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Sachsens modernste Schule entsteht im Zittauer Gebirge

Die Gemeinde Jonsdorf investiert sechs Millionen Euro in einen einzigartigen Neubau mitten in der Natur. Der Schulbau aus DDR-Zeiten wird abgerissen.

Von Jana Ulbrich
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Die Grundschule im Kurort Jonsdorf ist ein typischer DDR-Schulbau aus den 1980er Jahren. Sie wird abgerissen.
Die Grundschule im Kurort Jonsdorf ist ein typischer DDR-Schulbau aus den 1980er Jahren. Sie wird abgerissen. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Projektskizzen sind fertig, die Fördermittel in Aussicht gestellt, der Bauablaufplan steht: Wenn alles klappt, dann wird der Schuleintritt 2024 für die Grundschüler aus dem Zittauer Gebirge ein sehr besonderer. Es werden sich an diesem Tag die Türen zu einer neuen und sehr besonderen Schule öffnen - mit grünem Dach und grünen Klassenzimmern mitten in der Natur. Rund sechs Millionen Euro will die Gemeinde Jonsdorf in Sachsens modernsten Schulneubau stecken.

"Es ist allein schon besonders, überhaupt eine neue Schule zu bauen", weiß Jonsdorfs Bürgermeisterin Kati Wenzel (Freie Wähler). "Aber es ist eigentlich auch die einfachste und naheliegendste Lösung."

Die alte Jonsdorfer Grundschule ist ein typischer dreigeschossiger DDR-Plattenbau aus den 1980er Jahren. In den 1990er Jahren hatte die Schkola das Gebäude in Erbpacht übernommen und die oberen beiden Etagen genutzt. Nach dem Auszug des freien Schulträgers hat die Gemeinde die Schule zurückgeholt.

"Wir haben lange überlegt, was wir machen", sagt die Bürgermeisterin. "Sowohl die Schule, als auch die Turnhalle daneben hätten dringend saniert werden müssen. Einen Beschluss zur Turnhallensanierung hatte der Gemeinderat sogar schon gefasst. Aber es stand ja auch die Frage: Wer braucht für eine einzügige Grundschule ein dreigeschossiges Schulhaus mit einem Dutzend Klassenzimmern?"

Eine Naturpark-Schule mitten im Grünen

Der Gedanke an einen Neubau hätte da eigentlich nahegelegen, sagt die Bürgermeisterin. Aber wie finanzieren? "Wir waren uns einig, dass wir die Schule auf jedem Fall erhalten wollen", sagt Kati Wenzel, "auch mit dem Landkreis."

Gemeinsam mit Landrat Bernd Lange (CDU) sind die Jonsdorfer deshalb im Spätsommer zu einem Gesprächstermin ins Kultusministerium gefahren. "Eigentlich hatten wir keine großen Erwartungen", erinnert sich die Bürgermeisterin. "Aber wir sind mit offenen Armen empfangen worden."

Und jetzt liegen auf dem Schreibtisch der Bürgermeisterin die Entwürfe des Bautzener Architektur- und Ingenieurbüros AIB: Geplant ist ein eingeschossiger Neubau mit grünem Dach und Klassenräumen, die sich alle nach außen hin öffnen und in grüne Klassenzimmer verwandeln lassen, mit Lernorten im Freien und einem großen Sportraum, der die jetzige Turnhalle ersetzt. "Es wird fantastisch", schwärmt die Bürgermeisterin.

Das Konzept der naturnahen Naturpark-Schule im Zittauer Gebirge hat auch die zuständigen Mitarbeiter im Kultusministerium überzeugt. Für die Förderung setzt Jonsdorf nicht auf Geld aus dem milliardenschweren Kohle-Fonds, sondern auf die Schulbauförderung. Die Mittel aus Dresden sind der Gemeinde bereits in Aussicht gestellt.

Alte Schule und Turnhalle werden abgerissen

Es gibt Gespräche mit dem Landkreis, die Schule als "Krankenhausschule" zu nutzen. Kinder, die für längere Zeit in Jonsdorf zur Kur weilen, sollen dann während ihres Aufenthalts auch im Kurort zur Schule gehen. Das DRK Aue-Schwarzenberg, das die Mutter-Kind-Kureinrichtung im Ort betreibt, plant eine Erweiterung, kündigt Kati Wenzel an, weil der Bedarf an Mutter-Kind-Kuren in der Corona-Pandemie stark gewachsen ist.

Der Bauablaufplan auf dem Jonsdorfer Schulgelände steht. 2023 soll zuerst die Turnhalle abgerissen werden. Für den Sportunterricht der Grundschüler und den Vereinssport soll eine Übergangslösung gefunden werden. An den Standort der Turnhalle wird anschließend die neue Schule gebaut. Wunschtermin der Eröffnung ist der Schuleintritt 2024. Danach erfolgt der Abriss der alten Schule.

Der Jonsdorfer Gemeinderat hat den Grundsatzbeschluss zum Schulneubau einstimmig gefasst. 700.000 Euro Eigenmittel stehen dafür im Gemeindehaushalt zur Verfügung. Das Geld war vor Jahren für die Sanierung der Eishalle in den langfristigen Investitionsplan eingestellt worden.

Zugunsten des Schulneubaus ist der Plan von der Eishallen-Sanierung gecancelt. Mit der Eishalle hat die Gemeinde ohnehin andere Pläne. Gegenwärtig laufen im Landkreis Gespräche, wie Jonsdorf von der alleinigen finanziellen Verantwortung für die überregional bedeutende Einrichtung entlastet werden kann.