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Brandstifter aus Kamenzer Asylheim bleibt in Haft

Weil er sein Zimmer angezündet hatte, musste ein Iraker ins Gefängnis. Das Urteil wollte er nicht akzeptieren - und stand deshalb jetzt erneut in Bautzen vor Gericht.

Alaa A. stand wegen Brandstiftung vor dem Berufungsgericht in Bautzen. Er wollte eine mildere Strafe erreichen. Verteidiger Arndt Holzhauser (r.) hatte eigentlich eine andere Strategie.
Alaa A. stand wegen Brandstiftung vor dem Berufungsgericht in Bautzen. Er wollte eine mildere Strafe erreichen. Verteidiger Arndt Holzhauser (r.) hatte eigentlich eine andere Strategie. © SZ/Reiner Hanke

Bautzen/Kamenz. Dicke Qualmwolken waberten im Juli vor einem Jahr aus einem Fenster und über einen Flur des Kamenzer Asylbewerberheims. Auf einem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie Menschen rennen, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Feuerwehr rückte zum Großeinsatz aus.

Das Feuer soll der Iraker Alaa A. gelegt haben. So stand er wegen schwerer Brandstiftung bereits im März vor dem Bautzener Amtsgericht. Das sah die Tat als erwiesen an und verurteilte den 26-Jährigen zu drei Jahren Haft.

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Dagegen legte A. Berufung ein. Erneut führten Justizbeamte am Dienstag nun den jungen Mann in Handschellen vor. A. sitzt seine Strafe derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Görlitz ab. Lächelnd betrat er den Saal des Landgerichts, das sich nun noch einmal mit der Straftat befasste.

Vor inzwischen fast einem Jahr habe er absichtlich mit einem Feuerzeug die Couch in seinem Zimmer angezündet. Das sei ausgebrannt, rekapitulierte Richter Thomas Recknagel das Geschehen. Das Asylbewerberheim habe evakuiert werden müssen, las er aus der Anklageschrift vor.

Iraker wollte Umzug in ein anderes Zimmer erzwingen

Es war damals eine Tat mit Ansage, ergab der Prozess im März. Denn A. hatte bereits gegenüber der Heimleitung angedroht, dass etwas Schlimmes passieren werde. Der Iraker wollte den Umzug in ein anderes Zimmer erzwingen. Die Begründung: Er leide unter den Bewohnern in der Etage darüber.

A. bestritt damals aber, das Feuer gelegt zu haben. Es seien andere gewesen. Menschen seien durch ein Loch in der Decke eingestiegen und hätten sich vom Dach abgeseilt. Videoaufnahmen und Zeugenaussagen widerlegten die Darstellung. Er habe unter Drogen gestanden, räumte der Angeklagte schließlich ein. Bei der Urteilsfindung spielten auch traumatische Kriegserfahrungen im Irak eine Rolle. Letztlich wurde eine verminderte Schulfähigkeit festgestellt, aber auch Verantwortung für die Tat.

Verteidiger Arndt Holzhauser plädierte schon im März darauf, A. in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Das sollte nun die Berufungsverhandlung ermöglichen. Es sei wichtig, dass mit der psychischen Erkrankung das Grundproblem behandelt werde, was in der JVA nicht passieren werde. Damit sei dem jungen Mann nicht geholfen.

Richter Thomas Recknagel wies aber auch auf die Kehrseite einer solchen Entscheidung hin. So könnte der Aufenthalt in der Psychiatrie auch länger als drei Jahre dauern. Letztlich würden Gutachter entscheiden, ob der Täter noch eine Gefahr darstelle oder nicht.

Verurteilter will nicht in die Psychiatrie

Der hatte aber inzwischen ohnehin seine Meinung geändert und wollte eigentlich nur noch eine mildere Strafe erreichen, drei Jahre seien zu hart. Für den Verteidiger stellte dies eine überraschende Wendung dar. Er räumte ein, den Angeklagten seit einiger Zeit nicht mehr gesprochen zu haben.

Eine Bewährungsstrafe komme auf keinen Fall in Frage, stellte der Richter klar. Es sei ein riesiges Gebäude mit Hunderten Menschen darin, in dem der Iraker den Brand gelegt und damit die Bewohner in Lebensgefahr gebracht habe. Dazu sei ein Schaden von fast 21.000 Euro entstanden. Das sah auch Staatsanwältin Ines Grajcarek so. Bei dieser Straftat gehe es nicht um eine Kleinigkeit.

Nach einer Pause entschied sich der Iraker dafür, die Berufung zurückzuziehen und damit die drei Jahre abzusitzen. Er wolle nicht in eine psychiatrische Klinik. Offenbar habe er ein Problem damit, seine Krankheit zu erkennen, schätzte der Verteidiger ein. Der Richter empfahl dem Angeklagten seinerseits, sich um eine Therapie zu kümmern.

Aber vielleicht kommt nach dieser Straftat auch die Abschiebung. Die scheiterte bereits einmal am Widerstand des irakischen Staats.

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