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Job-Wachstum in Sachsen endet in zwei Jahren

Es gibt immer mehr zu tun, noch nimmt die Beschäftigung zu. Doch allmählich geht dem Freistaat der Nachwuchs aus.

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© dpa

Georg Moeritz

Dresden. Seit acht Jahren wächst die Zahl der Arbeitnehmer in Sachsen. Die Firmenchefs melden volle Auftragsbücher und zeigen sich in Umfragen optimistisch. Trotzdem kommt nun ein Ende des Job-Zuwachses in Sicht. Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Arbeitsagenturen, hat eine Beschäftigungsprognose bei der Hochschule Bochum in Auftrag gegeben. Die wichtigste Aussage der Berechnungen: Die Beschäftigung in Sachsen wächst dieses und nächstes Jahr noch kräftig. Danach aber geht sie jedes Jahr zurück.

Die Vorhersage reicht bis zum Jahr 2030. Hansen sieht in den Zahlen eine Diskussionsgrundlage, die er ernst nimmt. Die gute Nachricht: Der Stellenabbau wird laut Prognose wesentlich langsamer gehen als der Zuwachs. Von 2016 bis 2019 entstehen in Sachsen nach den Bochumer Berechnungen 33 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zusätzlich. Danach fallen 38 000 Stellen bis zum Jahr 2030 weg.

Der Grund für den angekündigten Rückgang der Beschäftigung ist nicht etwa eine erwartete Wirtschaftskrise. Die Vorhersage stützt sich vor allem darauf, dass Sachsens Bevölkerung altert. Die Wirtschaft kann daher nicht alle Stellen besetzen und schränkt sich selbst ein. „Angebot und Nachfrage beeinflussen einander“, sagt Hansen. Schon heute gebe es jedes Jahr „mehr Aussteiger aus dem Erwerbsleben als Einsteiger“. Dadurch gehen dem Arbeitsmarkt jedes Jahr 20 000 bis 30 000 Menschen im erwerbsfähigen Alter verloren. Als die Kammern der sächsischen Wirtschaft jüngst ihre Umfrage zum Fachkräftemonitoring vorstellten, berichteten sie von abgelehnten Aufträgen wegen unbesetzter Stellen.

Die Prognose bedeutet nicht, dass ab 2020 gar keine neuen Stellen mehr entstehen. Bosch etwa hat angekündigt, dass seine neue Mikrochipfabrik in Dresden ab 2021 produzieren wird. Auch viele Dienstleistungsberufe legen laut Vorhersage zu: „Das Gesundheitswesen wächst weiter kräftig“, sagt Hansen – schon deshalb, weil es mehr ältere Sachsen gibt, die mehr Hilfe in Anspruch nehmen. Auch im Erziehungswesen entstehen mehr Arbeitsplätze.

Als Wachstumsbranchen gelten laut Arbeitsagentur auch Wissenschaft, Leiharbeit, Verkehr und Gastgewerbe. Beim Fahrzeugbau steht ebenfalls Wachstum in Hansens Papier, allerdings sind die Folgen von Dieselskandal und Elektrifizierung unsicher. Schrumpfen werden laut der Prognose bis 2030 Handel, öffentliche Verwaltung, Baugewerbe und Maschinenbau.

Hansen rät den sächsischen Unternehmern, um Rückkehrer unter den ausgewanderten oder pendelnden Sachsen zu werben. Er hält auch Zuwanderung für wichtig, um Arbeitsplätze zu besetzen.