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Jetzt gehört der Fels den Falken

Wegen der Brut sind im Elbsandsteingebirge zahlreiche Gipfel tabu. Störenfrieden drohen saftige Strafen.

© Nationalpark

Von Matthias Weigel und Christian Eissner

Pavel Benda hat so viel Unverfrorenheit selten erlebt. Im Prebischtorgebiet in der Böhmischen Schweiz war am Ostersonnabend eine 15-köpfige Besuchergruppe aus Deutschland erwischt worden – abseits der Wege, in der Kernzone des Nationalparks und noch dazu in einer abgesperrten Vogelschutzzone. Das Sperrschild dazu war sogar zweisprachig verfasst. Beim Eindringen in den sensiblen Bereich blieb es aber nicht: Die Gruppe boofte hier illegal und entzündete zu allem Übel noch Feuer, schildert der Leiter der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz.

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Ein Einzelfall? Mitnichten. Auch im Nationalpark Sächsische Schweiz mussten am Ostermontag sechs Ordnungswidrigkeiten ausgesprochen werden, weil sich Besucher nicht an Verbote hielten, berichtet Parksprecher Hanspeter Mayr. Neben dem üblichen Gebot, besonders in der Kernzone nur auf ausgewiesenen Wegen zu laufen, werden im Park jedes Frühjahr bestimmte Bereiche gesperrt, um die Vogelbrut nicht zu stören. Es geht dabei besonders um die sensiblen Wanderfalken, die in den letzten drei Jahrzehnten mit viel Aufwand wieder angesiedelt wurden. Aber auch um Uhus und Schwarzstörche.

Der Schutz hat seinen Grund: „Zweimal haben wir schon eine Wanderfalkenbrut aufgrund unachtsamer Besucher verloren“, erklärt Thomas Salov, Sprecher des Nationalparks Böhmische Schweiz. Das soll in diesem Frühjahr möglichst nicht schon wieder passieren. Die tschechischen Ranger griffen deshalb gegen die deutsche Wandergruppe hart durch. Weil sie auf ihrem Weg offenbar nicht einmal ein Absperrband aufhalten konnte, sahen sich die Touristen abends nicht nur mit den Rangern, sondern auch mit der Polizei konfrontiert. Jeder Einzelne bekam wegen des rücksichtslosen Verhaltens ein Ordnungsverfahren aufgebrummt, verbunden mit jeweils 90 Euro Geldstrafe.

In der Sächsischen Schweiz hätte für ein ähnliches Vergehen ein Bußgeld zwischen 75 und 2 500 Euro festgesetzt werden können, wie Holm Felber von der Landesdirektion mitteilt. Insgesamt 506 Ordnungswidrigkeiten wurden 2015 in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz bearbeitet, sagt Holm Felber. Häufigste Vergehen neben dem unerlaubten Abstellen von Autos und Abreißen von Pflanzen: Verlassen der Wege, illegales Boofen, Feuermachen. „Es wurden in der Regel Verwarngelder zwischen 20 und 50 Euro oder Bußgelder zwischen 100 und 200 Euro festgesetzt“, sagt Felber.

Neben gelben Hinweisschildern zur Vogelbrut setzt der Nationalpark auf die Hilfe des Bergsteigerbundes. Dort engagieren sich Kletterer als Horstbewacher. „In dieser Zeit gehört den Vögeln der Fels, und wir wünschen ihnen gute Bruterfolge“, lautet die Devise. Zurzeit sind in der Sächsischen Schweiz zehn Gipfel aus Artenschutzgründen dicht. Auf Böhmischer Seite 24.