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Kaiserin für einen Tag

Cordula Teichgräber arbeitet eigentlich in der Sparkasse. Aber ab und zu schlüpft sie in die Rolle einer Frau an der Seite eines besonderen Mannes.

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© Thomas Knorr

Von Elke Schmidt

Hochherrschaftlicher Besuch weilte am ersten Weihnachtsfeiertag wieder einmal in Oybin. Kaiserin Elisabeth besuchte mit ihrem Gemahl Kaiser Karl IV. den Ort. Nur der Schnee fehlte. Also kamen sie mit der Kutsche, begleitet von ihren Hofdamen, Rittern, Knechten und Mägden. Sie wurden wieder von einer begeisterten Menge empfangen. Die vielen Zuschauer begleiteten das herrschaftliche Paar anschließend hinauf zum Kloster.

Kaiserin Elisabeth heißt im richtigen Leben Cordula Teichgräber. Sie berät Kunden in der Sparkasse in Zittau. Ihr Hobby hat mit ihrer Arbeit nur wenig zu tun. Ein Kollege erzählte ihr eines Tages, dass auf dem Oybin eine Kaiserin gesucht würde. Cordula Teichgräber kannte natürlich die Kaiserweihnacht. Das Mittelalter hat die 50-Jährige schon immer fasziniert. Sie und ihr Mann sind oft auf Märkten mit diesem Thema unterwegs. Sie konnte sich sofort vorstellen, diese Aufgabe zu übernehmen. Also stellte sie sich beim Kaiser vor. Die beiden waren sofort auf einer Wellenlänge – und sie bekam den Job.

Karl IV. heißt eigentlich Arnim Schüller und ist seit 1994 Kaiser. Geboren sei die Idee damals aus einer Laune heraus, erzählt er. Der Besuch von Kaiser Karl war eine Geburtstagsüberraschung für den damaligen Burghauptmann Bernd Hauser. Das bekamen aber auch einige Touristen mit und die meinten, das würden sie gern wieder sehen. So entstand diese Tradition.

Cordula Teichgräber ist seit fünf Jahren dabei. Eine extra Ausbildung brauchte sie dafür nicht. Selbst Texte muss sie sich nicht merken, denn es ist der Kaiser, der zu seinen „Untertanen“ spricht. Ihre Aufgabe bestehe hauptsächlich darin, freundlich zu sein und vor allem huldvoll zu lächeln, sagt sie. Trotzdem habe sie auch nach fünf Jahren immer noch etwas Lampenfieber, wenn es losgeht. Das lege sich aber schnell, wenn sie sieht, wie fröhlich und begeistert die Leute auf den Auftritt reagieren.

Neben der Kaiserweihnacht ist sie bis zu zehnmal als Elisabeth unterwegs, beispielsweise beim Zittauer Spectaculum, beim Lückendorfer Bierfest und beim Gablerstraßenfest. Nicht immer sitzt sie in einer Kutsche, manchmal reitet sie auch. Dafür hat Cordula Teichgräber extra Reitstunden genommen. „Das hilft aber nur begrenzt“, sagt sie. Immerhin kann sie jetzt elegant auf dem Pferd sitzen. Sie hat auch schon mal einen Damensattel ausprobiert. Wie man darin elegant und halbwegs bequem sitzen soll, ist ihr allerdings ein Rätsel, wie sie erzählt. Sie kam damit nicht zurecht. Auch aufzusitzen sei trotz Übung nicht einfach: Ihr langes, wallendes Kleid ist im Wege. So muss sie wenig herrschaftlich mit Hilfe einer Fußbank aufsteigen.

Auf ihre Kleider ist sie trotzdem stolz. Sie hat je eins für Winter und Sommer. Das Winterkleid wäre im Sommer kaum auszuhalten gewesen. Selbst wenn man darin gar nichts tut, schwitzt man. „Ich bewundere meine Vorgängerin“, sagt sie. Die anderen Vereinsmitglieder hatten schließlich ein Einsehen und schafften für sie ein spezielles Sommerkleid an. Passend dazu hat sie auch maßgefertigte Stiefeletten mit Stulpen bekommen. Im Handel waren die nicht zu erhalten.

Dieser Verein nennt sich „Kaiserzug Karl IV.“ und ist integriert im Heimatbund Lückendorf. Die circa 60 Mitglieder haben sich dem Mittelalter verschrieben. Jeder hat seine eigene Rolle und bereitet sich darauf vor. Jeder ist zudem für seine Garderobe selbst verantwortlich. Mit viel Liebe zum Detail vervollständigen die Mitglieder sie immer wieder, um Jahr für Jahr noch perfekter zu werden.

Für die von der Gemeinde Oybin organisierte Kaiserweihnacht ziehen sich Cordula Teichgräber und ihre Mitstreiter bereits zu Hause um. Sie ist sehr dankbar, dass ihre Familie sie unterstützt. Gerade der Auftritt zu Weihnachten klappt nur so gut, weil die Familie mitzieht, sagt sie. Ihr Mann ist ebenfalls bei den Umzügen dabei und mimt einen der Ritter aus dem Gefolge, ihre Tochter wiederum ist ein Burgfräulein. Die hat jetzt auch ihren Freund angesteckt, er hat in diesem Jahr erstmals mitgemacht.

Auch ihr Arbeitgeber unterstützt Cordula Teichgräber. „Meine ganze Jahresplanung orientiert sich an den Auftritten“, erzählt sie. Die muss sie langfristig planen und es komme eben darauf an, dass sie auch wirklich frei bekommt. Das klappe immer gut, sagt sie. Die Hilfe geht aber noch weiter. Die Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien unterstützt den Verein wie viele andere in der Region und hat in diesem Rahmen das neue Sommerkleid gesponsert. Auch dafür ist Cordula Teichgräber dankbar. Das braucht sie aber erst im nächsten Jahr wieder. Dann feiert die Kaiserweihnacht 20-jähriges Jubiläum. Davor gibt es aber im Sommer noch einige Anlässe, das Sommerkleid zu tragen.