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Jetzt gehen auch noch die Spieler aufeinander los

Die Leistung des HSV ist nicht mehr erstligareif. Nun wird der Selbstzerstörungsmodus aktiviert.

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© inside

Von Peer Lasse Korff

Der erste Absturz in die 2. Liga rückt immer näher, und nun prügeln sich auch noch die Spieler in der Kabine. In der Halbzeitpause beim 0:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg lieferten sich die beiden Schweizer Nationalspieler Johan Djourou und Valon Behrami eine handfeste Schlägerei und sorgten damit für den nächsten Tiefpunkt einer desaströsen Saison. Nach dem 3:2-Sieg der Stuttgarter gegen Bremen rutschte der HSV auf den letzten Platz ab. Alles deutet darauf, dass der HSV nach 52 Jahren von der Bundesliga-Landkarte verschwindet.

„Es war eine emotionale Auseinandersetzung. Es wurde besprochen“, sagte Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer zur Keilerei in der Kabine: „Wer Disziplin bricht, muss bestraft werden.“ Djourou und Behrami müssen mit einer saftigen Geldbuße des Klubs rechnen. Eine Mischung aus Frust, Verzweiflung und dem blanken Entsetzen herrschte auch einen Tag nach dem nächsten dramatischen Rückschlag.

„Nach so einem Spiel von Hoffnung zu reden, ist ein bisschen viel verlangt“, sagte Peter Knäbel, der als erster Trainer nach Kuno Klötzer 1973 seine ersten beide Spiele verlor. Vor drei Wochen hatte der eigentliche Sportdirektor Joe Zinnbauer abgelöst, um das Horrorszenario Abstieg noch abzuwenden. Doch nach dem erneuten Offenbarungseid ist kaum noch Hoffnung zu spüren. „Das hatte mit Fußball nichts zu tun“, stammelte Heiko Westermann betroffen. „Es wäre eine Schande, wenn der HSV absteigt“, sagte Lewis Holtby.

Ein erneuter Trainerwechsel kommt für Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer trotz des erstmaligen Abrutschens auf einen direkten Abstiegsplatz seit dem 13. Spieltag allerdings nicht infrage. „Das schließe ich aus. Es gibt keine Gedankenspiele“, sagte der 51-Jährige gestern.

Gegen Wolfsburg hatte er erneut eine dramatisch schwache Offensivleistung mit ansehen müssen. Die Hamburger schossen nicht ein einziges Mal gefährlich aufs Tor und blieben zum 17. Mal in dieser Saison ohne eigenen Treffer. Seit 495 Minuten steht bei den Hanseaten nunmehr vorne die Null. Und die Gegner müssen nur noch auf die Fehler der HSV-Abwehr warten – Innenverteidiger Cléber leitete mit einem schweren Patzer schon in der Anfangsphase die Niederlage ein. „Wenn man den Ball so dämlich und so überflüssig verliert, dann ist es das Schlimmste, was es gibt“, sagte Knäbel und watschte Cléber verbal ab: „Die Bundesliga ist der falsche Ort, um solch einen Fehler zu begehen.“ (sid)