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Jennifer geht es gut

Unzählige Menschen haben am Schicksal der 16-Jährigen aus Görlitz Anteil genommen. Jetzt kommen tolle Neuigkeiten von ihr.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

Sie steigen und steigen. Nur wer etwas Vergleichbares wie Jennifer Bulang durchgemacht hat, kann wohl die unbändige Freude über Blutkörperchen nachempfinden. Die Leukozyten – die weißen Blutkörperchen, die für die Infektabwehr verantwortlich sind. Bei Jennifer waren sie noch vor Kurzem auf null. Jetzt werden es immer mehr. Lebenswichtig für Jennifer.

Als der Wert zum ersten Mal wieder über eins ging, war die Erleichterung riesig, erzählt Jennifers Mutter, Anke Bulang. Sie hat mit der 16-Jährigen gemeinsam sieben Wochen im Dresdner Uniklinikum durchgestanden. Der Teenager war an einer Vorstufe von Leukämie erkrankt, nur eine Stammzellenspende konnte ihr Leben retten. Die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Spender zu finden, wird zwar immer größer, je mehr Menschen sich auf der Welt ihr Blut typisieren lassen.

Trotzdem ist es immer noch nicht weniger, als den genetischen Zwilling eines Menschen zu finden – und daher durchaus mit der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu vergleichen. Für Jennifer wurde sie gefunden. Eine Frau aus Deutschland ist es, die nun wohl Jennifers Leben gerettet hat. „Mehr wissen wir nicht, aber in zwei Jahren können sich beide kennenlernen, wenn sie es möchten“, sagt Jennifers Mutter. „Da sie dann 18 ist, darf sie selbst entscheiden, ob sie das möchte.“

Seit einer Woche sind Mutter und Tochter wieder daheim. Nach einer schweren Zeit in Dresden. Denn vor der Knochenmarktransplantation im Januar musste das Mädchen eine Chemotherapie durchstehen. „Das war sehr schlimm für sie. Auch für mich als Mutter, das mit erleben zu müssen“, sagt Anke Bulang. Nach der Knochenmarktransplantation folgten 21 Tage Quarantäne, Bangen und Hoffen: Wird der Körper das Fremde annehmen?

Die Antwort gab Jennifer selbst. Als das Schlimmste überstanden war, meldete sie sich über Facebook bei Freunden und Bekannten und all den Menschen, die mit ihr gebangt hatten: „Nach anfänglichen schweren Problemen durch Nachwirkungen der Chemotherapie und heftiger Medizin, geht es nun steil bergauf. Nach dreiwöchiger Fastenzeit wegen völliger Appetitlosigkeit und Magenreizung, kann nun die künstliche Ernährung eingestellt und kleine Häppchen gegessen werden“, stand dort. „Und das Allerschönste, die Stammzellen haben dank der Medikamente bis jetzt den Körper akzeptiert und die Leukozytenanzahl des neuen Blutes steigt nun unaufhörlich an. Es fängt wahrhaftig an zu wachsen! Nun heißt es, Zähne zusammen beißen, Ohren steif halten und vor jeden Infekt aufpassen.“

Darauf legen auch ihre Eltern größten Wert. „Sie darf zwar raus, aber nicht in größere Menschenansammlungen“, sagt die Mutter. Bloß jetzt nichts einfangen. Zwei- bis dreimal pro Woche müssen sie weiterhin zur Kontrolle nach Dresden. Bald soll Jennifer auch Physiotherapie bekommen. Der Wunsch der Handballerin, irgendwann wieder dem Ball nachzujagen, ist groß. Auch die Schule wird nun wieder ein Thema. Zunächst mit Unterricht zu Hause. Die 10. Klasse wird sie wiederholen.

Doch all das ist nichts im Vergleich zu den schweren Wochen im Krankenhaus. Von Jennifer selbst ist am Telefon ein gelöstes „Mir geht es gut“ zu hören. Und da ist schließlich auch noch der kleine Bruder, der froh ist, Mutter und Schwester wiederzuhaben. Um ihn haben sich in den letzten Wochen Papa und Oma gekümmert.

Die Anteilnahme an Jennifers Schicksal ist ungebrochen. Mehr als 800 Menschen haben auf Jennifers Facebook-Nachricht hin „Gefällt mir“ geklickt, in unzähligen Kommentaren bekommt sie Genesungswünsche. Ende des vergangenen Jahres hatte eine Initiativgruppe, die sich aus dem beruflichen Umfeld von Jennifers Mutter heraus gebildet hatte, in der ganzen Stadt auf das Mädchen aufmerksam gemacht und Spenden gesammelt. Mehr als 14 000 Euro kamen zusammen. 1 100 Menschen kamen am 5. Dezember zur Typisierung ins Annengymnasium. Die Initiativgruppe will nun abwarten, bis sich Jennifer daheim wieder eingelebt hat und dann mit ihr sprechen. Erst danach soll über eine mögliche Fortführung der Aktionen entschieden werden. Je nachdem, was an Hilfe noch nötig ist. „Wir sind unglaublich dankbar für all die Hilfe und Resonanz, die uns bislang entgegen gebracht wurde“, heißt es aus den Kreisen der Gruppe.

Vielleicht gibt es am Sonnabend im Möbelhaus Porta eine ähnliche Resonanz. Hier findet zwischen 10 und 18 Uhr ebenfalls eine Knochenmark-Typisierungsaktion statt, in Zusammenarbeit mit VKS Deutschland. „Unsere Mitarbeiter hatten vor dem Hintergrund von Jennifers Erkrankung die Idee, so etwas auch bei uns im Haus zu organisieren. Einfach, damit die Datenbank weiter wächst“, sagt Torsten Zieschank von Porta. „Wir sind schon 70 Mitarbeiter. Wenn dann noch der eine oder andere Kunde mitmacht, würden wir uns freuen. Das geht übrigens ganz ohne Blut, nur mit Speichelproben.