländerfeindlich und jeder Dritte wünsche, dass Deutschland mehr Macht und Geltung bekomme. Vielen Befragten seien ihre Ansichten keinesfalls als rechtsextreme Einstellung bewusst, sagte Decker der SZ. Daher bestünden auch keine gedanklichen Konflikte zwischen der Parteipräferenz und den eigenen Ansichten. In Landtagswahl-Umfragen liegt die AfD in Sachsen seit Jahresbeginn stabil bei sechs Prozent, sie hat damit zurzeit gute Aussichten auf einen Einzug ins Landesparlament. Bei der Europawahl Ende Mai holte sie zehn Prozent, bei den Kommunalwahlen 5,4 Prozent. Aber auch bei den Wählern der Volksparteien CDU und SPD gebe es rechtsextreme Ansichten.

Doch immerhin: Der Anteil derjenigen, die ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben, hat sich in ganz Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren fast halbiert – von knapp zehn Prozent im Jahr 2002 auf 5,6 Prozent derzeit. Dazu gehören laut der Studie die Befürwortung einer Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Sozialdarwinismus und Chauvinismus. Vor allem im Osten, bei jungen Leuten und in bildungsfernen Schichten seien die Zustimmungswerte höher. „Wo weniger Migranten leben, ist die Diskriminierung stärker verbreitet“, erklärt Forscher Elmar Brähler mit Blick auf den Osten. Kontakte hingegen verhinderten Vorurteile. Zudem bleibe Bildung der wichtigste Schutz vor rechtsextremen Einstellungen, so die Forscher.

Vertreter der Opposition äußerten sich besorgt und forderten, den Kampf gegen Rassismus zu verstärken. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter betonte, der Rassismus in Deutschland konzentriere sich auf Gruppen, die zunehmend an den gesellschaftlichen und medialen Pranger gestellt würden. Die Linksfraktion im Bundestag verlangte, gesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus müssten verlässlich und ausreichend unterstützt werden.