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Was ist in der Jonsdorfer Kita los?

Eltern kritisieren die Awo als Kita-Betreiber. Der Gemeinderat hatte deshalb jetzt die Kündigung des Vertrages auf dem Tisch.

Die Jonsdorfer Kita "Kinderland" wird von der Awo Oberlausitz betrieben.
Die Jonsdorfer Kita "Kinderland" wird von der Awo Oberlausitz betrieben. © Archivfoto: Thomas Eichler

Für den Jonsdorfer Gemeinderat Klaus Richter ist es fünf nach zwölf. In den vergangenen Monaten seien viele Beschwerden von Eltern an ihn oder die Gemeinde herangetragen worden, ohne dass der Betreiber der Kindertagesstätte versucht hätte, die Probleme zu lösen, kritisiert Richter. Träger des Jonsdorfer "Kinderhauses" ist die Awo Oberlausitz.

Klaus Richter fordert deshalb die Kündigung des Vertrages mit der Awo. Über den entsprechenden Antrag sollten jetzt die Jonsdorfer Gemeinderäte abstimmen. Richter, dessen Kind selbst die Kita besucht, zählte seinen Ratskollegen einige Kritikpunkte auf. So werde beispielsweise von Eltern die Qualität des Essens bemängelt. Es enthalte zu viele Geschmacksverstärker und sei manchmal zu kalt.

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Kritisiert wird ebenso, dass eine bestehende Gruppe auseinandergerissen und die Kinder auf andere Gruppen verteilt wurden. Nachdem sich Eltern darüber beschwert hatten, wurde die alte Gruppe wieder gebildet, behauptet Richter. Die Erzieher seien teilweise demotiviert und diskutieren lautstark vor den Kindern. Darüber hinaus sei ein Balken des Klettergerüstes morsch, an den Splittern könnten sich die Kleinen verletzen. Auch andere Gefahrenstellen werden nicht richtig gesichert, so ein weiterer Vorwurf.

Ein Kind aus dem Ort sei nach der Eingewöhnungsphase wegen Überfüllung abgelehnt und die Eltern auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden, sagt Richter. Die Eltern hätten so zwei Monate in der Luft gehangen. Dabei, so Richter, solle die Einrichtung bevorzugt Kinder aus der Gemeinde aufnehmen. Auch Bürgermeisterin Kati Wenzel (Freie Wähler - Bürgerforum Jonsdorf) ist das wichtig. Schließlich sei Jonsdorf eine familienfreundliche Gemeinde.

Awo-Geschäftsführer Dirk Reinke, der mit einigen Mitarbeiterinnen der Kita bei der Gemeinderatssitzung anwesend war, räumt ein, dass es Qualitätsschwierigkeiten gegeben habe. So konnte eine Mitarbeiterstelle eine gewisse Zeit nicht besetzt werden, weil die Kollegin lange Zeit im Krankenstand war. Inzwischen habe die Awo aber wieder alle Stellen besetzt.

Durch die Personalprobleme musste auch die angesprochene Gruppe mit acht Kindern aufgeteilt werden. Der Träger musste, als zwei Kolleginnen planmäßig im Urlaub waren und eine Kollegin plötzlich krank wurde, reagieren, erklärt Reinke. Die acht Kinder wurden auf zwei Gruppen aufgeteilt.

Reinke sieht auch Kommunikationsprobleme zwischen der Awo und der Gemeinde Jonsdorf und zwischen Erziehern und Kita-Leiterin. Letzteres sei seiner Meinung nach auch der pandemiebedingten Reduzierung der Dienstberatungen geschuldet.

Bezüglich des Essens seien ihm keine Beschwerden bekannt, so Reinke. Und er kann die angeblichen Qualitätsmängel auch nicht nachvollziehen. Das Essen wird täglich frisch in der Awo-Küche in Löbau gekocht. Beliefert werden damit neben den eigenen Einrichtungen auch Kitas anderer Träger, erklärt der Awo-Geschäftsführer. Es werde sehr darauf geachtet, dass das Essen warm und die Standzeiten kurz sind.

