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Brandstifter aus Kamenzer Asylheim verurteilt

Ein 26-Jähriger soll im Vorjahr sein Zimmer angezündet haben. Der Richter sah das jetzt als erwiesen an - obwohl der Angeklagte wilde Geschichten erzählte.

Der Angeklagten Alaa A. musste sich am Dienstag in Bautzen wegen Brandstiftung im Kamenzer Asylheim verantworten. Er bestritt die Vorwürfe.
Der Angeklagten Alaa A. musste sich am Dienstag in Bautzen wegen Brandstiftung im Kamenzer Asylheim verantworten. Er bestritt die Vorwürfe. © LausitzNews/Jens Kaczmarek

Bautzen/Kamenz. In Handschellen wurde Alaa A. von zwei Justizbeamten am Dienstag in den Saal 128 des Amtsgerichtes Bautzen geführt. In Handschellen verließ er den Saal auch wieder. Dazwischen lagen intensive vier Stunden Prozess vor dem Schöffengericht. Der Iraker hatte sich dort wegen des Vorwurfs der schweren Brandstiftung am 28. Juli des Vorjahres im Kamenzer Asylbewerberheim auf der Macherstraße zu verantworten.

Eindrucksvolle Szenen einer Überwachungskamera waren dabei ein wichtiges Beweismittel. Die Bilder zeigten einen Flur im Asylbewerberheim. Dort waberte dicker Qualm, bis fast nichts mehr zu erkennen war. Menschen rannten und brachten sich in Sicherheit.

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Zuvor ist A. zu sehen, der seine Zimmertür abschließt und mit einer wegwerfenden Handbewegung den Gang entlang schlendert. Der Iraker verfolgte die Aufnahmen im Saal und bestätigt vor Richter Dr. Dirk Hertle: „Das bin ich.“ Kurz darauf quoll im Video Rauch unter der Tür hervor. Ein Bewohner sprang dagegen, um sie gewaltsam zu öffnen.

So sah das Zimmer nach dem Brand aus.
So sah das Zimmer nach dem Brand aus. © Screenshot: Lausitznews/Jens Kaczmarek

Alaa A. habe absichtlich mit einem Feuerzeug eine Couch in Brand gesetzt. Die Flammen hätten auf den Fußboden und die Wände übergegriffen, so Staatsanwalt Christopher Gerhardi. Die über 300 Bewohner des Heimes mussten evakuiert werden. Das Zimmer sei ausgebrannt und ein Schaden von 20.700 Euro entstanden. Gegenüber der stellvertretenden Heimleitern habe A. zudem angedroht, dass an dem Tag etwas Schlimmes passieren werde. „Ich mache Scheiße hier“, habe er gesagt, gab der Angeklagte vor Gericht zu.

Der Hintergrund für die Drohung: Der junge Mann wollte das Heim wechseln oder ein anderes Quartier. Er habe aufgrund der anderen Bewohnern im Zimmer darunter gelitten, nicht schlafen zu können. Er sei bestohlen und mit einem Messer verletzt worden.

Täter: Feuer kam aus dem Fernseher

A. bestritt aber, deswegen Feuer gelegt zu haben. Das sei aus dem Fernseher gekommen, ließ er wissen. Sprach aber auch davon, mögliche Täter seien durch Heizungsrohre gekommen oder durch ein angebliches Loch in der Decke. Warum er die Tür dann hinter sich verschlossen habe und einfach so gegangen sei, konnte er nicht wirklich erklären. Er habe unter Drogen gestanden, räumte er ein und „komische Sachen im Zimmer gesehen“.

Einen technischen Defekt schloss der Brandursachenermittler aus. Im Gutachten eines Sachverständigen spielten psychotische, seelische Störungen beim Angeklagten eine große Rolle – auch Halluzinationen und Drogenkonsum. So war von eingeschränkter Schuldfähigkeit die Rede. Ebenso aber von Vorstrafen und einer kriminellen Grundeinstellung. Der Angeklagte habe versucht, die Tat zu verschleiern und sei durchaus in der Lage gewesen, sein Handeln zu steuern.

Im Asylheim in Kamenz leben über 300 Menschen. Einige davon hat ein Brandstifter im Juli vergangenen Jahres in Gefahr gebracht.
Im Asylheim in Kamenz leben über 300 Menschen. Einige davon hat ein Brandstifter im Juli vergangenen Jahres in Gefahr gebracht. © Lausitznews/Toni Lehder

Der Iraker selbst berichtete von traumatischen Erlebnissen bis er 2015 sein Land verließ. Freunde seien in seiner Gegenwart regelrecht abgeschlachtet worden. Er wolle gern ein normales Leben führen und eine Ausbildung machen.

Doch zuvor bekommt er Zeit zum Nachdenken. Für den Staatsanwalt war die Tat erwiesen. A. sei im Zimmer gewesen, als der Brand ausbrach. Ohne zu warnen oder selbst zu löschen sei er davon gelaufen. Er sehe eine verminderte Schuldfähigkeit, aber auch Verantwortung für die Tat und forderte drei Jahre Haft.

Ganz anders Rechtsanwalt Arndt Holzhauser. Er plädierte als Verteidiger darauf, seinen Mandanten in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Dann hätte der Fall an das Landgericht übergeben werden müssen. Dem folgte das Gericht nicht, sondern dem Staatsanwalt und verhängte die geforderten drei Jahre Haft. Dr. Hertle betonte vor allem, dass der Angeklagte mit dem Feuer das Leben vieler Menschen gefährdet habe - letztlich aus Frust über den verwehrten Umzug. Trotz Drogen und der festgestellten Psychose habe A. planmäßig gehandelt.

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