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Corona: Unnötige Kontakte durch bunte Werbeblätter?

Viele Geschäfte haben seit Wochen geschlossen, doch Supermärkte und Discounter dürfen mit ihren neusten Angeboten locken. Das sorgt für Kritik.

Muss in Corona-Zeiten mit Werbeprospekten extra zum Einkauf gelockt werden, wo doch Kontakte und Wege reduziert werden sollten?
Muss in Corona-Zeiten mit Werbeprospekten extra zum Einkauf gelockt werden, wo doch Kontakte und Wege reduziert werden sollten? © René Plaul

Kamenz/Bautzen. Jedes Wochenende sind im Landkreis Bautzen Leute mit Handwagen voller Prospekte unterwegs. Damit füttern sie die Briefkästen, um sich ein paar Euro zu verdienen. Sie verteilen die bunten Werbeblättchen der Supermärkte, Lebensmitteldiscounter und Drogerien. Das hat sich auch in Corona-Zeiten nicht geändert. Die Packen sind nur etwas kleiner als in normalen Zeiten. So fehlen zum Beispiel die Prospekte der Bau- und Möbelmärkte, die aktuell geschlossen sind.

Doch ist das Verteilen bunter Werbung in der Pandemie nicht kontraproduktiv? Diese Frage stellt Leser Silvio Ziesch aus Kamenz. Er verweist auf die vielen Einschränkungen, um der Infektionswelle beizukommen. Gerade Kontakte und Mobilität sollten doch zurückgefahren werden. Deshalb hätten ja auch viele Fachgeschäfte geschlossen.

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Wie passe es dazu, dass von den geöffneten Märkten, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten, Werbung verteilt oder auch online gestellt werden dürfe?, fragt der Leser. Er könne das nicht verstehen. „So wird doch ein zusätzlicher Kaufanreiz geschaffen, der über den notwendigen täglichen Bedarf hinausgehen dürfte.“ Bis hin zu Bekleidung oder Werkzeug. Damit würden doch „immer wieder viele Menschen extra wegen der Angebote in die Geschäfte gehen, teilweise mehrmals die Woche, um keine Angebote zu verpassen“.

Handel nicht noch mehr belasten

Es sei doch allgemein bekannt, dass auch während der Pandemie bestimmte Geschäfte öffnen dürfen. „Die Werbung irritiert jedoch, gerade im Hinblick auf viele andere durch Verordnungen geschlossene Geschäfte und nicht zuletzt wegen des Infektionsschutzes“, findet Silvio Ziesch.

Die Verordnungen erlässt der Freistaat. Kathleen Brühl ist Sprecherin im sächsischen Wirtschaftsministerium. Sie erklärt: „ Aktuell gilt das Schwerpunktprinzip. Das heißt, Geschäfte, die ein Mischsortiment anbieten, können insgesamt öffnen, wenn der Schwerpunkt des Angebots - mehr als 50 Prozent - auf dem erlaubten Sortiment liegt. Sie können dann auch die übrigen Sortimente verkaufen, um die betrieblichen Abläufe nicht zu belasten.“

Die Pressesprecherin räumt zugleich ein, dass die Gedanken von Leser Silvio Ziesch nachvollziehbar seien. Zusätzliche Beschränkungen, wie ein Verbot von Werbeprospekten, würden aus Sicht des Wirtschaftsministeriums allerdings den bereits stark belasteten Handel weiter beeinträchtigen. Deshalb sei ein solcher Schritt in der aktuellen Situation nicht vorgesehen, so Kathleen Brühl.

Freistaat geht anderen Weg

Ein freiwilliger Verzicht ist wohl eher unwahrscheinlich. Kaufland zum Beispiel verweist auf die umfangreichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, um einen sicheren Einkauf zu ermöglichen. Die Handelskette empfiehlt Kunden, die Öffnungszeiten auszuschöpfen und am Wochenanfang sowie möglichst allein einzukaufen, um Andrang zu vermeiden.

Um die Mobilität der Bevölkerung herunterzufahren und die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, beschreitet Sachsens Staatsregierung gegenwärtig andere Wege. So hat sich der Freistaat gegen das Prinzip ausgesprochen, Waren bei geschlossenen Läden online oder telefonisch zu bestellen und vor Ort abzuholen: „Denn bei der Fahrt zum Händler oder beim Abholen der Ware vor Ort käme es, etwa in Bus und Bahn oder auf den Parkplätzen, immer wieder zu unnötigen Kontakten“, so Kathleen Brühl.

Das solle aber unbedingt vermieden werden, da Sachsen seit Wochen mit die höchsten Infektionszahlen aufweist. Generell sei das Bestellen und Abholen von Waren aber eine gute Möglichkeit für Kunden und Händler. Dazu müssten die Infektionszahlen allerdings erst sinken.

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