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Kamenz: Ist die Tunnelschänke noch zu retten?

Das Gebäude im Ortsteil Brauna steht schon lange leer und verfällt. Es fand sich kein Käufer. Nun kommt vielleicht Bewegung in die Sache.

Die ehemalige Tunnelschänke im Kamenzer Ortsteil Brauna ist nur noch eine Ruine. Seit 16 Jahren steht sie leer. Kommt nun Bewegung in die Sache?
Die ehemalige Tunnelschänke im Kamenzer Ortsteil Brauna ist nur noch eine Ruine. Seit 16 Jahren steht sie leer. Kommt nun Bewegung in die Sache? © privat/Peter Schäfer

Kamenz. Fällt sie bald in sich zusammen? Oder fällt sie nicht? Die ehemalige Tunnelschänke im Kamenzer Ortsteil Brauna hat ihre besten Tage längst gesehen. Täglich fahren unzählige Autos direkt an ihr vorbei. Der Anblick ist kläglich. Seit sechs Jahren wird das marode Dach mit einem riesigen Fangnetz gesichert, damit keine Ziegel auf die Straße fallen. Ansonsten ruht still der See...

Viele Einwohner, aber auch Menschen aus dem Umland denken noch gern an die Zeiten zurück, als die Tunnelschänke in Betrieb war. Sogar Tanzveranstaltungen soll es früher auf dem kleinen Saal gegeben haben. Auf Facebook schwelgen nicht wenige in Erinnerungen. "Zur Disco haben sich einige Kamenzer bis zu uns gewagt und unsere schönen Mädels erobert", schreibt zum Beispiel der Ex-Braunaer Uwe Mittrach mit einem Augenzwinkern.

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Für einen symbolischen Euro an die Gemeinde verkauft

Doch vorbei sind diese Zeiten, was sehr viele bedauern. Seit Ende 2005 wird hier nicht mehr gekocht und kein Gast mehr bewirtet. Kerstin Schäfer, die von 1991 bis 1993 bei den ersten Wirtsleuten nach der Wende im Büro gearbeitet hat, erinnert sich: "Drinnen war es wunderschön restauriert, auch die Einrichtung war toll. Mir blutet immer noch jedes Mal das Herz, wenn ich vorbeifahre", sagt die Kamenzerin.

Die Tunnelschänke steht schon seit Langem leer. Vor 16 Jahren verkaufte der letzte Besitzer das Haus an die damals noch eigenständige Gemeinde Schönteichen für einen symbolischen Euro. Maik Weise war damals dort Bürgermeister. „Ich habe der Gemeinde das Haus schenken lassen, weil ich damals zu optimistisch war“, sagt er gegenüber Sächsische.de.

Die Gemeinde hoffte, einen Interessenten zu finden, der das denkmalgeschützte Objekt saniert. Doch das gelang nicht. Projekte zerschlugen sich. Das lag zum einen am Denkmalstatus des Hauses, aber auch am Zustand. Dazu kam, dass zu dem Haus praktisch kein Grundstück gehört.

Solche schönen Details wie dieser Torbogen sind noch zu erkennen. Das Haus steht unter Denkmalschutz.
Solche schönen Details wie dieser Torbogen sind noch zu erkennen. Das Haus steht unter Denkmalschutz. © Privat: Peter Schäfer

Nun gehört die ehemalige Gemeinde Schönteichen zu Kamenz. "Die Tunnelschänke in Brauna befindet sich seit Längerem im öffentlichen Eigentum. Im Ergebnis des Gemeindezusammenschlusses ging 2019 die Verantwortung für dieses Gebäude auf uns über", erklärt Stadtsprecher Thomas Käppler. Die Immobilie werde regelmäßig durch die Kommunalen Dienste Kamenz (KDK) auf die Verkehrssicherheit überprüft. Käppler bestätigt, dass sich das Gebäude in einem schlechten baulichen Zustand befindet.

Stadt lässt untersuchen, was in Brauna möglich ist

Erst im Dezember fasste der Stadtrat den Beschluss, dass für den historischen Ortskern von Brauna ein städtebauliches Konzept entwickelt werden soll. Die Tunnelschänke befindet sich in diesem Untersuchungsbereich. "Wir erhoffen uns von diesem Konzept, dass darin Nutzungsideen und Nutzungsperspektiven für die historischen Gebäude im Ortskern aufgezeigt werden", erklärt Thomas Käppler.

Die Schwierigkeiten bei den Überlegungen bestünden sicherlich auch darin, dass das Grundstück, auf dem die Tunnelschänke steht, kaum Außengelände hat. Das sei jedoch für eine Nutzung zum Beispiel als Gaststätte erforderlich. "All diese Fragen sollen aber im Konzept beantwortet werden", so der Stadtsprecher.

Peter Schäfer aus Kamenz, der immer mal wieder Fotos von der Ruine gemacht hat, ist gespannt, was dabei herauskommt. Er ist sich sicher, dass eine Gaststätte hier gute Chancen hätte. "Direkt an der Hauptstraße gelegen, gegenüber gibt es einen Parkplatz. Und im Hinterhof wäre auch Platz für einen Außenbereich", sagt er. Den historischen Ortskern würde es auch aufwerten.

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