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Junge Neugier trifft alte Bürokratie

Dresdner Schüler fragen sich am Montagabend, was in ihrer Stadt anders läuft als in anderen Städten. Eine erste Antwort kommt prompt vom Amt.

© Sven Ellger

Von Alexander Schneider

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Dresden. Mehr als 60 Dresdner Gymnasiasten haben sich am Montag die Pegida-Demonstration am Altmarkt angesehen. Sie trugen weiße oder blaue Kittel, um damit ihren Forschergeist zu zeigen.

Das plakativ vorgetragene Gedicht im Stile des mentalen Minimalismus zwang die Blicke der Schüler schamhaft zu Boden. © Sven Ellger
Diese Motive entstanden, bevor ein Amtmann eine illegale Versammlung witterte und eine kittellastige Entscheidung traf. © Sven Ellger.

Die Schüler versuchten unter anderem die Ursache dafür herauszufinden, ob und warum Menschen in Dresden besonders unzufrieden sind. Dahinter könnte ein gesellschaftliches Problem liegen – und es könnte einer der Gründe dafür sein, warum Pegida ausgerechnet in Dresden jedem Montag so viele Menschen auf die Straße bringt – und andernorts nicht.

Wenig Spaß verstanden ein Mitarbeiter der Versammlungsbehörde und Polizeibeamte. Sie vermissten eine Anmeldung als Versammlung und untersagten den Schülern, das Tragen ihrer Kittel. Diese uniformähnliche Bekleidung belege angeblich, dass es sich nicht um eine spontane Zusammenkunft der Schüler handle, so die Argumentation.

Völlig irritiert waren die Gymnasiasten dann, als sie aufgefordert wurden, sich zu der Gegendemonstration auf der gegenüberliegenden Seite des Altmarkts zu stellen. „Die verstehen nicht, was wir wollen“, sagte eine 16-jährige Schülerin.

Im vergangenen Jahr hatten Zehntklässler des Pestalozzi-Gymnasiums sich erstmals in Forscherkitteln zu Pegida gestellt, um mit Demo-Teilnehmern ins Gespräch zu kommen und um zu hören, was und vor allem wie auf der Bühne gesprochen wird. Unterrichtsthema waren soziale Bewegungen. Am Montag waren nun Schüler von mindestens fünf Gymnasien am Altmarkt. Das mag ein Zeichen dafür sein, dass sich Demos in Dresden auch als Unterrichtsstoff eignen. (mit bb)