merken
PLUS Zittau

Heftiger Protest gegen Umleitungspläne

Um die Hauptstraße in Waltersdorf bauen zu können, sollten Anwohner und Touristen zwei Jahre lang über einen Wanderweg fahren. In Jonsdorf regt sich Widerstand.

Um die Hauptstraße in Waltersdorf bauen zu können, sollten Anwohner und Touristen zwei Jahre lang über einen Wanderweg durch den Wald fahren. Im Nachbarort Jonsdorf regt sich Widerstand.
Um die Hauptstraße in Waltersdorf bauen zu können, sollten Anwohner und Touristen zwei Jahre lang über einen Wanderweg durch den Wald fahren. Im Nachbarort Jonsdorf regt sich Widerstand. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Artikel aus der SZ verbreitet sich im Kurort Jonsdorf wie ein Lauffeuer: Es gibt eine neue Variante für den schwierigen Weiterbau der Hauptstraße im Nachbarort Waltersdorf. Die Hainewalder Firma Franke-Bau hatte sie im Ausschreibungsverfahren überraschend als preiswerteres Nebenangebot ins Spiel gebracht. Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro hatte den Vorschlag fachlich geprüft und - für Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) noch überraschender - auch gleich alle nötigen Genehmigungen vorgelegt.

Trotz Bedenken des Bürgermeisters hatte der Großschönauer Gemeinderat der Variante auf seiner Mai-Sitzung den Zuschlag erteilt. "Die Gemeinde war an den Vergabevorschlag des Ingenieurbüros im Ausschreibungsverfahren de facto gebunden", erklärt Frank Peuker. Und wie er es schon geahnt hatte: Dieser neue Plan gefällt nicht jedem. Vor allem in Jonsdorf gefällt er nicht. Kein Wunder, soll bei dieser Variante der Verkehr während der zweijährigen Bauzeit über den Hohlsteinweg, einen bekannten und beliebten Wanderweg umgeleitet werden, der von Jonsdorf aus zur Lausche führt. Der Weg, so der Plan, soll für die Autos extra ausgebaut werden.

So schön ist die Porzellan- und Weinstadt
So schön ist die Porzellan- und Weinstadt

Meißen hat zahlreiche Facetten: Lernen Sie Ihre Stadt näher kennen und erfahren Sie, was dieser Ort Ihnen alles zu bieten hat. Das und mehr auf Meißen. Lokal

Mit dem Vorschlag der Firma solle das größte Problem des Waltersdorfer Hauptstraßenbaus gelöst werden. Die einzige Ortsdurchfahrt endet am Fuße der Lausche als Sackgasse. Wenn jetzt der 750 Meter lange Abschnitt von der Wendeschleife am Touristenparkplatz bis hoch zur Sonnebergbaude unter Vollsperrung ausgebaut würde, kämen die Anwohner und die Gäste der beiden großen Hotels Rübezahl- und Hubertusbaude nicht an die Grundstücke.

Die geplante Umleitungsstrecke für den Waltersdorfer Hauptstraßenbau soll über Jonsdorf auf dem Hohlsteinweg durch den Wald führen.
Die geplante Umleitungsstrecke für den Waltersdorfer Hauptstraßenbau soll über Jonsdorf auf dem Hohlsteinweg durch den Wald führen. © Grafik: SZ

Geplant war deshalb ursprünglich der Bau unter halbseitiger Sperrung, was bei der engen Straße aber ebenfalls sehr kompliziert wäre und die Anlieger für die Bauzeit ihre Vorgärten kosten würde. Die Variante mit der Umleitung durch den Wald würde ein Jahr Bauzeit und Kosten sparen. Sowohl die Gemeinde Jonsdorf als auch die Stadt Zittau als Waldbesitzer hatten dem Vorhaben bereits zugestimmt.

Familie Maschke, die in Jonsdorf die Pension Bergfreund betreibt, ist entsetzt: "Uns hat niemand gefragt", sagt Thomas Maschke. "Wir hätten es wahrscheinlich auch überhaupt nicht erfahren, wenn es nicht in der Zeitung gestanden hätte." Für Familie Maschke und mehrere andere Jonsdorfer ist diese Umleitung mitten durch den Wald nicht vorstellbar. Sie haben begonnen, Unterschriften gegen das Vorhaben zu sammeln. An diesem Mittwoch wollen sie diese dem Jonsdorfer Gemeinderat übergeben - und rufen zur zahlreichen Teilnahme an der geplanten Bürgerfragestunde zum Thema auf.

"Es kann doch nicht sein, dass die Autos zwei Jahre lang über vier Kilometer durch den Wald rollen", sagt Thomas Maschke. "Wer denkt sich denn so etwas aus? Das ist doch verantwortungslos." Der Jonsdorfer weist dabei nicht nur auf den Naturschutz hin, sondern auch auf die hohe Waldbrandgefahr. "Diesen Plan wollen und müssen wir verhindern", sind er und seine Mitstreiter überzeugt.

Großschönau muss Beschluss zurücknehmen

Möglicherweise aber hat sich der Plan bereits von selbst erledigt. Der Großschönauer Gemeinderat nämlich muss den Beschluss zur Auftragsvergabe an das Nebenangebot der Firma Franke-Bau auf seiner Juni-Sitzung am kommenden Montag wieder zurücknehmen. Wie ebenfalls schon bei der Beschlussfassung im Mai angekündigt, hatte die Landesdirektion der Rechtmäßigkeit der Vergabe noch einmal geprüft - und das Nebenangebot der Firma ausgeschlossen.

Naheliegend ist jetzt, dass der Plan von der Umleitung durch den Wald im Papierkorb verschwindet und die Waltersdorfer Hauptstraße nun doch unter halbseitiger Sperrung gebaut werden muss - mit dreijähriger Bauzeit und einschließlich dem Verlust der Vorgärten. Die einfachste Variante übrigens - die Umleitung über eine zeitweilige Behelfsstraße hinter den Häusern - musste verworfen werden, weil zwei Grundstücksbesitzer dem ihr Einverständnis verweigert haben.

Öffentliche Gemeinderatssitzung in Jonsdorf mit Bürgerfragestunde zur Umleitungsstrecke am Mittwoch, dem 23. Juni, 17 Uhr in der Sparkassenarena.

Öffentliche Gemeinderatssitzung in Großschönau am Montag, dem 28. Juni, 19 Uhr im Saal des Naturparkhauses.

Weiterführende Artikel

Umstrittenes Straßenbau-Vorhaben platzt

Umstrittenes Straßenbau-Vorhaben platzt

Der Hohlstein-Wanderweg von Jonsdorf nach Waltersdorf wird nun doch nicht zur Verkehrsumleitung für den Straßenbau. Ist die Sache damit aber erledigt?

Update, 22. Juni, 9.30 Uhr: Der Text wurde um den Fakt ergänzt, dass das von der Gemeinde Großschönau beauftragte Ingenieurbüro nach fachlicher Prüfung den Vergabevorschlag an den Gemeinderat vorgelegt hatte, an den die Gemeinde im Ausschreibungsverfahren de facto gebunden war.

Mehr zum Thema Zittau