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Junge Patin für Flüchtlinge

Neues Land, neue Sprache, neue Stadt: Caroline Trübenbach hilft beim schweren Anfang.

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© André Wirsig

Von Jana Mundus

Seit gut einem Jahr hat Caroline Trübenbach eine Familie. Keine eigene mit Mann und Kind. Zu ihrer Familie gehören elf Menschen aus dem Irak. Im Herbst 2012 kamen die Christen nach Dresden. Als religiöse Minderheit waren sie in ihrem Heimatland verfolgt worden. Beim Einleben in der sächsischen Landeshauptstadt hilft ihnen die Studentin als ihre Patin. Ein Projekt der Stadt Dresden, das nun fortgeführt werden soll.

Im Frühjahr 2012 las die 24-Jährige im Internet, dass die Stadt Leute für ein Patenschaftsprogramm sucht. Damit beteiligt sich Dresden an der bundesweiten Kampagne „Save me“, die Flüchtlinge unterstützt. „Ich war von der Idee begeistert“, erinnert sich die Sozialpädagogik-Studentin. Also meldete sie sich an. In einer Schulung lernte die junge Frau später, wie sie helfen kann. Vertreter von Jobcenter, Sozialamt, der Ausländerbehörde oder auch der verschiedenen Beratungsstellen in Dresden kamen zu Wort und erklärten, was auf die Iraker zukommen wird. „Auch Flüchtlinge, die bereits hier lebten, waren als Gäste eingeladen und erzählten uns von ihrem Leben in der Stadt.“

Das Programm soll weitergehen. In den nächsten Monaten werden syrische Flüchtlinge nach Dresden kommen. Drei Familien mit insgesamt 17 Personen erwartet die Stadt. Die ersten könnten Ende Januar anreisen. Eines steht bereits fest: Auch ihnen werden Paten an die Seite gestellt. In den vergangenen Monaten fanden bereits Schulungen für sie statt. Caroline Trübenbach will als Ansprechpartnerin für die neuen Freiwilligen zur Verfügung stehen und von ihren Erfahrungen berichten. Im Herbst 2012 war sie mit ins niedersächsische Friedland gefahren, um ihre Familie abzuholen. Friedland ist bundesweit das größte Flüchtlingslager und hat die zentrale Aufnahme für die Bundesrepublik übernommen. Von dort aus werden die Flüchtlinge auf die einzelnen Bundesländer verteilt. „Das war schon ein besonderer Moment, als wir uns das erste Mal trafen. Ich glaube, die Iraker waren froh, eine Ansprechpartnerin zu haben.“

Langsam Vertrauen gewonnen

Trotzdem bemerkte die Dresdnerin früh, dass die Familie nie zu viel verlangt, niemandem zur Last fallen will. Diese höfliche Distanz überraschte sie anfangs. Schließlich waren die Iraker neu in diesem Land, hatten Hilfe durchaus nötig. Doch mit viel Einfühlungsvermögen fand die Studentin einen Draht zu ihnen. Ob beim gemeinsamen Stadtbummel, beim Plätzchenbacken oder einem Zoobesuch. „Heute holen sie mich unter anderem zu Hilfe, wenn Behördengänge oder Arztbesuche anstehen.“

Das Patenprogramm gilt jedoch längst nicht für alle Flüchtlinge in Dresden. Die Iraker im Herbst 2012 und die Syrer, die jetzt kommen sollen, gehören zum sogenannten Resettlement-Programm des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. Deutschland hat sich in dessen Rahmen dazu verpflichtet, insgesamt 5.000 Syrer aufzunehmen. Der große Unterschied zu Menschen, die sich allein auf den Weg nach Deutschland machen: Die Personen im Resettlement-Programm sind schon bei ihrer Ankunft in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt, müssen kein Asylverfahren durchlaufen. Damit erhalten sie Zugang zu Sozialleistungen, Schulen oder dürfen arbeiten. Erst einmal ist ihr Aufenthalt auf zwei Jahre beschränkt, er kann jedoch verlängert werden.

„Natürlich wäre es schön, wenn wir solch eine individuelle Betreuung auch für andere Flüchtlinge anbieten könnten“, sagt Uta Kruse, Dresdens Integrations- und Ausländerbeauftragte. Erste Ideen in diese Richtung hätte es schon gegeben. Dafür wären aber weitere Freiwillige nötig, die Paten werden wollen. Sie würde sich vor allem freuen, wenn auch ältere Dresdner das Projekt mit ihrer Lebenserfahrung unterstützen könnten. Insgesamt 16 Paten sind derzeit beim Programm dabei. Regelmäßig treffen sie sich zu einem Stammtisch, um sich auszutauschen.

Für Uta Kruse ist die Hilfe für die Flüchtlinge eine Selbstverständlichkeit. „Freiwillig verlässt keiner dieser Menschen seine Heimat. Diesen Flüchtlingen zu helfen, ist eine menschliche Verpflichtung.“ Caroline Trübenbach will deshalb auch in Zukunft für ihre Familie da sein, auch wenn der Kontakt mit der Zeit weniger wird. „Das zeigt mir aber, dass sie gut zurechtkommen“, sagt sie.