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Kamenz für Bestattungswald bei Brauna

Der Kamenzer Stadtrat hat den Schönteichenern die Hoheit in der Sache zugesichert. Und bietet sogar die Zusammenarbeit an.

© dpa

Von Frank Oehl

Kamenz. Vor ein paar Jahren haben mehr als 900 Bürger ihren Willen nach einem Bestattungswald in oder um Kamenz mit ihrer Unterschrift zum Ausdruck gebracht. Jetzt rückt diese naturnahe Bestattungsform tatsächlich in greifbare Nähe. Der Stadtrat hat am Mittwochabend nach längerer, teils kontroverser Debatte ein derartiges Projekt bei Brauna nicht nur mehrheitlich begrüßt, sondern der Nachbargemeinde Schönteichen ausdrücklich auch eine „enge und konstruktive Zusammenarbeit“ in der Sache angeboten. Das war keine Selbstverständlichkeit.

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Aus mehreren Gründen. Zum einen wird alles, was vor einer möglichen Gemeindefusion zwischen beiden Körperschaften passiert, natürlich mit einem gewissen Vorbehalt betrachtet. Spätestens seit letzten Herbst, als eine deutliche Mehrheit der Schönteichener gegen die Selbstständigkeit und für die Fusion mit Kamenz votiert hatten. Die legitime Frage lautet: Sind Beschlüsse zu Investitionen oder Vorhaben einer Eheanbahnung förderlich oder eher nicht? Als sich am 18. Dezember 2017 eine Mehrheit des Schönteichener Gemeinderates für die Errichtung eines Bestattungswaldes in der Nähe des Vogelberges aussprach, tat sie es gewiss in der Überzeugung, auch vielen Kamenzern etwas Gutes zu tun. In einem längeren Klärungsprozess war die Lessingstadt nämlich beinahe am Ziel der eigenen Wünsche gewesen. Eine im Detail ausgearbeitete Zweckvereinbarung mit der Gemeinde Haselbachtal, auf deren Fläche ein stadteigenes Waldgebiet für einen Bestattungswald vorgesehen war, scheiterte erst im letzten Moment an der Ablehnung des dortigen Gemeinderates. Die Schönteichener würden also mit ihrer Initiative offene Türen einrennen – hofften diese zu Recht.

Auf der anderen Seite hat eine naturnahe Bestattungsform natürlich nicht nur Befürworter. Vor allem aus christlichen Kreises gab es auch bereits in Kamenz deutlichen Widerspruch. Dieser wurde auch jetzt wieder bekräftigt, nicht nur von Stadtrat Jörg Bäuerle (Freie Wähler), der den Vorstoß der Schönteichener gar als „Nötigung“ bezeichnete. „Wir haben keinen Bestattungsnotstand. Auch alternative Formen finden bei uns genügend Raum.“ Darauf bezog sich auch die evangelisch-lutherische Kirche in einer Stellungnahme zu den aktuellen Plänen: „Der Waldfriedhof in Cunnersdorf ist als ein Ort der Erinnerung, der Ruhe und der Natur gut erreichbar. Kostengünstige Baumbestattungen sind möglich.“ Letztes wurde von Stadträtin Helga Schönherr (FDP) noch einmal prinzipiell hinterfragt: „Die Sturmlagen nehmen immer mehr zu. Was passiert, wenn ein Bestattungswald schwer getroffen wird?“ Interimsbaudezernent Frank Kunze hatte sich zu diesem Problem bereits an die Friedwald GmbH gewandt, mit der Schönteichen in der Planung ist. „Man hat uns versichert, dass es bisher nur wenige Ereignisse gegeben habe. Wenn ein Bruchschaden eingetreten ist, könne sehr schnell die Ordnung wieder hergestellt werden.“

In den vergangenen Wochen war auch das Betreibermodell in Schönteichen mehrfach im Gespräch gewesen. Bürgermeister Maik Weise, der selbst für die CDU im Kamenzer Stadtrat sitzt und sich in der Sache weitgehend raushält, hat mit der Veröffentlichung des ganzen Planungsprozesses im Internet aber klargestellt, dass dieses Modell selbst kein Verhinderungsgrund der Gemeindefusion sein könne. „Das vom Gemeinderat verfolgte Konzept unterscheidet sich unwesentlich von dem, das die Stadt verfolgt hatte.“ Nur dass die Stadt doppelt verdient hätte, weil sie ja Eigentümer der Waldfläche bei Reichenau gewesen wäre. In Schönteichen fiele die Einnahmepauschale von drei Prozent halt nur einmal an – beim Ertrag des Friedhofsbetreibers, nicht aber bei der Pacht. „Deshalb wäre das Vorhaben der Eingemeindung doch nicht schädlich. Es verursacht weder der Gemeinde, noch später der Stadt Kosten. Es bringt vielmehr Erträge.“

Vor allem die Linksfraktion im Stadtrat hatte sich zuletzt für das Projekt in Schönteichen starkgemacht. Die Einflussnahme des Rathauses auf eine Verzögerung des Vorhabens wurde als Einmischung in die Angelegenheiten einer selbstständigen Gemeinde zurückgewiesen. Eine Stadtratsmehrheit stimmte dieser Auffassung im Prinzip zu. Nun soll das Friedwald-Projekt sogar ausdrücklich unterstützt werden.