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Junggesellenabschied der besonderen Art

Männer dürfen vor der Hochzeit oft mit einer Party unter Kumpeln rechnen. Für einen Görlitzer war das aber viel mehr.

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Von Daniela Pfeiffer

Holzi ist ein piekfeiner Kerl, lieb und fleißig. Den können wir nicht als Hase verkleidet durch die Stadt laufen lassen.“ Dieses Urteil seines besten Freundes Tom Budig hat Thomas Holz jetzt einen unvergesslichen Junggesellenabschied beschert. Dass Männer und zunehmend auch Frauen vor ihrer Hochzeit von den Freunden mit einem besonderen Tag überrascht werden, kurz bevor sie heiraten, ist eine alte Tradition – vor allem auf dem Dorf. Junggesellenabschied heißt sie – oder eben auch Junggesellinnenabschied.

Seine Sabine wird er am 11. Mai heiraten.
Seine Sabine wird er am 11. Mai heiraten. © privat

Und da nun Thomas Holz am 11. Mai seine Sabine heiraten wird, wollten ihm seine Freunde eben auch einen solchen schenken. Nur eben nicht im Hasenkostüm. Nichts, wo er sich unwohl fühlen oder blamieren könnte, sondern etwas, das perfekt auf ihn zugeschnitten ist, sollte es sein. Sein bester Kumpel Tom Budig hat dafür ein Jahr lang gegrübelt, geplant, organisiert. Die beiden kennen sich seit Ewigkeiten. In Kunnerwitz bei Blau-Weiß Deutsch Ossig haben sie sich einst getroffen, beim Fußball. In der B-Jugend kickten sie schon gemeinsam, später auch in der Herrenmannschaft. Und mit Fußball hatte dann auch Teil eins des Junggesellenabschieds zu tun. „Es gibt ein altes Foto der Männermannschaft“, erzählt Tom Budig. „Da kam uns die Idee, das nachzustellen, mit den Leuten von damals.“ Das klappte auch. Pünktlich zum Termin des Junggesellenabschieds am vergangenen Donnerstag stand der größte Teil auf dem Sportplatz in Kunnerwitz parat. Und noch weitere Kumpels und Fußballfreunde. Insgesamt 40 Mann erwarteten den Bräutigam. „Manche hatten wir über zehn Jahre nicht gesehen, sie sind extra gekommen, zum Teil mit weitem Anreiseweg“, sagt Tom Budig.

Den Bräutigam hat er mit einigen Freunden an diesem Nachmittag persönlich von zu Hause in Biesnitz abgeholt. „Er wusste ja von gar nichts, und guckte entsprechend verdutzt.“ Das Problem: Nur zwei Tage vorher war Thomas Holz krank geworden. „Ich hab Blut und Wasser geschwitzt“, so Tom Budig. „Wir hatten ja noch mehr vor.“ Aber die Antibiotika schlugen an. Der Bräutigam konnte mit seinen Freunden den Fußmarsch gen Kunnerwitz antreten. Nach einer kleinen Feierrunde, zu der übrigens auch OB Siegfried Deinege – selbst Kunnerwitzer – ein Fass Bier beisteuerte, chauffierte ein Bekannter Thomas Holz mit seiner Harley Davidson zurück nach Hause. Wenn der aber gedacht hatte, das war schon alles, so lag er gründlich falsch. Das hatte Tom Budig lediglich eingebaut, damit Holz seiner künftigen Frau und den beiden Söhnen noch mal Tschüß sagen konnte. Denn dann ging es zum Bahnhof.

Und plötzlich ging’s zum Flughafen

Seine Verlobte Sabine war natürlich eingeweiht und wusste, dass auch der angekündigte Abend in Dresden noch nicht das Ende der Fahnenstange war. Hier stiegen nämlich lediglich noch Freunde zu und weiter ging es nach Leipzig. Hier hatte Thomas Holz die Aufgabe, den Trupp für einen weiteren Umtrunk ins Barfußgäßchen zu führen. Als dann die Ansage kam: So, das war’s jetzt aber wirklich, nun geht es zurück in die Heimat“, ahnte der Bräutigam schon: Das war es längst noch nicht. Per Whatsapp hatte ihm kurz vorher ein Kollege geschrieben: „Guten Flug“. „Ich hatte da schon die leise Hoffnung, dass es in die Richtung geht, in die es ja dann tatsächlich auch ging, aber das auszusprechen habe ich natürlich nicht gewagt.“

Die Richtung hieß Mallorca. In aller Herrgottsfrühe stiegen zehn Freunde am Freitag in den Flieger und düsten gen Süden. Auf Thomas Holz’ Arbeitsstelle in Dresden hatte Tom Budig längst Bescheid gegeben und auch Freundin Sabine gab ihr Okay. Lediglich eine Whatsapp, wann man gut angekommen sei, forderte sie ein.

Wer nun glaubt, die folgenden zwei Tage auf der Insel liefen ähnlich ab wie im Film „Hangover“, irrt. Eimersaufen oder Stripperin – so sei es nicht gewesen, versichert Tom Budig. Man sei vernünftig, alle hätten auch Familie. Klar haben sie um namhafte Adressen wie den Bierkönig oder das Oberbayern keinen Bogen gemacht, aber alles sei im Rahmen geblieben. „Und an beiden Morgen fanden sich zehn Mann pünktlich in der Lobby ein. Das war ja eine meiner großen Sorgen: Kann ich das Rudel zusammen halten? Werden am Sonntag alle wieder zusammen im Flieger sitzen?“ Doch alles ging gut. Zufrieden, aber auch ganz schön müde seien sie am Sonntagabend auf dem Görlitzer Bahnhof wieder von ihren Familien in Empfang genommen worden. Dem Bräutigam liegt es am Herzen, das zu sagen: „Ich kann nur wiederholen, was ich den Jungs schon mitgeteilt habe: Vielen Dank an alle, die diesen Aufwand mit betrieben haben, die geplant und organisiert haben, ich weiß es zu schätzen. Es ist schön, solchen Freunde zu haben.“