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Eine Geburtsstation in der Pandemie

Langsam kehrt im Kamenzer Malteser Krankenhaus wieder Normalität ein - und es gibt einen erfreulichen Trend.

Trotz Corona geht es im Kamenzer Kreißsaal schon fast wieder normal zu. Die leitende Stationsschwester Daniela Nicolaus (l.) hat mit den beiden Hebammen Theresa Wocko (M.) und Carsta Förster Verstärkung bekommen.
Trotz Corona geht es im Kamenzer Kreißsaal schon fast wieder normal zu. Die leitende Stationsschwester Daniela Nicolaus (l.) hat mit den beiden Hebammen Theresa Wocko (M.) und Carsta Förster Verstärkung bekommen. © Matthias Schumann

Kamenz. Die gute Nachricht zuerst: Corona brachte nicht neben all der Unsicherheit und zusätzlichen Arbeit  in den Krankenhäusern auch positive Entwicklungen in Gang. Zum Beispiel auf den Geburtsstationen. In Kamenz jedenfalls verzeichnet man einen erfreulichen Effekt bei den jungen Müttern - sie stillen intensiver und länger. 

Grund dafür sei die Ruhe, in der die frisch gebackenen Mamas die ersten Tage mit ihrem Kind verleben. "Durch Corona haben wir  verkürzte Besuchszeiten", erklärt Stationsschwester Daniela Nicolaus. Angehörige können täglich nur von 14 bis 17 Uhr zu Besuch kommen. Erst seit dem Sommer war es wieder erlaubt, dass Väter eine weitere Person mitbringen durften; seit September zwei. 

Stars im Strampler aus Bischofswerda
Stars im Strampler aus Bischofswerda

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die im Landkreis Bischofswerda zu Hause sind.

"Natürlich haben die Einschränkungen nicht allen gefallen. Wir mussten oft auf Sorgen der Angehörigen eingehen", sagt Nicolaus. Doch viele Mamas empfanden es nicht als unangenehm. "Die meisten haben uns wissen lassen, dass man das fortführen sollte."  

Einschränkungen brachten mehr Ruhe nach der Geburt

"Diese Entscheidung war gut", sagt Hebamme Carsta Förster. "Die Mütter können sich in den ersten Tagen viel mehr auf ihr Baby einlassen", sagt sie. Das Interesse am Stillen sei in den letzten Jahren gestiegen, auch durch das Angebot von Kursen und weil es Stillberaterinnen gibt.

Erst seit ein paar Wochen leistet Hebamme Carsta Förster Dienst im Krankenhaus. In den letzten Jahren konzentrierte sich die 41-Jährige auf ihre freie Praxis in der Kamenzer Altstadt, auf Vorbereitungskurse und Nachsorge. "Ich bin aber für einen Teil meiner Zeit wieder hier. Und ich bin hier, weil ich riesige Lust darauf hatte." Ihre eigenen Kinder sind mittlerweile älter, da lassen sich Schichten vereinbaren. Gefehlt habe ihr der Krankenhausalltag. Die Praxis auf dem Anger läuft aber weiter.

Ein Kind auf die Welt zu holen, ist etwas Besonderes

Auch Theresa Wocko ist neu auf der Station. Die 28-Jährige gründete vor einem Jahr mit zwei jungen Sorbinnen eine Praxisgemeinschaft in Schweinerden. "Der Dienst im Krankenhaus komplettiert mich. Im Radius von 25 Kilometern betreuen wir mit unserer Praxis junge Mütter. Hausbesuche werden gemacht, Kurse für Geburtsvorbereitung und Rückbildung angeboten", erzählt sie. Doch ein Kind auf die Welt zu holen - das sei noch einmal etwas anderes.

"Es geht wunderbar zusammen, wenn man Muttis vor der Geburt kennt, sie hier auf der Station wieder trifft und später eine Zeit lang begleitet", sagt Stationsschwester Daniela Nicolaus. "Ich finde es spannend, wie es bei ihnen weitergeht nach ihrer Entlassung."

Team der Geburtenstation deutlich verjüngt

Das Team der Geburtenstation hat sich in den letzten Jahren verjüngt. Von 21 bis 60 Jahren ist aber alles dabei. Hier trifft Erfahrung auf Wissensdurst. In den letzten Tagen ging es turbulent zu. Babys kommen, wann sie wollen. Sie fragen nicht, ob alle Kreißsäle belegt sind, ob es Tag oder Nacht ist. Ein Hauch von Normalität ist eingekehrt nach den stürmischen Corona-Zeiten im Frühjahr. Auch wenn man noch nicht ganz an alte Zeiten anknüpfen kann. 

Stationsschwester Daniela Nicolaus und ihr Team aus 15 Hebammen, Kinderkrankenschwestern, einer Stillberaterin und drei Hebammenschülern waren in den letzten Monaten nicht nur in ihrem Job unterwegs, sondern obendrein Tröster, Vermittler und Auskunftgeber.  "Viele werdende Eltern sind in der Krise verunsichert. Was darf man, was nicht? Mehr als sonst wurden Sorgen an uns herangetragen. Es gibt Verunsicherung, wie der Alltag auf der Geburtenstation aussieht. Corona hat einiges durcheinander gewirbelt", weiß Daniela Nicolaus.

Kurse und Infoabende sollen im Oktober beginnen

Viele Fragen bewegen die Schwangeren. Auch, ob man während der Geburt eine Maske tragen muss. "Das ist in unserem Haus nicht nötig, wird aber durchaus in anderen Kliniken praktiziert", so Daniela Nicolaus. Es herrscht viel Verunsicherung unter werdenden Eltern. Kein Wunder, fielen doch seit Mitte März sämtliche Geburtsvorbereitungskurse aus.

Auch die Infoabende mussten  gestrichen  werden. "Wir haben  das Ganze durch persönliche Betreuung kompensiert. Mittlerweile führen wir Paare auf Wunsch durch die Station. Außerdem starten ab nächstem Monat hoffentlich die Kurse wieder - natürlich mit Hygieneplan. Bis dahin kann man sich mit Fragen individuell melden", so die Stationsschwester. Vor allem im Krankenhaus-Bad stauen sich mittlerweile die Anmeldelisten. Schwangeren- und Babyschwimmen sind gefragt.

Bessere Möglichkeiten für die Reanimation

Neu geplant ist eine weitere Hebammen-Sprechstunde. Vor allem die Neuzugänge Carsta Förster und Theresa Wocko werden diese absichern.  Seit geraumer Zeit arbeitet die Geburtsstation Margareta ebenfalls eng mit dem Klinikum Dresden-Neustadt zusammen.  Vor allem im Bereich der Neugeborenen-Reanimation gibt es intensive Schulungen mit Kinderärzten. Auch eine moderne transportable Reanimationseinheit wurde angeschafft. "Wir hoffen natürlich, dass wir diese so wenig wie möglich in Betrieb nehmen müssen, aber es ist eine Zusatzabsicherung", so Daniela Nicolaus.

Dass auch ohne Kinderklinik im Haus die Sicherheit der Neugeborenen abgesichert ist, darauf wollen die Hebammen besonders hinweisen.  Auch in Kamenz gebe es einen Kinderarzt auf Abruf. Und müssen Kinder verlegt werden, greift die neue Kooperation mit dem Klinikum Dresden-Neustadt. "Wir stellen hier die Weichen für Mutter und Kind", so Daniela Nicolaus.  "Und das tun wir mit besten Wissen und Gewissen."

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