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Kai kämpft gegen Karies

Nuckeln und Naschen sind die Erzfeinde für Kinderzähne. Im Kreis haben zwölf Prozent der unter Dreijährigen Probleme.

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© SZ Thomas Eichler

Von Nena Bartsch

Strahlend weiße Zähne hat der Zahnputz-Kai. Natürlich! Der knuffige Typ mit dem hellbraunen, strubbeligen Haar, der Zahnbürste und dem Zauberstab hat ja auch eine wichtige Aufgabe. Die putzige Handpuppe ist der Gehilfe von Zahnärztin Gabriele Landsiedel in Ostritz. Mit seiner Hilfe gelingt es der Ärztin, kleine Patienten dazu zu bringen, einmal so richtig „Ahhh“ zu machen.

Jetzt, da es bald Weihnachtsschokomänner und Plätzchen gibt, wird das Thema Zahngesundheit bei Kindern aktueller denn je. Denn gerade die Kleinsten müssen besonders auf ihre Zähne achten – auch im Fläschchenalter. Nuckelflaschenkaries, auch Nursing-Bottle-Syndrom genannt, ist das Stichwort, wenn es um Karies bei Kindern geht. Im Landkreis sind zwölf Prozent der Dreijährigen von Karies betroffen. Eine Studie der Bundeszahnärztekammer ergibt, dass 82 Prozent der Kinder regelmäßig zum Zahnarzt gehen und acht von zehn Kindern kariesfrei sind.

Immerhin: „Mit der zeitigen Ansprache der Eltern von Kleinkindern ist es den Zahnärzten und der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (LAGZ) in Sachsen gelungen, die sogenannte Nuckelflaschenkaries bei den Ein- bis Dreijährigen einzudämmen“, teilt die Ersatzkasse Barmer GEK dazu mit.

Doch was löst die Nuckelflaschenkaries eigentlich erst aus? Gabriele Landsiedel ist sich sicher, dass ein zu langes und häufiges Saugen an Fläschchen, die noch zusätzlich mit süßen Säften gefüllt sind, rasch zur Kariesverbreitung bis hin zum Verfaulen des Milchgebisses führen kann. Eine ungesunde Ernährung gibt dem Ganzen noch den Rest. Ständiges Konsumieren von süßen Getränken und Lebensmitteln, wie Süßigkeiten oder gesüßter Tee, sowie mangelnder Mundhygiene führen dann häufig zu kaputten Zähnchen. Beobachtungen der Zahnärztin zufolge tritt das Problem verstärkt in sozial schwächeren Familien auf. Aber auch Kinder von besser situierten Familien haben solche Probleme. In Extremfällen müssen vor dem zweiten Lebensjahr die Frontzähne gezogen werden. Dann bekommt das Kind eine Zahnprothese, das sei aber selten, meint Frau Landsiedel.

Nicht nur Karies, sondern auch Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers können durch das Saugen ausgelöst werden. Lässt man zum Beispiel den Schnuller die ganze Nacht im Mund des Kindes, so kann das Folgen haben. In der Nacht schluckt ein Kind circa 300-mal. Pro Schluck sind das 300 Gramm Druck auf den Kiefer, das entspricht insgesamt 90 Kilo Druck pro Nacht.

Zwar fallen die Milchzähne aus, doch pflegen muss man sie trotzdem: Die Zähnchen haben viele sehr wichtige Funktionen, die zur Entwicklung eines Kindes beitragen. Sie sind Platzhalter für die bleibenden Zähne, mit ihnen lernen die Kinder richtig Sprechen und Schlucken. Für das richtige Wachstum von Ober- und Unterkiefer sorgen sie zudem auch noch. „Sie sind wichtig für das ganze Gesicht“, erklärt Frau Landsiedel und fügt hinzu: „Der frühzeitige Milchzahnverlust kann neben ästhetischen Beeinträchtigungen auch zu Störungen bei der Sprache und beim Schlucken, sowie zu Fehlfunktionen führen.“

Eine dieser Fehlfunktionen kann ein gestörter Lippenschluss sein. Dabei können die betroffenen Kinder die Lippen nicht mehr richtig schließen – ein Problem, das weitere Behandlung erfordert. „Gesund beginnt im Mund mit der richtigen Zahnpflege und Ernährung zu Hause“, erklärt die Stomatologin die Devise.

Schon ab dem ersten Zahn sollte man mit dem Putzen anfangen, am besten mit fluoridhaltiger Zahncreme, denn die beugt Karies vor. Frau Landsiedel empfiehlt, sich schon während der Schwangerschaft zum Thema Zahngesundheit informieren und aufklären zu lassen. Der allererste Zahnarztbesuch empfiehlt sich mit dem ersten Lebensjahr, oder aber wenn die ersten Zähne durchbrechen.

Zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr finden drei Früherkennungsuntersuchungen in den Kindertagesstätten statt, zur Beurteilung der Entwicklung und zur zahnärztlichen Untersuchung. Ab dann sollte man aller halben Jahre dem Zahnarzt einen Besuch abstatten. Die halbjährlichen Kontrolltermine beim Arzt seien wichtig, damit außerdem Fragen zur Mundgesundheit direkt beantwortet werden können, sagt die Landeszahnärztekammer Sachsen dazu. Außerdem sollte man sich, gerade im Kindesalter, an den Zahnarzt gewöhnen und Vertrauen zu dem Arzt aufbauen.

Ehrlichkeit und Einfühlungsvermögen zählen zwischen Patient und Arzt, sagt Frau Landsiedel. Doch wenn es ganz verzwickt ist, kann ja der Kai immer noch helfen. Wozu hat er sonst einen Zauberstab.