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Kabelklau am Lößnitzdackel

Diebe stehlen vier Kilometer Kupferstrang. Die Bahn kann trotzdem rollen – eine Ersatz- Verbindung wird hergestellt.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

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Wir sind Görlitz

Görlitz ist Vielfalt. Wie viel, dass zeigen ganz unterschiedliche Personen sowie Unternehmen und ihre ganz individuellen Geschichten.

Radebeul/Moritzburg. Der Anblick verstört Zugleiter Lars Ritter beim Blick aus dem Waggonfenster noch immer. Zwischen Berbisdorf und Moritzburg baumeln einzelne Drähte unmittelbar neben der Strecke der Lößnitzgrundbahn von den Masten herab. Eine Telefonleitung, gekappt von Dieben in der Nacht zum letzten Freitag.

Unbekannte, so die knappe Polizeimeldung, stahlen insgesamt vier Kilometer Telefonkabel. Eine Leitung, die die Eisenbahner von der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) wie auch die Betreiber des Traditionsbahnvereins brauchen, um sich auf der Strecke zu verständigen. „Vor allem dann, wenn neben der normalen Lößnitzgrundbahn Sonderzüge unterwegs sind“, sagt Zugleiter Ritter. Wenn er und seine Kollegen jetzt an der Kurbel des Telefons drehen, um Kontakt mit der Station in Moritzburg, in Berbisdorf oder Radeburg zu bekommen, dann entsteht keine Verbindung.

Ist jetzt der Betrieb des Lößnitzdackels in Gefahr? Mit dem beginnenden Frühjahr steigen die Fahrgastzahlen, werden die Sonderfahrten wieder vorbereitet. Mirko Froß, Betriebsleiter, bestätigt, dass die gekappte Telefonverbindung zum Sicherheitssystem des Bahnbetriebs gehört. Vorerst müsse die Verständigung per Handy zwischen den Stationen erfolgen. Es werde jetzt schnellstens Ersatz für das Telefonkabel gesucht. Dies könnten beispielsweise Kabeltrommeln sein, wie sie bei der Armee verwendet werden.

Außerdem seien die Zugleiter und Lokführer angewiesen worden, in dem betreffenden Abschnitt ohne Telefonverbindung bei Berbisdorf besonders vorsichtig zu fahren. Ohnehin betrifft das nur die Hälfte der täglichen Fahrten, die über Moritzburg hinaus bis nach Radeburg führen.

Richtig sauer ist der Betriebsleiter über den Verlust und den Aufwand, den der Diebstahl dem Betreiber der Bahn damit aufbürdet. Mit rund 30.000 Euro wird der Schaden beziffert. Nur den reinen Kupferwert, ohne die Arbeitsleistung des Wiederanbringens, schätzt Froß auf mindestens 10 000 Euro. Die Diebe hatten entlang der Gleise auf der vor den Feldern liegenden Strecke offenbar kaum eine Störung zu erwarten. Mit Bolzenschneidern wurden die Kabel abgetrennt und wahrscheinlich in Stücke geschnitten. Für den Abtransport in Stücken müssen ein oder mehrere Kleintransporter verwendet worden sein, vermutet Polizeisprecher Thomas Geithner.

Der Diebstahl an einer Schmalspurbahn ist auch für die Polizei neu. Kabelklau entlang von Bahnstrecken indes nicht. Die Buntmetall-Kriminalität sei ein gigantisches Problem, sagt Gerd Neubeck, Leiter der Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn. 2012 hätten Diebe der Bahn einen Schaden von 17 Millionen Euro zugefügt. Allein im ersten Halbjahr 2013 sind deshalb fast 5000 Züge ausgefallen. Die Bahn markiert inzwischen ihre Kupferleitungen mit einer sogenannten künstlichen DNA, womit später nachweisbar ist, woher das Kupfer stammt. Der Bahnsicherheitsmann sagt auch, dass dieser Buntmetall-Diebstahl längst eine europäische Dimension habe. Grenznahe Regionen bezeichnet er als Diebstahl-Hotspots.

Auf der Weißeritztalbahn, die zur SDG gehört, ist das Telefonkabel inzwischen in die Erde verlegt worden. „Das überlegen wir hier auch. Aber das wird teuer“, sagt Betriebsleiter Froß. Die Polizei hofft, dass der Diebstahl von so viel Kupfer doch jemandem aufgefallen ist. Thomas Geithner: „Vier Kilometer Kabel ist nicht in einer Stunde abgeschnitten und weggefahren.“

Zeugen gesucht: Wer in der Zeit vom 6. März 16 Uhr bis 7. März 6 Uhr zwischen Bärwalde und Berbisdorf etwas beobachtet hat, sollte dies bitte der Polizei melden unter 0351 4832233.