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Jugend ohne Rebellion

Die Jugendlichen in Radebeul sind braver geworden. Trotzdem brauchen sie Räume zum Ausleben, sagen Sozialarbeiter.

© Archiv/Arvid Müller

Radebeul. Früher brannte gefühlt jeden Monat etwas ab, erzählt Peter Heilsberg. Der Leiter des Weißen Hauses kann sich noch gut an die Anfänge der Jugendarbeit in Radebeul vor 25 Jahren erinnern. Und daran, wie die Jugendlichen damals waren: politischer, rebellischer, auf Veränderung aus. Inzwischen habe sich das gewandelt. Heute wollten die meisten jungen Leute mal ein Haus bauen, Kinder haben und einen guten Job finden. „Das muss jeder für sich entscheiden, ob diese Entwicklung positiv oder negativ ist“, sagt Heilsberg am Montagabend zur Eröffnung der Ausstellung „Hingerichtet ist der Blick auf die Jugend“ im Bürgertreff auf der Bahnhofstraße.

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Die Schau zeigt Bilder von Jugendlichen, ihren Plätzen und der Sozialarbeit in der Stadt aus den letzten 25 Jahren. Beim Podiumsgespräch zur Eröffnung ist auch Robert Kaiser dabei, der in Radebeul für die mobile Jugendarbeit und den Jugendclub Ratskeller verantwortlich ist. Die Räume, wo Jugendliche sich aufhalten können, sind weniger geworden, sagt der Sozialarbeiter. Früher gab es beispielsweise noch viel mehr leerstehende Häuser, in denen sie rumhängen konnten. „Grenzen zu überschreiten, gehört in der Jugendphase dazu“, sagt Kaiser. Umso wichtiger sei es, dass Räume für Jugendliche erhalten bleiben. Vor 25 Jahren habe es noch viel mehr Möglichkeiten gegeben, heute sage das Ordnungsamt meistens schon im Voraus Nein, erklärt Peter Heilsberg. Wenn sich Jugendliche treffen, gehe aber auch mal etwas kaputt. „Das muss man aushalten“, findet der Sozialarbeiter.

Die CDU-Stadträtin Bianca Erdmann-Reusch sagt, sie wünsche sich in der Stadt Jugendliche, die sich sichtbar einbringen. Es wäre eine große Hilfe im Stadtrat, wenn die jungen Leute erklären, wo ihnen der Schuh drückt.

Die fehlende Rebellion sei aber auch ein Ausdruck von Zufriedenheit bei der Jugend, resümieren die Diskussionsteilnehmer. Ein Jugendlicher vor Ort bestätigt das. Nur ein paar mehr Veranstaltungen für junge Leute könnte es in der Stadt ruhig geben, findet der Oberschüler. (SZ/nis)

Die Ausstellung im Bürgertreff läuft bis zu 11. April. Geöffnet ist immer mittwochs zwischen 15 und 18 Uhr.