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So will Kamenz dem Handel helfen

Vom Gutschein bis zu Veränderungen beim Parken: Was der Stadtrat beschlossen hat, um Unternehmen den Start nach dem Lockdown zu erleichtern.

So sieht der Kamenz Corona-Hilfe-Gutschein aus. Händlerin Sylvia Stephan (li.) betreibt das Geschäft Hautnah und regte die Aktion für den Einzelhandel an. Wirtschaftsreferentin Doreen-Charlotte Hantschke und viele Partner brachten sie auf den Weg.
So sieht der Kamenz Corona-Hilfe-Gutschein aus. Händlerin Sylvia Stephan (li.) betreibt das Geschäft Hautnah und regte die Aktion für den Einzelhandel an. Wirtschaftsreferentin Doreen-Charlotte Hantschke und viele Partner brachten sie auf den Weg. © Matthias Schumann

Kamenz. Gewerbetreibende haben schwer mit den Corona-Einschränkungen zu kämpfen. Deshalb hat sich die Stadt Kamenz jetzt für Hilfen entschieden. Die Wellen schlugen dabei schon im Vorfeld bei hitzigen Online-Diskussionen hoch. Dabei ging es vor allem um einen Vorschlag der Linken im Stadtrat, durch zusätzliche Parkplätze in der Marktmitte mehr Kundschaft ins Zentrum zu locken.

Im Internet wogten Für und Wider hin und her: Es gebe genug Parkraum im Umfeld. Ein kurzer Fußweg sollte doch drin sein, schrieben Kamenzer. Oder: „Verweilqualität fördere die Kauflaune“. Auf der anderen Seite die klare Ansage: „Kein Parkplatz, kein Einkauf“.

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Wer Parken auf dem Markt anspreche, erzeuge ein heftiges Schwirren wie im Wespenschwarm, formulierte Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) blumig. Doch das Parken ist nur ein Baustein, um Gastronomie und Einzelhandel nach dem Lockdown den Start zu erleichtern. Drei Eckpunkte der Hilfe hatte der OB kurz vor der Stadtratssitzung am Donnerstag in eine gemeinsame Erklärung des Rates gegossen. Der stellte sich einstimmig dahinter.

Maßnahme 1: Stadt stockt Gutscheine auf

Ein Corona-Hilfe-Gutschein ist dabei das Herzstück. Der Hinweis sei von Gewerbetreiben aus der Innenstadt aufgenommen worden, so OB Dantz. In Gesprächen mit der Wirtschaftsförderung, dem Stadtmarketing und dem City-Management sei die dramatische Lage vieler Geschäftsleute zum Ausdruck gekommen. Selbst in kleinen Läden, die öffnen dürfen, würden Käufer wegen vieler Unsicherheiten ausbleiben, so Wirtschaftsreferentin Doreen-Charlotte Hantschke. Es gehe um die Existenz. 10.000 Euro stellt die Stadt nun für Gutscheine bereit. Die sollen in der Stadtinformation erhältlich sein, wenn sich ein Ende des Lockdowns abzeichnet.

1.000 Gutscheine werden ausgegeben. Einer kostet den Käufer 20 Euro. Die Stadt stockt den Betrag um 10 Euro auf, so dass ein Gutscheinwert von 30 Euro zustande kommt. Bisher gibt es etwa 60 Akzeptanzstellen vom Café über den Modeladen bis hin zu den Museen in der Stadt. Interessierte Geschäftsleute aus allen Ortsteilen können sich noch beteiligen an der Aktion. Bestimmte Bereiche, die nicht vom Lockdown betroffen sind, wie Lebensmittelmärkte oder Apotheken, schließt die Stadt aus.

Der Stadtrat hat das einstimmig beschlossen, aber nicht, ohne noch einmal quer durchs Gremium ausgiebig zu diskutieren. Manchem ging das Konzept nicht weit genug, ein anderer sah nur einen kurzen Mitnahmeeffekt. Wieder andere appellierten, das Konzept in der Folge zu entwickeln, den Beschluss aber nicht zu verzögern. Tatsächlich wäre der fast geplatzt. Zudem sollten Sponsoren einbezogen werden, um den Gutscheinfonds aufzustocken. Den Vorschlag hat die Stadt bereits aufgenommen.

Vielleicht sei es ein Tropfen auf den heißen Stein, wie es ein Stadtrat formulierte. Aber auch den schüttele die Stadt nicht aus dem Ärmel, so OB Dantz. Es sei vor allem eine Geste, die auch Mut machen soll, ein Anreiz, bewusst in der Stadt einzukaufen. Dem schloss sich das Gremium schließlich an.

Maßnahme 2: Vorschläge zum Parken werden geprüft

Kundenparkplätze sind für den Handel gerade in Innenstädten ein wichtiges Thema. Die Linke schlug nun vor, in der gesperrten Marktmitte vorübergehend Flächen freizugeben und für Kunden damit Anreize zu schaffen. Das sei gerade auch für viele Senioren ein Angebot, die mit dem Auto ins Zentrum kämen. Bei einer Umfrage unter Händlern konnte wohl keine deutliche Tendenz pro oder kontra festgestellt werden.

Der OB nannte den Vorschlag vertretbar und machte im Handel eine gewisse Mehrheit pro Parken in der Marktmitte aus. Im Stadtrat war das Ergebnis dagegen deutlich: Nur fünf der über 20 Räte stimmten dafür. Mit zehn Stellplätzen als Test bis August sei den Gewerbetreibenden nicht wirklich geholfen. Es sei Aktionismus, so eine Mehrheitsmeinung.

Im Gegenteil: Das Bummeln oder der Biergartenbesuch würden durch mehr parkende Autos und Abgase eher unattraktiver. Beschlüsse zum Parken gab es dennoch. So wird der FDP-Hinweis überprüft, ob Taxiplätze überhaupt noch gebraucht werden. Und ob Anwohnerparkplätze tagsüber zeitweise freigegeben werden können, so der AfD-Vorschlag. Und ob sich auf der Weststraße weitere Stellplätze erschließen lassen, wie die Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile vorschlägt. Auch das Dauerparken im Marktumfeld (CDU) ist Thema.

Maßnahme 3: Markt soll attraktiver werden

Die Linke kehrte den Gegenwind ins Positive und sorgte damit auch für Erheiterung. Letztlich habe man doch eine Diskussion lostreten wollen, und das sei gelungen. Vorschläge für die Innenstadtbelebung sollen in der Folge noch ausführlich betrachtet werden, um den Einkaufsbummel nach dem Lockdown attraktiver zu machen, damit der Handel wieder auf die Beine kommt. So müssten die Händler den Raum vor ihren Geschäften besser nutzen können, fordern CDU/FDP.

Stadt-Land-Frau geht es um Schattenplätze auf dem Markt, vielleicht ein Kinder-Spielgerät, einen digitalen Info-Punkt zum Handelsangebot und ein Parkleitsystem. Das unterstützen auch die Grünen. Die Linke beantragte, das Parkkonzept insgesamt zu überprüfen. Die AfD regte an, den Nahverkehr ins Zentrum zu verbessern, und die Wählervereinigung ist sich sicher, dass jede Würstchenbude mehr Anziehungskraft habe, als weitere Parkplätze.

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