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Junger Wanderfalke gerettet

Der Vogel war es dem Nest gedrängt worden und stürzte ab. Nationalparkleute fanden den Jungfalken im Bielatal. Nun ist er umgezogen.

© Mike Jäger

Mike Jäger

Sächsische Schweiz. Am Großen Zschirnstein in der Sächsischen Schweiz schreit laut und aufgeregt ein Wanderfalkenjunges. Der kleine Vogel im Horst auf einem sandigen, überwölbten Felsband fühlt sich gestört: Ein Bergsteiger seilt sich in der 100 Meter hohen Südwand ab. Am Felsband nimmt der Bergsteiger aus seinem Rucksack einen anderen jungen Wanderfalken und setzt ihn neben den schreienden Vogel.

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Er ist nun vom Bielatal zum Großen Zschirnstein gezogen.
Er ist nun vom Bielatal zum Großen Zschirnstein gezogen. © Mike Jäger

Was war passiert? In einer Nisthöhle im Bielatal waren vier Wanderfalken ausgebrütet worden. Diese Anzahl ist ungewöhnlich hoch, normalerweise haben die Falken zwei bis drei Junge, und – die Höhle ist zu eng für vier Vögel. Ein Vogel war aus dem Nest gedrängt worden. Auf einer kleinen Felszacke unterhalb des Brutloches saß er dann zweieinhalb Tage. Mitarbeiter des Nationalparks, die das Brutgeschehen kontrollieren, beobachteten den Falken. Was die Vogelschützer vermuteten, passierte: Donnerstag früh finden sie den kleinen Wanderfalken am Waldboden, vor Entkräftung von der Felswand abgestürzt, abgemagert und schwach, aber glücklicherweise hat er überlebt.

Die Nationalparkleute nehmen den Vogel mit ins Büro der Nationalparkverwaltung in Bad Schandau. Dort wird der Vogel mit Rindfleischstückchen aufgepäppelt. Schon am gleichen Nachmittag hat er sich erholt und kann wieder ausgesetzt werden. Da der Platz aber in der elterlichen Bruthöhle in Bielatal zu klein ist, bringen ihn die Mitarbeiter vom Nationalpark zum Großen Zschirnstein. Der Brutplatz dort ist geräumig und nur ein Junges in etwa gleichem Alter ist hier im Nest.

Vögel können nicht zählen

Wird das neue Geschwisterchen akzeptiert werden? Werden die Vogeleltern die Fütterung übernehmen? Ulrich Augst, Vogelexperte vom Nationalpark, äußert: „Die Vögel können nicht zählen.“ Sie registrierten sol-che Umstände nicht. Schon bei der Wiederansiedlung der Wanderfalken im Elbsandsteingebirge sei so verfahren worden, als Jungvögel aus der Zucht in die Horste gesetzt wurden.

Die Brutsaison 2018 verläuft widersprüchlich: 18 Wanderfalkenpaare suchten sich im Frühjahr 2018 einen Brutplatz in der Sächsischen Schweiz. Jetzt werden davon nur noch fünf Horste beflogen, erfreulich allerdings mit darin immerhin 15 Jungvögeln. Aber neun Brutverluste sind zu registrieren. Bei vier Bruten ist das Ergebnis noch ungewiss.

Es sei nicht nachvollziehbar, sagt Ulrich Augst, dass die Hälfte der Bruten erfolglos war. Einerseits sind die Nistplätze mit bis zu vier Jungfalken hoch belegt, was für gutes Futterangebot spricht, anderseits gibt es komplette Brutverluste mit unbekannter Ursache. Störungen durch Menschen oder Tiere wären möglich oder, dass das Futterangebot an diesen Stellen nicht ausreichend war.

Das Adoptiv-Wanderfalkenjunges am Großen Zschirnstein jedenfalls hat große Chancen, flügge zu werden und die Felsenwelt des Elbsandsteingebirges zu bereichern.