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Junge Leute wollen Wohnhaus retten

In Neugersdorf entsteht neben einer ehemaligen Textilfabrik ein Jugendtreff. Das bedeutet viel Arbeit.

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© Rafael Sampedro

Von Richard Walde

Nur 300 Meter von der tschechischen Grenze entfernt steht ein scheinbar verlassenes Wohnhaus. Die Fassade wirkt etwas bröckelig, doch die Fenster und die Tür sind noch gut erhalten. Trotzdem ist es schwer zu glauben, dass sich hier eine Gruppe Jugendlicher ein paar Gemeinschaftsräume einrichten will. Doch Freestyle16, wie sich die 13- bis 16-jährigen Schüler nennen, hat genau das vor.

Unterstützung bekommen sie von Martha Adolphi und Paul Kiesbye. Die beiden Studenten kommen gebürtig aus Norddeutschland. Ein freiwilliges soziales Jahr in Dresden und das Kennenlernen mit Grünen-Politikerin Franziska Schubert brachte die beiden nach Neugersdorf. Jetzt wollen sie sich die beiden Dresdner Studenten hier einbringen. Vor allem am Wochenende und in den Ferien sind sie vor Ort.

Schubert selbst freut sich deshalb natürlich besonders. „Viele Jugendliche waren früher im Verein LEBENs(T)RÄUME e.V. als Kindermitglieder dabei“, erzählt sie. Enttäuscht ist Schubert aber trotzdem – von der Stadt Ebersbach-Neugersdorf. „Ein Ausschuss der Stadt stimmte dagegen, dass unsere Jugendlichen Geld aus dem Budget für Jugendarbeit bekommen.“ Dies spiegele die geringe Wertschätzung der Stadt gegenüber der Arbeit durch die Jugendlichen wider, so Schubert.

Bürgermeisterin Verena Hergenröder, selbst parteilos, äußerte sich dagegen positiv zum Engagement der Kinder. „Wenn sich junge Menschen finden, um etwas zu bewegen, zu gestalten, sich auszutauschen, sich zu helfen, voneinander zu lernen und sich für ihre Stadt und Region interessieren, ist das hervorragend“, sagt sie erfreut. Hergenröder erklärt auch, dass in diesem Jahr noch einmal untersucht werde, ob die Stadt dem Wunsch auf finanzielle Unterstützung nachkommen könne.

Ihr Projekt finanzieren die Jugendlichen derzeit noch durch Spenden, Hilfe bekommen sie vor allem von Kiesbye und Adolphi. Die beiden verbringen ihre Freizeit hauptsächlich in Neugersdorf. Seit dem Erwerb des Hauses im vergangenen Frühjahr hat sich auch schon einiges getan. Derzeit laufe aber noch die Aufräumphase im Inneren des Wohnhauses, so Kiesbye.

Das direkt an der Hauptstraße befindliche Gebäude steht unter Denkmalschutz. Daher durfte es nicht abgerissen werden. Nachdem Kiesbye, Adophi und die Jugendlichen ein Nutzungskonzept bei der Stadtverwaltung einreichten, konnten sie das Haus kaufen. Dafür gründete man den Verein GründerZeiten e.V., damit der Kaufvertrag auf keine Einzelperson laufen muss.

Neben dem Wohnhaus an der Rudolf-Breitscheid-Straße wurde auch die dahinter befindliche Fabrikhalle erworben. Diese war zuvor im Besitz einer nordirischen Investmentfirma. Beim Kauf der Gebäude hätten alle Beteiligten etwas dazu gegeben, erzählt Adolphi erfreut. In der Fabrikhalle sollen für die Zukunft unter anderem Ateliers und Bandräume entstehen. Durch die Größe der Halle wird man später auch übernachten können. Bis dahin ist es aber noch Zeit. Nicht weniger Energie muss in das bis 2010 bewohnte Haus für den Jugendtreff gesteckt werden. Dort sei aber zumindest das Dach dicht und man müsse nur aufräumen und renovieren, so Adolphi. Wofür genau der Treff da sein soll, erklärt Lourdi. Die Schülerin ist selbst mit aller Leidenschaft bei dem Projekt mit dabei: „Es soll ein Ort sein, wo Jugendliche etwas Soziales machen und Kontakte zu anderen knüpfen. Wir wollen viel zusammen unternehmen und das alles als Team.“ Aus diesem Grund liegt allen sehr viel an der raschen Fertigstellung einer der Wohnungen im Haus. Diese soll dem Jugendtreff als Gemeinschaftsraum dienen.

Auf die Unterstützung von Adolphi und Kiesbye können die Schüler dabei zählen. „Sie sollen und wollen sich aber alles selbst einrichten und sind selbst verantwortlich für das Haus“, erklärt Kiesbye. Er sieht im Projekt noch einen weiteren wichtigen Faktor, denn „vielleicht kommen die Jugendlichen ja dadurch nach ihrem Studium wieder zurück in ihre Heimat.“ Bis dahin wollen Paul und Martha weiter an ihrem „Lebensprojekt“ arbeiten. Damit es voran geht, organisierten die beiden vor Kurzem ein Projekt mit den Jugendlichen. Auch viele andere arbeiteten an der Baustelle mit und übernachteten teilweise vor Ort. In Zukunft sind unter anderem Kinovorführungen und Konzerte geplant. „In unserem Freundeskreis gibt es schon Interessenten, die gerne mal hier auftreten würden“, berichtet Martha und freut sich auf das, was entstehen soll.