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Juan Carlos ist so populär wie nie

Spaniens König feiert seinen 70. Geburtstag. Seine Landsleute mögen ihn noch immer.

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Von Martin Dahms,SZ-Korrespondent in Madrid

Die gute Nachricht zuerst: Juan Carlos de Borbon y Borbon, seit 32 Jahren König aller Spanier, ist die von seinen Landsleuten höchstgeschätzte Persönlichkeit. In einer Umfrage gaben sie ihm kürzlich sieben von zehn möglichen Punkten. Es folgte sein Sohn, Kronprinz Felipe, mit 6,3 Punkten, danach die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 6,1 Punkten.

Juan Carlos, der am Sonnabend 70 Jahre alt wird, braucht sich um seine Popularität nicht zu sorgen. Sorgen hat er trotzdem. Es war ein unruhiges Jahr für den König – unruhiger als alle Jahre seit 1981, als er dazu beitrug, einen Putschversuch rechtsgerichteter Militärs im Keim zu ersticken. Seitdem galt er als Garant der spanischen Demokratie und daher als unantastbar.

Aber das Schutzschild um die Figur des Monarchen hat Sprünge bekommen. Vielleicht begann alles vor vier Jahren, als der Thronfolger Felipe die Journalistin Letizia Ortiz heiratete. Spaniens Konservative grummelten: Die künftige spanische Königin war nicht nur eine Bürgerliche, sie hatte auch schon einmal standesamtlich geheiratet und sich wieder scheiden lassen. Felipe und Letizia ließen sich mit allem Pomp in der Madrider Kathedrale trauen, wie es die Tradition gebietet. Doch der Nimbus einer Monarchie, die über und außerhalb der Gesellschaft steht, verblasste.

Anfang Februar nahm sich Erika Ortiz, Letizias jüngere Schwester, mit 31 Jahren das Leben. Es gelang dem Königshaus, das Wort Suizid aus fast allen öffentlichen Kommentaren zum Tod Erikas zu verbannen. Bis heute ist nichts über die Motive für ihren Freitod bekannt geworden.

Anfang November fiel Juan Carlos aus der Rolle – vor laufendem Kameras und eingeschalteten Mikrofonen. Während des Iberoamerika-Gipfels in Santiago de Chile wies er Venezuelas Staatschef Hugo Chavez zurecht, weil der dem spanischen Regierungschef Zapatero ständig ins Wort gefallen war: „Warum hältst du nicht den Mund?“, entfuhr es dem empörten König.

Bild der Monarchie verändert

Dem Ansehen von Juan Carlos im eigenen Land hat das nicht geschadet. Im Gegenteil. Sein Ausbruch ist tausendfach als Klingelton fürs Handy heruntergeladen worden. Aber das Bild des Königs ist ein anderes geworden: Der König steht nicht mehr über und außerhalb der Gesellschaft. Wie jede öffentliche Person hat er nicht nur Bewunderer, sondern auch Kritiker. Einer der lautesten Kritiker ist der rechte Radiomoderator Jimenez Losantos, der die Abdankung von Juan Carlos zugunsten seines Sohnes Felipe fordert. Der König setze sich nicht gebührend für die Einheit Spaniens ein, lautet der Vorwurf.

Noch lauter gegen Juan Carlos schreien aber jene, die mit der Einheit Spaniens nichts am Hut haben: die katalanischen und baskischen Nationalisten. Der baskische Senator Inaki Anasagasti nannte die Königsfamilie auf seiner Internetseite „faules Pack“, während radikale Katalanen öffentlich Bilder des Königs verbrannten.

Der König wird 70, aber er findet keine Ruhe. Das ist keine schlechte Nachricht. Manche halten Juan Carlos noch immer für den Garanten der spanischen Demokratie. Doch die ist sich, 32 Jahre nach dem Tod von Diktator Franco, selbst Garant genug. Spaniens Monarchie wird erwachsen.