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In diesem Dorf stinkt es gewaltig

Ein großer Misthaufen vermiest den Einwohnern eines Dorfes im Kreis Bautzen seit Wochen den Alltag. Der Verursacher versteht die Aufregung nicht.

Ein riesiger Misthaufen am Feldrand in Crostwitz ärgert Anwohner.
Ein riesiger Misthaufen am Feldrand in Crostwitz ärgert Anwohner. © René Plaul

Crostwitz. Einwohnern von Crostwitz stinkt’s derzeit – zumindest im Bereich des Lehngutwegs und der Ćišinski-Straße. Dort wächst seit gut zwölf Wochen ein riesiger Misthaufen am Rande eines Ackers, berichtet Anwohner Raphael Kurfürst. Den bewirtschafte ein Bio-Bauer. Aber der Mist stamme nicht nur von ihm allein. Es sei quasi ein Sammelpunkt.

Der Gestank vermiese es den Anwohnern, draußen im Garten zu sitzen, klagt Kurfürst auch im Namen von Nachbarn gegenüber Sächsische.de. Hänge man die Wäsche raus, rieche sie nicht mehr nach einer frischen Brise, sondern müffele nach Dung. Dazu die Fliegen: „Wir hatten vorher noch nie Fliegenfänger aufhängen müssen.“

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Raphael Kurfürst wohnt unweit des Misthaufens. Er zeigt, wie sich der Haufen am Lehngutweg 50 bis 60 Meter weit zieht.
Raphael Kurfürst wohnt unweit des Misthaufens. Er zeigt, wie sich der Haufen am Lehngutweg 50 bis 60 Meter weit zieht. © SZ/Reiner Hanke

Zwischen 50 und 60 Meter sei der Misthaufen lang - mal flacher, mal höher. Sie hätten ja nichts dagegen, wenn der Haufen weiter auf dem Feld draußen lagern würde, aber so nahe an den Häusern! Nur ein Feldweg sei bei manchen dazwischen. Nun fragen sich die Anwohner, ob das überhaupt erlaubt ist.

Sechs Monate darf der Mist liegen bleiben

Die Kreisbehörde in Bautzen wird erst einmal amtlich und notiert: „Ein Misthaufen ist ein sogenanntes Feldrandlager, welches auf landwirtschaftlichen Flächen ohne weitere Anforderungen für bis zu sechs Monate zulässig ist, sofern es sich nicht um ein Trinkwasserschutz- oder Überschwemmungsgebiet handelt“, stellt Sprecherin Sabine Rötschke fest. Beides sei „hier scheinbar nicht der Fall“. Aber es müsse geprüft werden, wo genau der Haufen liege, um die Situation einschätzen zu können.

Der Ärger der Anwohner ist auch bei Bürgermeister Marko Klimann (CDU) angekommen. Es hätten sich schon etliche Bürger bei ihm gemeldet, sagt er. Daraufhin habe er den Bauern angesprochen. Er wolle den Mist auf dem Acker unterpflügen. Aber eben erst, wenn das Getreide abgeerntet sei. Das werde etwa in vier Wochen sein. So sei zu befürchten, dass die Leute noch einige Zeit mit dem Misthaufen leben müssen.

Bürgermeister sieht keine Handhabe

Er sehe kaum eine Handhabe, so Klimann. Auch nicht nach Rücksprache mit dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Abstandsregeln gebe es in dem Sinne nicht, ließ die Behörde jetzt auch gegenüber Sächische.de wissen. Aber sie wolle aktiv werden und den Misthaufen fachrechtlich betrachten, so Sprecher Falk Hofer.

So ein Haufen sei ja grundsätzlich möglich, sagt der Bürgermeister. Aber vielleicht hätte es eine andere Lösung gegeben, also den Mist etwas entfernt von den Häusern zu lagern? Man merke den Frust der Anwohner: „Ich kann nur an den Bauern appellieren.“

Natürlich sei man auf dem Dorf, räumt Klimann ein. Man müsse aber auch friedlich zusammenleben und sei aufeinander angewiesen. Die Leute wollten ja auch im Garten sitzen und die frische Luft genießen – nicht erst im Herbst. Der Zwist sei misslich und unangenehm. Er hoffe nun, dass der Bauer seine Lehren daraus zieht und im kommenden Jahr eine andere Lösung findet.

Landwirt sucht nach anderer Lösung für den Mist

Landwirt Ignac Wjesela ist einigermaßen überrascht von der Kritik. Kein Anwohner sei zu ihm persönlich gekommen, um über den Haufen zu reden. Darüber sei er sehr enttäuscht: „Das wäre der beste Weg gewesen. Ich hätte vieles erklären können. Alle wollen regionalen, biologischen Anbau. Da gehören Misthaufen dazu.“ Wenn man’s dann mache, werde es beanstandet, ärgert er sich. Es sei eine normale Feldrandlagerung. Das Landesamt für Umwelt sei inzwischen tatsächlich vor Ort gewesen und habe nichts beanstandet.

Er habe viel investiert und arbeite hart, so Wjesela. Wenn Bauern auf Spritzmittel verzichten sollen, dann gehöre eine natürlich Düngung dazu. Er hätte auch erklären können, dass der Mist für den Hochwasserschutz gut sei. Denn der Boden könne bis zu siebenmal mehr Wasser aufnehmen, wenn er biologisch bewirtschaftet und Mist eingearbeitet wird. Genau das sei sein Plan. Aber eben erst in etwa einem Monat, nach der Ernte. Dann sollen auf dem Acker Kartoffeln gedeihen. Dafür sei Mist das Beste.

Er habe schlicht und einfach derzeit keine andere Lagermöglichkeit, sagt Wjesela. Es sei gerade auch für ihn als jüngeren Bauern nicht leicht, Land zu pachten: „Ich hätte gern noch mehr Flächen hier im Ort.“

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Die heftige Kritik habe ihm wehgetan, er habe auch nicht damit gerechnet. In den nächsten Jahren würde es schon wegen einer vielfältigen Fruchtfolge keinen Misthaufen an derselben Stelle geben, erklärt der Bauer. Er suche außerdem nach einer anderen Lösung für den Mist und habe sich entschieden, ganz auf Feldrandlager zu verzichten. Letztlich auch vor dem Hintergrund, weil „sich die Leute derart aufregen“.

Dass es künftig keinen riesigen Misthaufen mehr geben soll, hören die Anwohner sicher gern. Und der Bauer wünscht sich, dass sie zu ihm kommen, wenn ihnen mal wieder was stinkt.

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