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Wann können wir wieder Party machen?

Thomas Träber aus Kamenz organisiert Stadtfeste und andere Veranstaltungen im Kreis Bautzen. Die Krise trifft ihn hart. Doch jetzt beginnt er zaghaft zu planen.

Auch die größte Ü-30-Party der Region im Schlosspark in Oberlichtenau gehörte zu den Events im Jahresverlauf, die Thomas Träber auf die Beine stellt - wenn nicht gerade Corona so etwas unmöglich macht.
Auch die größte Ü-30-Party der Region im Schlosspark in Oberlichtenau gehörte zu den Events im Jahresverlauf, die Thomas Träber auf die Beine stellt - wenn nicht gerade Corona so etwas unmöglich macht. © Archivfoto: Jonny Linke

Kamenz. Ruhe im Schiff. Seit Monaten. Thomas Träber aus Kamenz kennt die Probleme der Eventbranche. Er erfährt sie gerade am eigenen Leib. Keine Partys, keine Stadtfeste, keine Open Airs, keine Veranstaltungen. Sonst zieht er Tausende Gäste auf seine Events. Doch die Kasse bleibt aktuell leer. Sächsische.de sprach mit dem Eventmanager unter anderem über die Hutbergsaison und den Ticketverkauf nur für Geimpfte .

Thomas Träber aus Kamenz veranstaltet seit 2004 in der Lausitzer Region Stadtfeste, Partys, Open Airs und Firmenevents.
Thomas Träber aus Kamenz veranstaltet seit 2004 in der Lausitzer Region Stadtfeste, Partys, Open Airs und Firmenevents. © René Plaul

Herr Träber, wie ist die Lage in der Veranstaltungsbranche?

Ernüchternd, würde ich sagen. Ich bin niemand, der jammert. Aber zurzeit sehe ich persönlich leider noch kein Licht am Ende des Tunnels. Es ist eher ein kleines Fünkchen, das man jederzeit auspusten kann. Und das ist für alle Beteiligten ein erdrückendes Gefühl. Ich spreche jetzt für alle Zweige der Branche. Es ist sicher schlimm für die Künstler, nicht auftreten zu dürfen. Aber da hängt ja noch ein ganzer Tross hintendran, der aktuell zu Hause ist. Und keine Einnahmen hat. Agenturen, Technikfirmen, Caterer, Hallenvermieter, Gastronomen, Werbefachleute. Sie alle kämpfen. Nicht selten ums nackte Überleben. Hier wird es Verlierer geben.

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Gibt es Hoffnung auf eine schnelle Erholung?

Die Hoffnung in der Branche auf eine schnelle Erholung ist stark gedämpft. Man geht in der Szene davon aus, dass man bei erfolgreicher Impf-Kampagne vielleicht im Spätsommer oder Herbst eine Planungssicherheit erreichen könnte, um 2022 wieder Veranstaltungen ohne Auflagen durchführen zu dürfen.

Sicherlich wird es auch in diesem Jahr klappen, das ein oder andere zu stemmen, aber nicht unter normalen Bedingungen. Viele Kollegen sind skeptisch. Und bei der derzeitigen Impf-Lage muss man leider so denken. Geht es weiter so schleppend voran, rückt das Ziel eher weiter weg.

Was wird zum Beispiel mit dem Stadtfest Pulsnitz?

Seit Beginn der Corona-Krise musste ich eine lange Liste von geplanten Veranstaltungen absagen. Auch das Stadtfest Pulsnitz hatten wir vom Mai in den September 2020 verschoben, wo es dann erneut nicht laufen konnte. Auch für Mai 2021 haben wir bereits festgelegt, dass es unverantwortlich wäre, in die Planung zu gehen. Wir visieren nun ebenfalls eher den September 2021 an. In der Hoffnung, dass nicht wieder alles umsonst ist.

Was macht es so schwierig, in den Sommer zu planen?

Wie bereits gesagt, hängen viele Gewerke an einem Groß-Event. Ohne strategische Werbung funktioniert beispielsweise nichts. Für große Events im Sommer hätte ich schon längst in die Werbung gehen müssen. Doch aktuell kauft niemand Tickets für Veranstaltungen, die irgendwann in ein paar Monaten laufen könnten. Die Unsicherheit ist viel zu groß.