Auch die Spielplätze werden einmal im Jahr geprüft, betont Dirk Reinke und reagiert damit auf den Vorwurf, dass es am Klettergerüst einen morschen Balken gebe. Wenn es tatsächlich einen Mangel gebe, werde der unverzüglich beseitigt.

Der Awo-Geschäftsführer will Anfang nächster Woche mit der "Kinderhaus"-Leiterin konkrete Punkte besprechen, die verbessert werden müssen. Auch mit der Gemeinde wird es Anfang August ein klärendes Gespräch geben, kündigt Reinke an. Dabei soll auch die Vereinbarung mit Jonsdorf zur Sprache kommen. Die Grundlage bildet ein Entwurf aus dem Jahr 2017. Den habe die Awo seinerzeit erarbeitet, weil es schon damals Überlegungen gab, die vertraglichen Vereinbarungen anzupassen, sagt Reinke. Auf den Entwurf gab es aber keine Antwort und er habe auch nicht ständig nachgehakt.

Alle Beteiligten wollen im September miteinander sprechen

Bürgermeisterin, Hauptamtsleiter und Gemeinderäte zeigten sich in der Sitzung überrascht, dass es einen neuen Entwurf der Vereinbarung gegeben haben soll. Die Bürgermeisterin und die meisten Gemeinderäte waren 2017 noch nicht im Amt. Laut Reinke sei der Entwurf an den damaligen Bürgermeister Christoph Kunze gegangen, der ihn wiederum nach Olbersdorf zur Prüfung geschickt hatte.

Auch Klaus Richter würde den neuen Entwurf gerne durchschauen. Er und seine Ratskollegen hoffen, dass bei dem großen Treffen von Eltern, Erziehern, Betreiber und Gemeinde am 6. September alle Probleme auf den Tisch kommen und nach Lösungen gesucht wird. Der Beschluss über die Kündigung wurde deshalb vertagt, um erst mal miteinander zu sprechen. Einige Gemeinderäte hatten aber auch Bedenken, was eine Kündigung finanziell für die Gemeinde bedeuten würde, und wollten aus diesem Grund am Mittwoch noch keinen Beschluss fassen.

Klaus Richter erwartet allerdings sichtbare Schritte der Awo. Und das nicht erst in zwei bis drei Monaten. Innerhalb eines Monats nach dem Treffen müssten Ergebnisse zu sehen sein, findet er. Wenn nichts passiere, werde er im Spätherbst den Antrag auf Kündigung des Vertrages erneut stellen, sagt der Gemeinderat.

Der noch bis Ende 2022 laufende Vertrag mit der Awo müsste von der Gemeinde spätestens bis Ende September nächsten Jahres gekündigt werden. Dass es dazu kommt, wollen die meisten Räte, einige Eltern und die Bürgermeisterin nicht. Kati Wenzel hofft, dass eine gemeinsame Lösung gefunden wird und die Awo zu Änderungen bereit ist. "Die jetzige negative Stimmung im 'Kinderhaus' muss nicht sein", findet sie.

Reinke: Awo würde sich wieder bewerben

Auch Reinke wünscht sich, dass die Vereinbarung im Einvernehmen aktualisiert und nicht gekündigt wird. Die Awo wolle gerne weiter arbeiten, da sie viel in die Jonsdorfer Kita investiert habe. So wurde vor einigen Jahren die Dachgeschosswohnung zum Hortbereich umgebaut. Zuletzt zog das Büro der Kita-Leiterin vom obersten Geschoss in die mittlere Etage, begleitet von einigen baulichen Maßnahmen.

Sollte der Vertrag dennoch gekündigt werden, will sich die Awo wieder um die Betreibung des Kinderhauses bewerben, erklärt Reinke. Klaus Richter will die Awo auch gar nicht ausschließen. Sie könnte dann sogar erneut den Zuschlag bekommen - wohl aber unter etwas veränderten Bedingungen der Gemeinde.

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