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Kälte killt Batterien

In Autowerkstätten herrscht großer Andrang. Heizungsmonteure geben Tipps. Vor der Tafel stehen die Ersten 8 Uhr.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

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Coswig. In der Werkstatt von Kfz-Meister Ronny Heinze im Neusörnewitzer Gewerbegebiet werden jetzt täglich neue Autobatterien bestellt. Der klirrende Frost beißt die Starter reihenweise kaputt. Heinze: „Haben wir üblicherweise zwei bis drei Batterien in der Woche zu wechseln, so sind es jetzt viermal so viele am Tag.“

Das ist auch nicht mehr so einfach wie früher, so der Fahrzeugexperte. Die Batterie muss passen – nicht nur in den Maßen und der Stromstärke. Neuere Autos mit Start-Stopp-Technik brauchen spezielle Batterien, die auch programmiert werden müssen. Mancher hat es noch mit Starthilfekabel in die Werkstatt zum Batteriewechsel geschafft, zu anderen müssen Helfer rausfahren.

Gerade stehen bei Kfz-Technik Heinze drei Dieselfahrzeuge, bei denen Glühkerzen ausgefallen sind. Nach den Batterien das zweite große Frostproblem, weil dann die Autos zumeist nicht mehr anspringen.

Michael Feigenspan, der Service-Leiter im Radebeuler Autohaus Gommlich hat die Kraftfahrer-Winter-Probleme am Mittwochvormittag ebenfalls reihenweise auf dem Tisch und am Telefon. Gerade hat er ein Service-Fahrzeug in die Boltenhagener Straße losgeschickt, weil dort die Batterie eines Autos keinen Funken mehr erzeugt. Feigenspan: „Die Draußenhilfe kann bis zu zwei Stunden dauern. Wer es noch zu uns schafft, den können wir mit einer neuen Batterie zumeist in einer Dreiviertelstunde helfen.“ Mindestens viermal so oft wie bei normalen Wintertemperaturen muss das derzeit sein.

Noch mindestens bis zum Wochenende soll der Frost weiter Mensch und Technik zusetzen. Da muss die Heizung fürs warme Heim funktionieren. Holm Lamprecht von der gleichnamigen Haustechnikfirma in Radebeul-Naundorf rät allen, in den Nebenräumen und Kellern zu schauen, ob auch dort die Heizungsregler aufgedreht sind. Lamprecht: „Der Durchlauf muss, auch wenn es etwas mehr als sonst an Energie kostet, gewährleistet sein, damit Leitungen nicht einfrieren.“ Er und seine Monteure sind bei den derzeitigen Temperaturen binnen ein bis zwei Stunden da, wenn eine Heizung ausfällt, so der Handwerksmeister. Außerdem garantiert die Firma einen 24-Stunden-Notdienst.

Ähnlich hilft auch die Firma René Götze aus Radebeul. Junior Eric Götze rät allen Bürgern, auf jeden Fall die Kellerfenster zu schließen und auch nicht angekippt zu lassen. Derzeit bestehe eine große Gefahr, dass Zähleruhren einfrieren.

Noch gibt es keine Wasserleitungsbrüche, sagt Olaf Terno, Geschäftsführer der seit diesem Jahr für Radebeul und Coswig zuständigen Wasserwirtschaft. Terno: „Der Frost sitzt glücklicherweise noch nicht so tief in der Erde.“ 20 bis 30 Zentimeter sind es derzeit. Die Leitungen liegen in mindestens 1,20 Meter Tiefe, so sie vorschriftsmäßig verlegt worden sind. Terno rechnet eher beim Auftauen mit möglichen Problemen, weil dann die Erde in Bewegung kommt und an besonders alten Rohren arbeitet und diese brechen kann.

Richtig viel und schon früh Arbeit gab es am gestrigen Mittwoch in der Radebeuler Tafel. Bedürftige standen bereits ab 8 Uhr vor den Türen neben dem Pfarrhaus der Friedenskirche, obwohl erst 10 Uhr geöffnet wird. Christian Schmidt, Leiter der Tafel: „Ich habe die Leute natürlich reingelassen. Kaffee ist schnell gekocht.“ In Radebeul gibt es noch keine Obdachlosen, so Schmidt. Aber viele Bedürftige haben keine komfortable Wohnung und sehnen sich, gerade bei der extremen Kälte, nach Geselligkeit in warmen Räumen.

Für Wärme sorgen bei den meisten Radebeulern und Coswigern die Stadtwerke Elbtal. Sie sind die Nutznießer von Temperaturen wie sie jetzt herrschen, gibt die kaufmännische Geschäftsführerin Annett Müller-Bühren unumwunden zu. In Tagen wie diesen geht beim Heizen vor allem der Gasverbrauch nach oben. Etwa ein Viertel mehr als im durchschnittlichen Februar haben die Kunden verbraucht. Beim Stromverbrauch wirke sich die Kälte kaum aus.