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„Kamelien sind keine Mimosen“

Eine Kamelie übers Jahr zu bringen ist alles andere als einfach. Doris Füssel betreut mehrere im Königsbrücker Kamelienhaus und hat da andere Erfahrungen.

© René Plaul

Von Nicole Preuß

Rosenrot ist nicht mehr die Jüngste. 190 Jahre hat die Kameliendame vermutlich auf dem Buckel. Doch sie und ihre beiden gleichaltrigen Schwestern blühen immer als Erste im Königsbrücker Kamelienhaus. Doris Füssel sammelt ein paar der verwelkten Blütenblätter ab. Die 62-Jährige kümmert sich seit fünf Jahren um die Pflanzen – und das in ihrer Freizeit.

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Angefangen hat alles mit einer Maßnahme der Arbeitsagentur. Doris Füssel arbeitete damals im Kamelienhaus. „So bin ich hängen geblieben“, sagt sie. Die Königsbrückerin und Jirka Hofmann übernehmen einen großen Teil der Pflegearbeiten. Jetzt, in der Saison, wenn die Kamelien blühen und das Haus für Besucher geöffnet wird, kommen noch mehr Ehrenamtliche dazu. Dann ist die Kameliengruppe des Heimatvereins komplett und sorgt dafür, dass jeden Sonntag jemand für die Besucher da ist. Die Gäste staunen dann immer über die Blütenpracht. Denn Kamelien gelten im Allgemeinen als anspruchsvoll.

Doris Füssel hat da andere Erfahrungen gemacht. „Die Kamelie ist keine Mimose“, sagt sie. Sie mag es in ihrer Blütezeit nur gern etwas kühler – acht bis zehn Grad. „Kamelien sind keine Wohnzimmerpflanzen“, sagt Doris Füssel. Im Winter stehen die Pflanzen am liebsten im kühlen Schlafzimmer oder Flur. Im Kamelienhaus in Königsbrück herrschen immer ideale Bedingungen. Doch das bedeutet auch Arbeit.

Doris Füssel sorgt zum Beispiel immer für die nötige Luftfeuchtigkeit in dem Haus. Sie gießt die Pflanzen und die Wege, bis das Kondenswasser von dem Gewächshausdach tropft. Schneeweißchen und Rosenrot sind nicht ihre einzigen Schützlinge. Mehrere Kamelien im mittleren Alter wachsen in dem Haus am Schloss. Dazu kommen noch kleine Kamelien, die ebenfalls gehegt und gepflegt werden wollen. Wasser ist das Wichtigste. Im Winter müssen sie nur einmal in der Woche gegossen werden, aber in heißen Sommern sind Doris Füssel und ihre Helfer manchmal jeden Tag im Gewächshaus. Unkraut muss gejätet und der PH-Wert des Bodens untersucht werden. Das klingt nach einer Menge Arbeit. Doch Doris Füssel fasziniert die Blütenvielfalt. Das geht auch vielen Besuchern so. Manche nehmen sich die Kamelien sogar mit nach Hause. Seit zwei Jahren kann man Ableger der alten Kamelien kaufen. Der Heimatverein macht vieles möglich. Und andere bringen sich auch ein. Da ist zum Beispiel die Arthur-Kießling-Oberschule in Königsbrück. Die Einrichtung stellt seit wenigen Jahren die Kameliendamen. Der Schulförderverein ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Er bietet Sonntagnachmittag Kaffee und Kuchen in der Touristeninfo an. Die Erlöse sollen der Schule zugute kommen. Die Modellbahnausstellung wird auch geöffnet sein.

Ab und zu stoßen neue Gesichter zur Kameliengruppe. So wie die ehemalige Kämmerin der Stadt Gudrun Kreische. „Je länger man dabei ist, desto mehr interessiert man sich dafür“, sagt sie. Doris Füssel hält sich inzwischen selbst Kamelien in ihrer Wohnung. Und auch bei den jungen Pflanzen beweist sie einen grünen Daumen. Die Königsbrückerin zeigt Fotos der Blüten auf ihrem Handy. Kamelien überall.

Das Kamelienhaus am Schloss eröffnet am Sonntag, 14 Uhr, die Saison. Bis Ostern sind die Blüten dann immer sonntags, 10 bis 17 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei.