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Junge Paare haben Lust aufs Land

Wer bauen will, zieht aufs Dorf: Nicht nur günstige Preise locken aus den Großstädten hinaus – das hat die Haus-Messe gezeigt.

Raus aufs Land: Christian und Tina sind auf der Haus-Messe nur eins von vielen Paaren, das vom Eigenheim träumt. © Sven Ellger

Lebensqualität. Dieses Wort fällt immer wieder, wenn Christian E. über die Zukunft spricht. Konzentriert kreist er mit seiner Freundin mögliche Varianten seines Lebens im Jahr 2020 ein. Er streift um ein paar Schaukästen mit verschiedenen Modellhaustypen, hebt ab und zu den Finger, um auf kleine Details aufmerksam zu machen. Kommt ein Musterhaus infrage oder doch ein individuellerer Neubau, wie viele Zimmer brauchen sie, lieber eine offene oder geschlossene Küche? Das Paar steht am Anfang einer Lebensentscheidung: Über 2000 Quadratmeter wollen die Mittdreißiger im Landkreis Mittelsachsen bebauen. In Dresden lassen sie sich inspirieren, hier sollen Pläne konkreter werden.

Raus aus der Stadt, durchatmen auf dem Land: Dafür entscheiden sich viele junge Paare, die bauen wollen. Nicht nur, weil in Großstädten wie Dresden Grundstücke viel zu teuer sind, wird das Umland zur Alternative. Auch eine Landlust packt die Jungen. Das hat sich am Wochenende auf der Haus-Messe mit über 30 000 Besuchern gezeigt. Der Schwerpunkt: ländliches Wohnen. Das Leben auf dem Dorf entschleunigt und verbindet, „hier lassen sich Träume großzügig realisieren“, sagt Christian. „Das Dorf ist für uns kein Notnagel, weil wir uns sonst kein Haus leisten könnten, wir wollen bewusst in die Natur, in die Gemeinschaft“, sagt Freundin Tina. Familie und Freunde wohnen in der Umgebung des Dorfs Tauscha bei Penig, zudem sei viel Platz und damit mehr möglich – nicht nur für die beiden wichtige Argumente.

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Auch Sabrina und Tobias B. bauen auf dem Land. Die beiden 28-jährigen Dresdner wollen zurück in die Heimat, also Richtung Bautzen. „Eigentlich wollten wir nicht selbst bauen, wir haben aber kein Gebäude gefunden, dass uns gefallen hat und das wir uns hätten leisten können. 500 Quadratmeter wären in der Stadt für uns infrage gekommen, auf dem Land haben wir 1000 Quadratmeter.“ Hinzu kommt: „Man will ja nicht nur für das Haus arbeiten gehen.“ Das Leben im Eigenheim abseits der Zentren ist schlichtweg erschwinglich. Wichtig für Paare mit kleinem Geldbeutel.

Dass sich der Bedarf nach Bauland längst auf das Umland verlagert, beobachtet Veit Böhm. Er wirbt auf der Messe für alte, leer stehende Bauernhäuser auf dem Land. „Die Zentren sind schon lange nicht mehr bezahlbar, und auch der Speckgürtel um die sächsischen Großstädte herum ist abgegrast“, meint er. Seiner Erfahrung nach suchen Bauwillige 40 Kilometer außerhalb der Großstädte nach Bauland, um sich den Traum vom Haus zu erfüllen. Dabei sei zunächst zweitrangig, ob neu gebaut oder in alte Häuser investiert wird. Diese Einschätzung deckt sich mit Zahlen, die die Nürnberger Immowelt AG kürzlich Wochen veröffentlicht hat.

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Laut einer Auswertung des Unternehmens verringert sich der Kaufpreis für ein Haus für denjenigen erheblich, die bereit sind, 50 Minuten in die Stadt zu pendeln. Wer zum Beispiel 50 Minuten außerhalb von Berlin wohnt und pendelt, spart im Durchschnitt 39 Prozent beim Hauskauf. In Düsseldorf reduziert die 50-Minuten-Zone den Kaufpreis sogar um einen Spitzenwert von 56 Prozent. Für Sachsen liegen keine gesonderten Zahlen vor.

Auch die Politik setzt auf den Trend zum ländlichen Wohnen: Der Freistaat Sachsen hat dafür sogar einen eigenen Fördertopf eingerichtet. Für das Bauen auf dem Land werden Sonderdarlehen durch die Sächsische Aufbaubank vergeben. Bis zu 80 000 Euro können Bauherren in Sachsen beantragen. Damit sollen nicht nur Dörfer vor Überalterung und damit dem Aussterben bewahrt werden. Die Unterstützung soll auch dazu ermutigen, für das Alter mit einer eigenen Immobilie vorzusorgen.

Bei Christian E. greift dieses Argument. Einen sicheren Altersruhesitz für sich und seine Familie – den will er mit seinem Hausbau im Erzgebirge schaffen. Er sagt ganz klar: „So ein Projekt ist Luxus und ein Risiko.“ Für ihn ist es jedoch auch alternativlos. Denn jahrelang Miete zu zahlen, sei einfach unwirtschaftlich. Ein Jahr mussten er und seine Freundin warten, bis sie ihr Traumgrundstück im Dörfchen Tauscha bekommen haben. Auch auf dem Land kann Platz begrenzt und heiß begehrt sein. Vielleicht ist das schon ein Resultat einer Trendwende: die Landlust der Jungen.