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Jugendherberge ist jetzt ein Gästehaus

© www.foto-sampedro.de

Mit dem Projekt der „Oberlausitzer Dreieck gGmbH“ wurden in Bertsdorf 700000 Euro investiert. Das schafft nicht nur Arbeitsplätze für Behinderte.

Von Holger Gutte

Bertsdorf. Jetzt können die Gäste kommen, sagen Falk Zimmermann und Clemens Dreier. Die 2016 geschlossene Jugendherberge Waltersdorf am Jägerwäldchen in Bertsdorf ist wieder zum Leben erwacht. Am Freitagabend sind hier die ersten Gäste eingezogen. Die „Oberlausitzer Dreieck gGmbH“, dessen Geschäftsführer Falk Zimmermann ist, hat die Einrichtung saniert und nun als Inklusionsfirma des Zittauer Suchthilfevereins „come back“ hier mit einem Gästehaus eröffnet.

Blick ins Gästehaus

Die Zimmer sind saniert
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Ziel der gemeinnützigen GmbH ist es, die Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Von den sieben neu entstandenen Arbeitsplätzen in den Bereichen Küche, Beherbergung, Reinigung und Hausmeister sind vier an Leute mit einer Behinderung vergeben worden. Und die Behinderung hat dabei nicht unbedingt etwas mit einem früheren Alkoholproblem der Leute zu tun. In drei bis fünf Jahren soll sich die Zahl der Mitarbeiter im Gästehaus noch auf elf erhöhen, erzählt Falk Zimmermann.

„Obwohl wir bisher kaum Werbung gemacht haben, sind schon die ersten Buchungen bei uns eingegangen“, sagt er. Eine Gruppe von mehreren Familien aus Chemnitz sind nun die ersten, die das Gästehaus testen. Die Chemnitzer waren schon früher mal hier, als die Einrichtung noch eine Jugendherberge war. Und Hausleiter Clemens Dreier freut sich schon auf die nächsten Gäste.

Die „Oberlausitzer Dreieck gGmbH“ will mit ihrem Angebot im modernisierten Gästehaus Kurzurlauber, Gruppen und Schulklassen ansprechen, die eine günstige Unterkunft suchen. Im Moment wird gerade ein Programm für Schulklassen erstellt. „Wir wollen ein Komplettangebot, nach Themen sortiert, für Schulen anbieten“, sagt der Geschäftsführer. Das soll es sowohl für Grundschüler als auch für die ältere Schulklassen geben.

Das Haus bietet zehn Doppelzimmer und 16 Vier-Bett-Zimmer und hat damit eine Kapazität von 84 Plätzen sowie ein Apartment für ein bis vier Personen. „In der Jugendherberge gab es einen großen Investitionsstau. Brandschutz war eigentlich nicht vorhanden“, schildert er. Etwa 700000 Euro sind jetzt in das Gästehaus investiert worden. Die Decken in den Fluren und Zimmern wurden abgehangen und überall Rauchmeldeanlagen eingebaut. Alle Zimmer haben neue Fußböden und sind farbenfroh gestaltet. Neu sind ebenso die Elektrik und teilweise die Heizungsanlage. Und auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität können im Gästehaus erholsame Tage verbringen, wirbt er. Das gesamte Erdgeschoss ist barrierefrei ausgebaut. Hier wurden bewusst große Badezimmer eingerichtet, damit sie bequem für Rollstuhlfahrer nutzbar sind. In den nächsten Wochen werden noch ein Sportraum und im Garten ein Spielplatz eingerichtet. Nach dem Austausch von einigen Geräten nutzt die Oberlausitzer Dreieck gGmbH auch die große Küche der ehemaligen Jugendherberge wieder. „Unser Ziel ist es, von hier aus alle unsere Einrichtungen mit Essen zu versorgen“, berichtet Falk Zimmermann. Seit einem Monat werden hier nun schon 100 bis 110 Essen für die come-back-Einrichtungen für sieben Tage in der Woche gekocht.

Das Gästehaus-Projekt wurde von der „Aktion Mensch“ mit Fördermitteln unterstützt. Der Verein „come back“ ist Mehrheitsgesellschafter und seit über 25 Jahren ein erfahrener Ansprechpartner in den Bereichen Sucht und Suchtkrankenarbeit. Er organisierte sich aus einer seit zehn Jahren vor der politischen Wende bestehenden, ehrenamtlichen Arbeitsgruppe zur Suchtkrankenarbeit innerhalb der evangelisch-methodistischen Kirche.