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Damit haben wir früher Zeitung gemacht

Heute arbeiten wir Mitarbeiter der SZ mit dem Laptop im Homeoffice, im Garten oder aus dem Rathaus. Noch bis Mitte der 90er war das undenkbar.

Fotoplatte und Drehscheibe - früher unersetzlich für die Zeitungsherstellung. In der Mitte ein Pokal, den die SZ-Lokalredaktion mal gewonnen hat.
Fotoplatte und Drehscheibe - früher unersetzlich für die Zeitungsherstellung. In der Mitte ein Pokal, den die SZ-Lokalredaktion mal gewonnen hat. © Kristin Richter

Großenhain. Auch Redakteure sind mitunter Nostalgiker. Sie heben auf, was sie an frühere Arbeitsweisen erinnert. Zwar war in der Großenhainer Lokalredaktion der SZ nie ein Setzkasten zu finden. Denn gedruckt wurde die Großenhainer Lokalausgabe bis Mitte der 50er Jahre erst in Meißen und dann in Dresden. Doch Petitmaß, Drehscheibe und die sogenannte klebbare Gänsehaut fürs "Beschneiden" der richtigen Größe von Papierfotos haben sich bei den Mitarbeiter noch erhalten. Was es damit auf sich hatte, soll im Folgenden erklärt werden.

Es ist eine Reise in die analoge Zeitungsherstellung. Texte wurden von den Redakteuren auf Schreibmaschinen erfasst, handschriftliche Manuskripte von den Sekretärinnen sauber abgetippt, um die genaue Zeilenzahl zu erhalten. Denn Zeitungspapier ist bekanntlich kein Gummi. Und nur eine bestimmte Anzahl Zeichen geht in eine Zeitungsspalte. Unerlässlich war für uns früher deshalb ein großes weißes Blatt mit den Spalten, das eine leere Zeitungsseite vorgab. Mit Bleistift und eben dem Petitmaß mussten die Texte zeilengenau vorgespiegelt werden - sprich layoutiert.

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Petit ist eine Schriftgröße für den Zeitungssatz. Und ein Petitmaß ein biegbares breiteres Plastelineal, mit dessen Hilfe man die geschriebenen Zeilen auf die Schriftgröße umrechnen konnte. Die so gestaltete Seite wurde nach Dresden in die Umbruchredaktion gefaxt. Dort konnten die Kollegen sehen, wie wir uns unsere Großenhainer Ausgabe - es war zu DDR-Zeiten nur eine Seite und montags gar keine - vorgestellt hatten. Für die Hauptseiten der Zeitung gab es dort schon seit Mitte der 1980er Jahre den Ganzseitenumbruch - die Herstellung einer ganzen Textseite am Computerbildschirm. Die Texte sendeten wir dann per Datenfernübertragung.

Ein alter Setzkasten aus der Druckerei Weigel in Großenhain. So ähnlich sahen auch die Zeitungssetzkästen mit den Buchstaben aus.
Ein alter Setzkasten aus der Druckerei Weigel in Großenhain. So ähnlich sahen auch die Zeitungssetzkästen mit den Buchstaben aus. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Gedruckt per Rotations- oder Offsetdruck

In den Lokalredaktionen hatten wir es allerdings noch nicht so eilig. Die aktuellen Nachrichten kamen erst am nächsten Tag ins Blatt - und nicht schon in Sekundenschnelle ins Internet wie heute. Die Zeitungsproduktion ging gemächlich vor sich. Aber die Drehscheibe war damals wichtig. Mit ihr konnten wir die Maße der Papierfotos ins Verhältnis zur Größe in der Zeitung, die Spaltigkeit, setzen. Die Fotos wurden mit Begleitzetteln versehen und kamen in eine Kuriertasche. Gemeinsam mit der Hauspost und den Anzeigen, die damals zum Beispiel Uwe Hanneck über das Dienstleistungskombinat akquirierte. Per Zug oder Bus wurde diese Tasche nach Dresden gebracht. Entweder nahm ein SZ-Mitarbeiter die Tasche mit, oder sie wurde tatsächlich einem Postkollegen übergeben, und in Dresden holte sie jemand ab und brachte sie in die Setzerei. Die Aktualität der Zeitung hing demzufolge immer auch von der Entfernung zwischen Lokalredaktion und Druckerei ab. Es kam auch zu Verspätungen.

Bei der alten Rotations-Druckmaschine waren nicht nur die Zeitungstexte als Bleisatzbuchstaben auf die Druckrolle aufmontiert, sondern auch Metallplatten für die Fotos. Genau so eine ziemlich schwere Fotoplatte habe ich bis heute aufgehoben. Sie wurde erst mit der Ära der digitalen redaktionellen Bildverarbeitung überflüssig. Allerdings wurde anfangs noch die Vorlage des Fotografen - der Papierabzug also - mittels eines Scanners digitalisiert. Was nichts anderes bedeutet, als in schwarze, mehr oder weniger graue und weiße Punkte zerlegt. Am Bildschirm kann seitdem der Bildausschnitt bestimmt, Breite und Höhe des Fotos exakt definiert und das Bild elektronisch an die Stelle im Text positioniert werden, wo es hingehört.

Erst seit 1994 können auch wir in den Außenredaktionen der SZ unsere Beiträge passgenau digital nach Dresden senden und die Fotos dazu. Der Rotationsdruck mit Lettern ist vom elektronischen Offsetdruck abgelöst worden. Die Fotoplatten haben längst ausgedient. Sie sind Erinnerungen an eine Zeit, als Druckerschwärze noch manchmal an der Zeitung klebte, wenn wir sie morgens am Frühstückstisch lasen.

Dieses Klischee war eine Druckvorlage für ein Anzeigenbild. Ein Klischee ist in der Zeitungs- und Buchdrucktechnik eine fotochemisch oder maschinell hergestellte Druckform für das Hochdruckverfahren.
Dieses Klischee war eine Druckvorlage für ein Anzeigenbild. Ein Klischee ist in der Zeitungs- und Buchdrucktechnik eine fotochemisch oder maschinell hergestellte Druckform für das Hochdruckverfahren. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

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