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Gewerkschaft will Zusagen für Accumotive

Die IG Metall kritisiert eine hohe Anzahl an Leiharbeitern bei der Kamenzer Mercedes-Tochter - und fordert eine Zukunftsvereinbarung, um Jobs zu sichern.

Vor zwei Jahren wurde ein neuer Tarifvertrag bei Accumotive in Kamenz vereinbart. Die IG Metall will sich nun für eine Zukunftsvereinbarung für die Beschäftigten einsetzen.
Vor zwei Jahren wurde ein neuer Tarifvertrag bei Accumotive in Kamenz vereinbart. Die IG Metall will sich nun für eine Zukunftsvereinbarung für die Beschäftigten einsetzen. © René Plaul

Kamenz. Bei der Mercedes-Benz-Tochter Accumotive in Kamenz liefen bisher über eine Million Antriebsbatterien für Kraftfahrzeuge vom Band. Das Unternehmen hatte diese Erfolgsmeldung kürzlich verkündet. Das kam auch bei der Gewerkschaft IG Metall an. Solche Leistungen der Belegschaft seien nicht verwunderlich, so der Ostsachsenchef der Gewerkschaft, Jan Otto. Denn in Kamenz liege schließlich das geballte Knowhow des Konzerns, wenn es um die Batteriefertigung geht, lobt er.

Doch dann setzt der Gewerkschafter zur Kritik an: Die Produktion werde in Richtung Serienfertigung umgebaut. Das sei grundsätzlich ja nichts Schlechtes. Es fehle aber eine sichere Perspektive, sagt Jan Otto. Serienfertigung könne auch Jobverluste bedeuten. Hinzu kämen Meldungen über Stellenabbaupläne im Konzern. Das führe zu Verunsicherung.

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IG Metall fordert Bekenntnis zum Standort Kamenz

Die Gewerkschaft möchte deshalb eine Zukunftsvereinbarung abschließen, die Arbeitsplätze und einen Kündigungsschutz festschreibt. Und sie nennt noch weitere Gründe für eine solche Vereinbarung: Kamenz habe aus Gewerkschaftssicht trotz seiner Bedeutung nicht einen solchen Stellenwert wie die Werke im Neckartal, so Otto. Deshalb dränge er auf eine solche Vereinbarung, wie sie andere Mercedes-Werke eben hätten. Dazu gehörten auch Produkt-Zusagen und ein Bekenntnis zum Standort.

Dort wünscht sich die Gewerkschaft gerade wegen des Kamenzer Batterie-Knowhows auch „mit Blick auf Forschung und Entwicklung sowie das Batterie-Recycling mehr Engagement. Da müssen wir, zusammen mit dem Betriebsrat, noch ran“, erklärt Jan Otto.

Zu Accumotive in Kamenz gehören zwei Batteriefabriken. Die Produktions- und Logistikfläche umfasst insgesamt 80.000 Quadratmeter.
Zu Accumotive in Kamenz gehören zwei Batteriefabriken. Die Produktions- und Logistikfläche umfasst insgesamt 80.000 Quadratmeter. © Aircontrol

Mit Blick auf die Personalpolitik des Unternehmens kritisiert die Gewerkschaft die hohe Anzahl von Leiharbeitern. Jan Otto spricht von insgesamt knapp 3.500 Mitarbeitern. Davon seien über die Hälfte Leiharbeiter: „Das muss besser werden.“

Das Unternehmen brauche eine „Stamm-Mannschaft, die sich zum echten Profi mit Erfahrungswerten entwickelt“, sagt Jan Otto im Gespräch mit Sächsische.de. Mit der hohen Anzahl an Leiharbeitern könne das nicht funktionieren.

Konzern sieht Kamenz als Kompetenzzentrum

Mercedes-Benz reagiert mit eher allgemeinen Aussagen auf die Gewerkschaftskritik. Der Konzern betont den Stellenwert der Kamenzer Tochter. Accumotive produziert seit 2012 Antriebsbatterien für elektrische und elektrifizierte Fahrzeuge von Mercedes-Benz und Smart sowie leichte Nutzfahrzeuge. Neben Antriebsbatterien für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge laufen auch Batterien für 48-Volt-Systeme vom Band.

Die zweite Batteriefabrik am Standort hat 2018 den Betrieb aufgenommen. Dort produzieren die Mitarbeiter seit 2019 die Batteriesysteme des Modells EQC. Es war das erste vollelektrische Fahrzeug von Mercedes-Benz. Seit Ende des Vorjahres kommen auch die Batteriesysteme für den ersten vollelektrischen Kompakt-SUV (Geländelimousine), den EQA, aus Kamenz.

Die Batterie-Produktion sei ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Elektro-Offensive der Mercedes-Benz AG, so Sprecherin Madeleine Herdlitschka. Es sei „der entscheidende Baustein, um die weltweite Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen flexibel und effizient bedienen zu können“. Der Konzern setze dabei auf den Aufbau eines globalen Batterie-Produktionsverbunds mit Standorten auf drei Kontinenten. Kamenz sei dafür das Kompetenzzentrum, teilt Madeleine Herdlitschka mit. Und spiele damit eine besondere Rolle.

Mercedes verteidigt Einsatz von Leiharbeitern

Genau diese Bedeutung sieht auch der Gewerkschafter - und macht deshalb seinen Forderungskatalog auf, um dem Anspruch auch gegenüber den Mitarbeitern gerecht zu werden. Das Unternehmen wachse derzeit vor allem mit Leiharbeitern, stellt Jan Otto fest. Er zweifle daran, dass so die nötige Kompetenz aufgebaut werden könne.

Mercedes spricht von aktuell rund 1.500 Mitarbeitern (Stand Ende 2020), rund 200 mehr als noch ein Jahr zuvor, und erklärt: „Aufgrund mehrerer parallel stattfindender Produkthochläufe setzen wir zusätzlich auch auf die Unterstützung von Zeitarbeitskräften.“

Sprecherin Madeleine Herdlitschka argumentiert: „Mit Hilfe der Zeitarbeiter ist es möglich, durch die flexible Reaktion auf Marktschwankungen zum Beispiel die Stammbelegschaft im Unternehmen zu halten.“ Die von der Gewerkschaft genannte Mitarbeiterzahl bestätigt der Konzern nicht.

Jan Otto: Accumotive soll mehr ausbilden

Für Jan Otto bleibt es dabei: Er sieht ein absolutes Missverhältnis zwischen festangestellten Mitarbeitern und Leiharbeitern. Er wünsche sich, dass weitere feste Jobs für die Region entstehen, statt Leiharbeiter zu beschäftigen. Ebenso sei die Zahl der Lehrstellen für so ein großes Unternehmen zu gering. Es sind wohl 30 bis 40 Azubis. Vergleichbare Unternehmen hätten 120.

Die Mercedes-Zentrale versichert ihrerseits, dass eine kontinuierliche Entwicklung des Standorts Kamenz „ein wichtiger Bestandteil unserer langfristigen strategischen Planung“ bleibt. Der Konzern wolle die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und die Sicherung der damit verbundenen Arbeitsplätze gewährleisten.

Näher geht das Unternehmen nicht auf die Aussagen der Gewerkschaft ein und teilt weiter mit: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir über künftige Produktentscheidungen heute keine Aussage treffen.“

Die Gewerkschaft zeigt sich unterdessen kämpferisch - und kündigt eine Verhandlungsaufforderung an.

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