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Kaffeestube ist schon wieder dicht

Das Lokal im Stadtpark Görlitz hat sich finanziell nicht gerechnet. Derzeit ist völlig unklar, wie es weitergeht.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Görlitz. Wer in diesen kalten und sonnigen Wintertagen auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen in die Kaffeestube im Stadtpark einkehren will, steht vor verschlossenen Türen: Das kleine Lokal im Parkhäuschen nahe der Rosenterrasse ist dicht. Betreiber Oliver Liebl hat es bereits zum 1. Januar geschlossen – offenbar, weil es sich finanziell nicht gerechnet hat. Er selbst war am Freitag allerdings nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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„Gerade im Winter sind die Kosten zu hoch“, sagt aber Liebls Vorgänger Thomas Seliger. Er hatte die Kaffeestube im April 2016 übernommen und dann parallel zu seinem bestehenden „Wirtshaus zur Altstadt“ an der Elisabethstraße geführt. Liegestuhl-Verleih, Lounge-Ecke, Barbecue, an Ideen haperte es bei ihm damals nicht. Auch Frühschoppen mit Blaskapelle waren geplant. Allerdings blieb Seliger nur bis Juni 2016. Dann musste er aus gesundheitlichen Gründen schon wieder aufhören und übergab das Stadtpark-Café an seinen damaligen Mitarbeiter Oliver Liebl.

Jetzt will Seliger nicht mehr in den Stadtpark zurück: „Ich konzentriere mich stattdessen voll auf das Wirtshaus zur Altstadt.“ Derzeit überlegt er, den einstigen Saal im ersten Stock wiederzubeleben. Er wurde irgendwann in zwei oder drei Mietwohnungen zerstückelt. Jetzt könnte sich Seliger vorstellen, das rückgängig zu machen. Sicher ist das zwar noch nicht, aber so oder so ist das Kapitel Stadtpark für ihn erledigt: „Das ist mittlerweile verbrannt.“

Die Kaffeestube im Stadtpark gehört dem Görlitzer Steffen Ottlinger. Der war vorige Woche noch optimistisch, bereits in dieser Woche ein neues Konzept für das Häuschen präsentieren zu können. Das hat sich aber nun schon wieder zerschlagen: „Der neue Interessent ist abgesprungen.“ Somit sei nun wieder alles offen. Er habe zwar Ideen, wisse aber derzeit noch nicht, ob sich diese umsetzen lassen: „Vielleicht sieht es in zwei, drei Wochen schon anders aus, aber es kann auch sein, dass das Café länger geschlossen bleibt.“ Mehr könne er derzeit einfach noch nicht sagen.

Das Häuschen im Stadtpark wurde 1845 als Gärtnerhaus für den ersten Gartenbauinspektor unter Bürgermeister Gottlob Ludwig Demiani errichtet. Die Stadt Görlitz nutzte es bis 2004, auch das Grünflächenamt hatte hier lange seinen Sitz. Im Januar 2005 gab es einen Brand im Gebäude. Steffen Ottlinger kaufte das Haus noch im gleichen Jahr von der Stadt und sanierte es anschließend denkmalgerecht. Das angrenzende frühere Gewächshaus hingegen ist noch unsaniert. Ein Ausbau ist mittlerweile geplant, zunächst mal soll das Gewächshaus neu eingeglast werden.

Ottlingers Frau Peggy war ab September 2007 die erste Pächterin des frisch sanierten Parkhäuschens, sie betrieb es als Eiscafé. Dabei blieb es nicht: Mehrere Inhaber haben sich in den vergangenen Jahren daran versucht. Keiner von ihnen hat lange durchgehalten. Die Gründe dürften vielschichtig sein: Es liegt zwar idyllisch im Grünen und bietet drinnen eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, aber es befindet sich ziemlich ab vom Schuss. So richtig viele Leute finden höchstens an schönen Sommertagen den Weg hierher. Hinzu kommt, dass es nicht allzu groß ist, für größere Familien- oder Firmenfeiern also nicht so gut geeignet. Vor diesem Hintergrund scheint es sehr schwer zu sein, das Café wirtschaftlich zu betreiben.

Nach einiger Zeit Leerstand übernahm Lars Trasper Ostern 2014 die Regie. Er war bekannt geworden, als er im gleichen Jahr bei der Stadtratswahl als Kandidat der Piraten auf dem Stimmzettel stand, letztlich aber nicht gewählt wurde. Auch das Café im Stadtpark brachte ihm kein Glück: Bereits im Oktober 2015 zog er die Reißleine. „Es wurden immer weniger Gäste“, sagte er damals der SZ: „In der Gastronomie haben wir eine schwierige Zeit. Für mich hat es sich nicht mehr gelohnt, da habe ich das Café zugemacht.“ Über den Winter blieb es geschlossen, dann kam Thomas Seliger, zuletzt Oliver Liebl. Der war im vergangenen August noch ganz optimistisch. „Wir machen den besten Kaffee der Stadt“, lautete damals seine kühne Behauptung. Die Gäste müsse er sich gewissermaßen erarbeiten, mit leckeren Kuchen und Torten zum Beispiel. Die machte seine Frau selber. Fünf Jahre Anlaufzeit brauche ein Restaurant oder Café, sagt Oliver Liebl damals. So lange hat er nun nicht durchgehalten.

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