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Junge Pläne für ein altes Kaufhaus

Pablo Metz will in der Steinstraße neue Firmen und ein Café oder Bistro ansiedeln. Aber eigentlich geht es um viel mehr.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Görlitz. Pablo Metz hat mal klein angefangen. Ganz allein hat er vor Jahren seine Firma gegründet, ein sogenanntes Start-Up, also ein junges Unternehmen mit innovativer Geschäftsidee. „Ich habe Software für Internet-Werbung geschrieben“, sagt der heute 36-Jährige. Die Sache lief gut, die Firma wuchs schnell. Als sie 50 Mitarbeiter hatte, hat er sie verkauft, um sich neuen Aufgaben zu widmen. „Allerdings“, betont er, „habe ich für das Start-Up viel Hilfe erhalten. Ohne hätte ich es nie geschafft.“ Daraufhin hat er seine Vision entwickelt: Selbst einen Ort zu schaffen, an dem Unternehmer, die ihr Geld im Internet verdienen wollen, durchstarten können, an dem sie Gleichgesinnte finden und Hilfe erhalten.

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Auf dem Bild vom April 2016 – verfremdet aufgenommen mit dem „Fischauge“ – wird das Haus gerade als Filmkulisse vorbereitet.
Auf dem Bild vom April 2016 – verfremdet aufgenommen mit dem „Fischauge“ – wird das Haus gerade als Filmkulisse vorbereitet. © Pawel Sosnowski
Das Foto zeigt die Steinstraße 2 bis 5, als hier noch das damalige Kaufhaus Totschek ansässig war.
Das Foto zeigt die Steinstraße 2 bis 5, als hier noch das damalige Kaufhaus Totschek ansässig war. © SZ-Archiv

Allerdings nicht in Bremen, wo Pablo Metz geboren wurde und auch nicht in Berlin, wo er sein Start-Up gegründet hat und wo er heute mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt – sondern in Görlitz. „Von hier sind so viele Leute weggegangen, um in Großstädten zu arbeiten“, hat er festgestellt. Seiner Meinung nach ist das heute gar nicht mehr so oft nötig: „Gerade in der Digitalwirtschaft, also der Arbeit mit dem Internet, kann man überall sein, wo es Internet und ein paar Gleichgesinnte gibt.“ Ex-Görlitzer zurück an die Neiße zu holen ist deshalb ein Teil seiner Vision. Neue Leute anzusiedeln, ein anderer. Auch die Hochschule könnte dabei hilfreich sein.

In Görlitz hat sein Vater Philipp Metz vor zwei Jahren mal wieder ein Gebäude gekauft. Besser gesagt: vier zusammengewachsene Häuser, die Steinstraße 2 bis 5. Der Senior ist hier kein Unbekannter, er hat schon mehrere Häuser saniert, zuletzt das Eckhaus Jakob-Böhme-/Weberstraße. Auch das Weinberghaus gehört ihm, es wartet noch auf die Sanierung. Nun also die Steinstraße 2 bis 5, das frühere Kaufhaus Totschek mit einer Gesamtfläche von rund 2 000 Quadratmetern. Senior und Junior Metz sind sich einig: Das ist der ideale Standort für Digitalwirtschaft. Das Kaufhaus liegt mitten in der Stadt und hat viele große Räume, die sich gut nutzen lassen.

Wie genau, weiß Pablo Metz auch noch nicht. Die baulichen Dinge überlässt er seinem Architekten. Auf jeden Fall müssen die Löcher in den Decken geschlossen, eine Heizung eingebaut, die Elektrik neu verlegt, vielleicht auch etwas an Dach und Fenstern gemacht werden. Aber die Aufteilung im Haus? „Vermutlich werden wir von allem etwas brauchen“, sagt Pablo Metz. Große, offene Büroräume, in denen viele Leute zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen können, aber auch kleine, abgeschlossene Einheiten, wo sich Leute zurückziehen können, um in Ruhe zu arbeiten. Sicher auch ein paar Seminarräume. Vieles kommt letztlich auf die Nutzer an. Das können ganze Firmen sein, die Teile des Hauses als Firmensitz mieten, aber es können auch einzelne Menschen sein, die kurz- oder langfristig einen voll ausgestatteten Büroarbeitsplatz nutzen wollen.

Das ganze Haus soll wieder den alten Namen Totschek tragen. Und im Parterre soll es auf jeden Fall ein Café oder Bistro geben. Derzeit nutzt der Antikhändler von gegenüber diese Räume. Er müsste dann ausziehen. „Das Café ist wichtig, damit sich das Haus zur Stadt öffnet“, sagt Pablo Metz. Soll heißen: Das Café kann sowohl ein Ort sein, an dem sich die Leute treffen, die hier arbeiten, als auch ein Ort, an dem Görlitzer und Touristen in das Haus hineinschnuppern, es kennenlernen können. Viele Ältere können ja mit Digitalwirtschaft noch nichts anfangen. Da kann das Café helfen, Berührungsängste abzubauen. Auf eine Anzahl von Mietern will sich Pablo Metz nicht festlegen, auch nicht auf einen Zeitpunkt, wann es losgehen könnte. „2018 sanieren und Ende 2018 eröffnen wäre schön“, sagt er. Eine Eröffnung im ersten Quartal 2019 sei aber vielleicht realistischer. Im nächsten Schritt will er jetzt erst einmal mit Menschen aus verschiedenen Bereichen sprechen, sie von der Idee begeistern.

Mit einigen, die sich in ähnlichen Branchen engagieren, steht er im Kontakt, etwa mit Rabryka, Jakobpassage und Kühlhaus. Pablo Metz schwärmt von all diesen Projekten: „Es gibt in Görlitz eine richtig gute Szene.“ Wichtig sei, sich mit allen abzusprechen: „Es geht nur gemeinsam.“ Wenn etwa das Kühlhaus eine Werkstatt aufbauen will, dann will er das nicht auch tun, sondern die passenden Leute lieber dorthin schicken. Austausch und Vernetzung sind seine Schlagworte. Auch die Wirtschaftsförderer der Europastadt GmbH (EGZ) hat Pablo Metz von seinen Plänen überzeugt.

„Ich denke, so etwas fehlt uns absolut in Görlitz“, sagt EGZ-Geschäftsführerin Andrea Behr. Sie hat vergleichbare Projekte in Dresden und Berlin gesehen: „Dort laufen sie sehr gut.“ In Dresden gebe es fünf oder sechs davon. In Görlitz findet sie es realistisch, zumindest ein großes zu etablieren – in Ergänzung zum viel kleineren Kolabor in der Hospitalstraße 29 und zu den Plänen von Kühlhaus und Rabryka. Ziel des Totschek-Projektes müsse es sein, die Einwohnerschaft von Görlitz zu verjüngen, junge Leute hier zu halten: „Wenn sie im zweiten Schritt hier Familien gründen, umso besser.“ Die EGZ will Pablo Metz unterstützen, indem sie Kontakte zur SAB, aber auch zu Gesprächspartnern in Politik und Wirtschaft vermittelt. Andrea Behr hat das Projekt sogar zur Chefsache erklärt. Wer sich beim Kaufhaus Totschek einbringen will, kann sich bei ihr melden : [email protected].

Das Haus ist diese Woche, Donnerstag, 17 Uhr, bis Sonntag, 16 Uhr, im Rahmen der „Woche der seelischen Gesundheit“ des Vereins Initiative Görlitz geöffnet. Es gibt eine Ausstellung, eine Kleinkunstbühne und ein gastronomisches Angebot. Alle Punkte sind öffentlich.