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Jetzt ist der Wolf auch für Brüssel ein Thema

Das Europaparlament reagiert auf die Sorgen der Bürger im ländlichen Raum und legt einen Aktionsplan vor.

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© dpa

Von Mirjam Moll, SZ-Korrespondentin in Brüssel

Lange war der Wolf nur noch Teil von schaurigen Märchen der Gebrüder Grimm. Inzwischen ist er in weiten Teilen Europas wieder heimisch geworden, Naturwissenschaftler sprechen von insgesamt zehn verschiedenen, teils grenzüberschreitenden Populationen. Allein in Deutschland leben inzwischen wieder mehr als 60 Rudel. Einigen Landwirten geht das zu weit. Denn das Raubtier reißt nicht nur Rehe, sondern auch Schafe und Ziegen. In dieser Woche haben nun auch die Abgeordneten des Europaparlaments in Straßburg auf die Sorgen der Bürger vor allem aus dem ländlichen Raum reagiert: In einem Aktionsplan forderten die Volksvertreter Maßnahmen der EU-Kommission.

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„Die Koexistenz mit großen Beutegreifern wie dem Wolf ist in manchen Regionen schwierig“, sagt Landwirt und CDU-Europaabgeordneter Karl-Heinz Florenz. „Die Population hat mancherorts eine Größe erreicht, dass sie für andere Arten und Nutztiere eine ernste Gefahr darstellt“, sagt Florenz, der zugleich Präsident der parlamentarischen Intergruppe Biodiversität, Jagd und ländliche Aktivitäten ist. Fraktionskollege und Umweltpolitiker Jens Gieseke sieht das genauso: „Wenn streng geschützte Arten einen guten Erhaltungszustand erreicht haben und zugleich die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum gefährden, muss die Kommission tätig werden“, forderte er. Mehr noch: „Eine ungehinderte Ausbreitung des Wolfs passt nicht in unsere dicht besiedelte Region“, meinte der Abgeordnete aus Niedersachsen. In dem Aktionsplan werden die EU-Behörde sowie die Mitgliedsstaaten aufgerufen, „konkrete Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme zu ergreifen“.

Tatsächlich erkennt selbst der Naturschutzbund Deutschland diese an und forderte diese Woche, „bundesweit den praxistauglichen Herdenschutz“ voranzubringen: „Weidetierhalter in Deutschland dürfen von der Politik nicht länger alleingelassen werden mit den Herausforderungen, die die Rückkehr des Wolfes für sie mit sich bringt“, fordert der Bund. Als Abschussfreigabe wollen die Naturschützer ihren Appell aber nicht verstanden wissen, stattdessen müssten „angemessene Präventionsmaßnahmen“ getroffen werden.

Hans-Dieter Pfannenstiel, Professor für Zoologie an der FU Berlin, fordert eine „angemessene Regulierung des Wolfsbestandes durch die Jagd“. Der deutsche Jagdverband verweist ebenfalls auf den schon jetzt „günstigen“ Erhaltungszustand der Raubtiere. Das Problem: Wölfe legen innerhalb eines Tages große Strecken zurück. Sven Herzog, Genetiker und Professor an der TU Dresden, spricht deshalb von einem zusammenhängenden Wolfsvorkommen, „welches sich vom Ural im Norden bis nach Karelien und ins Baltikum, nach Westen bis Niedersachsen und nach Süden über die Karpaten bis in die dinarisch-balkanischen Gebirge erstreckt“.

Nun soll sich also die EU-Kommission des Problems annehmen und ein „Bewertungsverfahren entwickeln, das es ermöglicht, den Schutzstatus von Arten in bestimmten Regionen abzuändern, sobald der gewünschte Erhaltungszustand erreicht ist“, wie das Straßburger Parlament forderte. Soll heißen: Der Status besonders streng geschützter Arten soll auf den Prüfstand kommen. „Europäisches Umweltrecht muss flexibler werden“, verlangt der CDU-Parlamentarier Gieseke – und meint damit nicht nur den Wolf. Auch Kormorane müssten künftig jagbar werden, so der Europaabgeordnete. Am niedersächsischen Dümmer-See habe der Vogel bereits eine „dramatische Reduzierung des Fischbestands“ verursacht.