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Junge Wissenschaftler erschließen zehn Biografien zu Euthanasie-Opfern

NS-Verbrechen auf dem Sonnenstein werden mittels Krankenakten ausgewertet.

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Das Kuratorium Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein hat zusammen mit jungen Forschern das nunmehr zehnte Sonnenstein-Heft vorgestellt. Auf 112 Seiten werden ausführlich aufgearbeitete Biografien von zehn Menschen beschrieben, die in der Tötungsanstalt 1940/41 ihr Leben ließen. „Wir wollen damit dieser grauenvollen Tat gedenken und den Opfern ihre Biografie ein Stück weit zurückgeben“, sagte Boris Böhm, Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein im Rahmen der gestrigen Gedenkveranstaltung im Saal des Tom-Pauls-Theaters.

Junge Wissenschaftler hatten zuvor neue Akten ausgewertet, Angehörige befragt und mit Zeitdokumenten gearbeitet. Unter dem Titel „Von diesem tragischen Schicksal wusste ich nichts“ trugen sie ihre Ergebnisse in Form von zehn Leidens- und Lebenswegen zusammen. Diese Porträts stehen exemplarisch für die mindestens 14751getöteten Menschen auf dem Pirnaer Sonnenstein.

Erschwert wurde die Forschung durch unvollständige Krankenakten und fehlende Dokumente. „Wir haben weitere Quellen, wie Zeitzeugen oder Tagebücher, herangezogen, um die bruchstückhaften Erkenntnisse zu erschließen“, sagte Böhm. Über zwei Jahre haben die sechs Autoren an dem Buch gearbeitet. Sie kooperierten auch mit dem Bundesarchiv Berlin, dem Universitätsarchiv Leipzig und mehreren Friedhofsverwaltungen.

Das Buch ist in der Gedenkstätte Sonnenstein erhältlich. Um eine Spende wird gebeten. (SZ/rz)