Und für die Werbung brauche ich vor allem eines: Sponsoren. Ich bin in der glücklichen Lage, über die Jahre sehr treue Partner gewonnen zu haben. Und doch wird es schwieriger. Denn wenn sie Flyer mitfinanzieren und dann fällt das Ganze erneut aus - das macht keiner lange mit. Sie wollen zurecht eine Leistung dafür. Auch das Reservieren von Locations ist in der jetzigen Lage heikel. Wer macht gern Verträge, wenn er nicht weiß, ob er sie einhalten kann? Was viele nicht wissen: Hallen und Säle müssen oft trotzdem bezahlt werden, auch wenn die Konzerte verschoben werden.

Müssten die Künstler nicht eigentlich Schlange stehen?

Zumindest nicht die großen Künstler, die sind meistens an Tourneen gebunden. Diese fanden im letzten Jahr nicht statt. Und so müssen sie in diesem Sommer nachgeholt werden. Ob das gelingt, weiß niemand. Und das ergibt eine Art Termin-Stau. Künstler bekommt man ansonsten generell natürlich. Sie konnten alle nicht auftreten und stehen auf Abruf parat, wollen auch endlich wieder auf die Bühnen.

Gibt es überhaupt konkrete Pläne für die nahe Zukunft?

Ja, man kann ja nicht ganz aufgeben. Man tut das auch für sich selbst. Und für ein gutes Gefühl. Ich plane, wie gesagt, das Stadtfest Pulsnitz im Frühherbst. Im Sommer kann obendrein, wenn es Lockerungen gibt und Feiern wieder möglich sein sollten, die ein oder andere kleinere 90er-Jahre-Party oder etwas ähnliches starten. Das ist dann auch kurzfristig in ein paar Wochen organisiert. Und ich plane eine große Silvester-Party in Pulsnitz.

Für 2022 gibt es außerdem spruchreife Pläne mit dem Verein "Kamenz can Dance". Es soll unter diesem Titel eine große Open-Air-Bühnenshow mit Programm und mehreren Künstlern geben. Anvisiert ist dafür der Frühsommer. Hier gibt es bereits Absprachen mit der Stadt. Das konkretisieren wir demnächst.

Welche Chance geben Sie der Hutbergbühne 2021?

Ich glaube persönlich nicht daran, dass viele der Konzerte 2021 stattfinden werden. Allein der Ticketverkauf läuft mit angezogener Handbremse. Selbst wenn es DJ Bobo möglich sein sollte, Anfang Juni aufzutreten unter bestimmten Hygieneauflagen, wird es am Ende an den Vorverkaufszahlen scheitern. Also verschieben sich Tourneen nochmals.

Auch wenn ich mich unbeliebt mache: Ich sehe wenig Chancen für diesen Sommer. Vor allem große Produktionen werden einfach nicht stattfinden. Es sind alles große Künstler, Top-Namen, die auftreten sollen. Und die benötigen viele Gäste, sonst rentiert sich das für die Veranstalter nicht. Es wäre uns allen so zu wünschen, doch es wird schwer. Die Hoffnung stirbt aber wie immer zuletzt ...

Was halten Sie vom Ticketverkauf nur für Geimpfte?

Es soll ja eigentlich keine Impfplicht geben. Aber ich denke, dass die Veranstalter dann solche Auflagen bekommen, zum Beispiel 1,50 Meter Abstand, dass es nicht möglich ist, Konzerte oder Veranstaltungen durchzuführen. So dass es über die Hintertür eine indirekte Impflicht geben wird. Das sieht man jetzt schon an Eventim, die da schon vorpreschen. Sie werden sich auch Gedanken darüber gemacht haben und ich glaube, vorher wird es auch keinen Normalverkehr auf Konzerten geben.

Wie sehr belastet die Krise Sie persönlich?

Schon seit 2004 organisiere ich Events in der Lausitz. 90er-Jahre-Partys, Schlosspartys, Aprés Ski, Silvester - meistens waren die Events gut besucht. Das hat man sich hart erarbeitet. Ich betreibe das Ganze nur im Nebenjob, doch es ist lange schon ein Teil von mir. Es fehlt mir, Menschen gut unterhalten zu können. Es fehlt mir, selbst auf Konzerte zu gehen. Es fehlt mir, all das zu tun, was vor Corona so normal für uns war.

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