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Jung-Politikerin wird Marketing-Chefin

Tina Hentschel wechselt vom Abgeordnetenbüro ins Zittauer Theater. Sie sieht Parallelen zwischen alter und neuer Aufgabe.

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© Matthias Weber

Von Jan Lange

Hinter ihr, im Fenster des Theatereingangs, leuchtet der Weihnachtsbaum. Grün – so wie die Farbe der Hoffnung. Eine positive Erwartungshaltung ist immer auch mit einer neuen Aufgabe verbunden. Und anders wird für Tina Hentschel im nächsten Jahr einiges. Beruflich geht die 28-Jährige neue Wege. Sie übernimmt die Leitung der Marketingabteilung des Gerhart-Hauptmann-Theaters.

Mit Theater oder Kunst brachte man Tina Hentschel in der Vergangenheit weniger in Verbindung. Vielmehr strebte die Neu-Zittauerin in der Politik nach oben. In der Schüler-Union der CDU begann vor über zehn Jahren ihre politische Karriere. Später übernahm sie den Vorsitz der Jungen Union, den sie noch heute innehat. Doch die Nachwuchsverbände waren ihr schnell nicht mehr genug: Tina Hentschel startete auch in der CDU durch, wurde in den Kreisvorstand gewählt, später in den Gemeinderat Olbersdorf und 2014 in den Kreistag. In diesem Jahr kandidierte sie dann für das Bürgermeisteramt in Olbersdorf. Letztlich ohne Erfolg. Der bisherige Gemeindechef, Andreas Förster, setzte sich gegen die Nachwuchspolitikerin durch.

Danach schien die Politkarriere ins Stocken zu geraten. Die Zusammenarbeit mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer, dessen Mitarbeiterin sie seit 2009 war, zuerst in Dresden und seit 2014 als Büroleiterin, wurde beendet. Dass die 28-Jährige jetzt fürs Theater tätig sein wird, überrascht so manchen. Tina Hentschel sieht aber viele Parallelen zwischen alter und neuer Aufgabe. Mit dem Theater verbinde sie zum einen die Liebe zur Kunst, zum anderen das Temperament und die Leidenschaft, die man für seine Arbeit mitbringen sollte. Schon als Kind besuchte sie die Musikschule, erhielt dort die sogenannte frühkindliche musikalische Ausbildung und war beim Akkordeonorchester dabei. Später sang sie viele Jahre im Gospel-Chor – während ihres Austauschjahres in den Vereinigten Staaten und dann auch in der Studienzeit in Dresden.

Wegen ihres politischen Engagements sei die künstlerische Betätigung eingeschlafen, sagt Tina Hentschel. Die Stellenausschreibung des Theaters weckte ihre kreative Leidenschaft für Kunst und Musik nun wieder. Interessant sei die neue Aufgabe auch deshalb, weil sie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit immer begeistert habe. Als Meyers Büroleiterin sorgte sie letztlich auch dafür, dass der Landtagsabgeordnete gut in der Öffentlichkeit dasteht.

Im Gerhart-Hauptmann-Theater sah sie sich in den vergangenen Jahren vor allem die Weihnachtsmärchen und das Sommertheater auf der Waldbühne an. Dafür und für die anderen Inszenierungen muss sie künftig die Werbetrommel rühren.

Theatergeschäftsführer Caspar Sawade sieht auch schwierigere Aufgaben auf die neue Marketingchefin zukommen, als die Publikumsrenner zu bewerben. So haben die Tänzer in seinen Augen noch Potenzial – bei der Anzahl der Vorstellungen ebenso wie bei der Besucherzahl. Beides sei noch steigerungsfähig. Zudem gelte es, die Jugend mehr für den Tanz zu begeistern. „Ich bin aber auch froh, wenn wir das Niveau halten und sichern können, was schwierig ist“, meint Sawade. Für das trinationale Theater müsse nach seiner Meinung ebenfalls mehr geworben werden. Die Zahl der Besucher, die sich für diese Stücke begeistern, sei momentan gering. Sawade hält es für wichtig, sich mit anderen Kulturkreisen auseinanderzusetzen und sich dafür zu öffnen. Neben den neuen Akzenten sieht er aber auch ganz klare Aufgaben, die bisher die Marketingabteilung bereits gemacht hat und weiterhin erfüllen muss.

Ab Februar wird Tina Hentschel, die sich gegen gut 30 Mitbewerber durchgesetzt hat, offiziell die Marketingabteilung übernehmen. Ihre Vorgängerin Karina Raatz war zu den Dresdner Philharmonikern gewechselt, weil ihr Mann dort eine Stelle als Cellist bekommen habe, erklärt Sawade. Gern hätte er sie gehalten, wie er sagt, doch finanziell habe das Theater mit dem großen Ensemble nicht mithalten können. An der künftigen Marketingchefin lobt Sawade deren Geschick, verschiedene Meinungen zu einem gemeinsamen Ziel führen zu können. Das sei im Theater genauso entscheidend, angesichts der vielen Sparten. Gut zwischen ihnen vermitteln zu können, erspare viel Ärger im Inneren, findet Sawade. Dass Tina Hentschel der CDU angehört, störe den Theatermann, der früher SPD-Mitglied war und 2013 zum Mitbegründer der Wählergemeinschaft „Zittau kann mehr“ wurde, nicht.

Tina Hentschel, die gern mal ein bisschen alten Staub aufwirbelt, will im Gerhart-Hauptmann-Theater keine Revolution anzetteln. Sie wolle nicht alles anders machen, beruhigt sie den einen oder anderen Kritiker. Sie verstehe sich als Teamspielerin, die sich erst einmal auch viele Dinge anschauen und aneignen müsse.