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Justgässchen versinkt in Hundekacke

Zwei Zittauer kratzen zwei Stunden lang Hundekot vom Pflaster. Nur einen Tag später liegt dort schon wieder welcher.

© www.foto-sampedro.de

Von Elke Schmidt

Zittau. Sage und schreibe eine dreiviertel Mülltonne haben sie mit Hunde- und Taubenkot sowie Zigarettenstummeln gefüllt. Zwei Stunden lang bearbeiteten Renate Weber und Martin Schmidt am vergangenen Freitag das Pflaster im Justgässchen mit Gartenkratzer und Besen. Teilweise mussten sie mehrere Zentimeter dicke Schichten abtragen. Nicht gerade eine angenehme Tätigkeit: Umso mehr ärgert Renate Weber, dass keinen Tag später bereits wieder Hundedreck im Gässchen lag. Darüber ist sie richtig wütend und hat deshalb einen kleinen Text als Mahnung für die Hundehalter verfasst. Sie wünscht sich sehr, dass es hilft. Die Zittauerin hatte sich schon lange über den Zustand dieses Ortes geärgert. „Da konnte man vor lauter Haufen kaum treten“, sagt sie. Abgesehen davon leide auch das Image von Zittau. Das Justgässchen liegt mitten in der Stadt und zum Beispiel kommt die Nachtwächterführung hier entlang. Was sich Touristen denken, wenn sie durch die Gasse laufen, mag sie sich gar nicht ausmalen.

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Ein Zettel von Renate Weber mit einer Bitte an die Hundehalter
Ein Zettel von Renate Weber mit einer Bitte an die Hundehalter © www.foto-sampedro.de

Zunächst wartete sie darauf, dass die Stadtreinigung etwas unternimmt. Sie sprach sogar mit Zittaus Oberbürgermeister. Aber nichts sei passiert. Schließlich hat sie die Wut gepackt und weil Renate Weber keine ist, die nur schimpft und sich im stillen Kämmerlein ärgert, packt sie selbst an. Also sah sie sich am letzten Donnerstag das ungefähre Ausmaß der Arbeit an. Gleich nebenan steht das Wächterhaus. Das betreibt der Freiraum e.V., um das ehemalige Kaufhaus Messow vor dem Verfall zu bewahren. Davor standen zwei junge Männer. Renate Weber sprach sie an und bat um Hilfe. So kam es, dass am Freitag auch Martin Schmidt in der Gasse stand und Hundekot schippte. Sogar das Werkzeug hat er zur Verfügung gestellt. So musste es die engagierte Zittauerin nicht von zu Hause mitbringen. Dafür ist sie sehr dankbar. „Natürlich helfe ich“, sagt der junge Mann vom Wächterhausverein. Ihn hat der Zustand ebenfalls geärgert. Dass es aber so schlimm war, sei ihm erst bewusst geworden, als er mitten im Schmutz stand. Er hat im Nachhinein einen Zettel aufgehängt: „Ihr Hund schämt sich für Sie, denn er kann sein Häufchen nicht alleine wegräumen“, steht darauf. Nun hoffen die beiden, dass die Gasse einigermaßen sauber bleibt. Auch einige andere Anwohner sind erbost über den Zustand des Gässchens. Selbst etwas dagegen unternehmen wollen sie jedoch nicht. Dafür bezahlen sie extra einen Hausmeisterservice, sagen sie.

Zuständig ist auch die Städtische Dienstleistungsgesellschaft (SDG), sagt Zittaus Pressesprecher Kai Grebasch. Die reinigt die kleinen Gassen in der Innenstadt im Bedarfsfall. Die Mitarbeiter vom Ordnungsamt kontrollieren das bei ihren Rundgängen. Derzeit sind jedoch nicht alle Mitarbeiter einsatzbereit, und daher könne das auch mal etwas länger dauern, so Grebasch. Oberbürgermeister Thomas Zenker hat nach seinem Gespräch mit Renate Weber übrigens mit der SDG gesprochen und sich die Gasse auch selbst angesehen. „Es ist beschämend und ärgerlich, wie manche Mitmenschen ihr direktes Umfeld und damit auch ihre eigene Stadt behandeln“, so Zenker. Er und seine Mitarbeiter werden weiterhin versuchen, dies durch Kontrollen zu verhindern oder zu ahnden, sind aber nicht zuletzt aus finanziellen Gründen dazu nicht immer in der Lage. Umso mehr freut er sich über die zahlreichen Menschen, die wie Renate Weber helfen, die Stadt sauber und geschmückt zu halten. Frau Weber will auf jeden Fall am Thema dranbleiben. Ein guter Anfang wäre ihrer Meinung nach, eine Hundetoilette und eventuell einen Abfalleimer aufzustellen.